Weissenstein
Bahnlose Seilbahn AG fährt im letzten Jahr einen Verlust ein

«Wir sind eine Firma ohne Ertrag. Wohin das über kurz oder lang führen muss, ist klar – zur Aufgabe»: Mit diesen Worten eröffnete Verwaltungsratspräsident Urs Allemann die gestrige Generalversammlung der Seilbahn Weissenstein AG (SWAG).

Marco Zwahlen
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Verwaltungsratspräsident Urs Allemann erwartet vom Bundesamt für Verkehr bald die Bewilligung des Gondelbahn-Neubaus. Oliver menge

Verwaltungsratspräsident Urs Allemann erwartet vom Bundesamt für Verkehr bald die Bewilligung des Gondelbahn-Neubaus. Oliver menge

Solothurner Zeitung

Anwesend im Landhaus Solothurn waren 114186 Aktionärsstimmen oder knapp 93 Prozent. Nach der Betriebseinstellung der Gondelbahn auf den Solothurner Hausberg im November und des laufenden Baubewilligungsverfahrens für den Neubau einer 6er-Gondelbahn musste die AG ein Jahr ohne operative Tätigkeit hinter sich bringen.

Ohne Einnahmen ein dickes Minus

Entsprechend stand das «Geschäftsjahr» 2010 unter dem Druck, die Kosten möglichst zu optimieren. Mit dem technischen Leiter Konrad Stuber hat die Firma noch einen Angestellten. Den zwei an die Bergbahnen an der Lenk «ausgeliehenen» Mitarbeitern musste mangels Beschäftigung gekündet werden.

Stuber selbst entlastet die Firma momentan unter anderem mit seinem Einsatz als technischem Leiter ad interim bei der Wasserfallen-Bahn. Dank der Zusammenarbeit – die SWAG kann ihre Schlitten in Reigoldswil ausleihen – resultieren weiter wenn auch bescheidene Einnahmen.

Die Jahresrechnung weist bei einem Aufwand von 276000 Franken einen operativen Verlust von knapp 240000 Franken aus. «Ein dickes Minus», so Verwaltungsratsvize Rolf Studer. Dieser ist dank Rückstellungen der vergangenen Jahre gedeckt. Auf Nachfrage versicherte Allemann: «Wir können noch ein bis zwei Jahre ohne Einnahmen überstehen.» Ohne Gegenstimme segneten die Aktionäre den Jahresbericht, die Rechnung und das Budget, das mit einem Minus von 93000 Franken rechnet, ab.

Planungskosten von einer Million

Per Ende 2010 sind für das Neubauprojekt Planungskosten im Umfang von fast einer Million aufgelaufen. Der Ball im seit August 2009 laufenden Baubewilligungs- und Konzessionsverfahren liegt beim Bundesamt für Verkehr. Für die SWAG ärgerlich war insbesondere letzten Sommer der «Stellvertreterkrieg um die neue Bahn unter den Bundesämtern. Diesem setzte das Bundesamt für Justiz mit einem Gutachten zur Verbindlichkeit und Bedeutung des Richtplanentscheides des Bundesrates ein Ende.

Demnach beinhalte dessen Richtplananpassung für den Neubau explizit auch den Abriss der alten Bahn. Die neue Bahn dürfe jedoch die Landschaft nicht übermässig beeinträchtigen. Allemann dankte insbesondere dem Einsatz von Solothurner Parlamentariern. Dafür, dass es in Bern endlich vorwärts geht, hätten sich Ständerat Rolf Büttiker (FDP) – mit Roberto Zanetti (SP) im Schlepptau – sowie die Nationalräte Kurt Fluri (FDP) und Pirmin Bischof (CVP) starkgemacht.

Erfreulich ist laut Allemann auch, dass auf dem Berg wieder etwas gehe. Der Bau einer Abwasser- und Wasserleitung durch die Gemeinde Oberdorf, der Kauf des Kurhauses durch die Regio-Bank und die Neueröffnung des Gastbetriebes, der Postautobetrieb an Wochenenden, Feiertagen und neu mittwochs als Bahnersatz – «all das sind positive Zeichen für den Berg». Zum Postautobetrieb hielt er jedoch fest, dass dieser in seinem letztjährigen, knapp viermonatigen Betrieb so viele Leute transportiert habe, wie die Seilbahn an einem Spitzentag.

Nach Projektanpassungen letzten Herbst beurteilt nun auch das Bundesamt für Umwelt das Neubauprojekt als «landschaftsverträglich». Ebenso ist mittlerweile das renitente Bundesamt für Kultur leiser geworden. «Die Projektanpassungen sind zwar marginal, trotzdem habe ich im April dem Bundesamt für Verkehr (BAV) Unterlagen mit einem Gewicht von 60 Kilogramm eingereicht», führte Neubau-Projektleiter Johannes Sutter vom gleichnamigen Baselbieter Planungsbüro aus.

In seiner Funktion sei er mittlerweile zum vierten Mal an der Generalversammlung – «ein weiters und letztes Mal im nächsten Jahr», so Sutter. «In einem Jahr werde ich von den Baufortschritten am Berg berichten können.» Kurz und bündig zeigte der Projektleiter die Anpassungen auf. So sei unter anderem die geplante Bergstation gekürzt und abgesenkt worden, sodass sie sich besser in die Landschaft und neben das Kurhaus einbette. Die Mittelstation wiederum sei ebenfalls gekürzt und näher an die bestehende Trassee-Schneisse versetzt worden, was weniger Rodungen zur Folge habe.

Appell an Schweizer Heimatschutz

Mit dem positiven BAV-Entscheid ist im Sommer zu rechnen. Wird dieser rechtskräftig, soll noch im Spätherbst mit den Bauarbeiten begonnen werden. Allemann: «Wir stehen Gewehr bei Fuss für den Baubeginn.» Spätestens im Herbst 2012 wäre dann die neue Bahn in Betrieb. Ziehen aber die Projektgegner mit dem Schweizer Heimatschutz an ihrer Front den Entscheid ans Bundesverwaltungsgericht und danach ans Bundesgericht weiter, verzögert sich alles um ein bis zwei Jahre. Allemann appelliert an die Projektgegner, «allen den juristischen Instanzenweg zu ersparen». Dies im Interesse der Region. Die SWAG sei bereit, den Gegnern entgegenzukommen, und bleibe daher mit dem Heimatschutz in Kontakt.