Eine Abkühlung im kalten Nass, Planschen oder Volleyball: Das warme Wetter lockt in die Badi. In den Technikräumen vieler Schwimmbäder geht es jedoch nicht so unbeschwert zu wie rund um das Bassin: Einige Badis verwenden noch immer das giftige Chlorgas zur Desinfektion des Wassers. In luftdicht abgeschlossenen Technikräumen wird das Gas in Stahlflaschen gelagert; die Badmeister verwenden Gasmasken, wenn sie im Raum hantieren.

«Ab einer gewissen Menge ist das Gas tödlich. Es verätzt die Schleimhäute. Die Pflanzen, alles ringsherum ist tot», sagt der Grenchner Badmeister Paul Markus Joss. Angst braucht deswegen kein Schwimmer zu haben.

«Es besteht kein Gefahrenpotenzial», sagt Maik Ruzicska, Badmeister im Sportzentrum Zuchwil. «Für den Badegast ist es absolut unbedenklich.» In Zuchwil wird im Hallen- und Freibad noch Chlorgas verwendet, im Wellnesspool bereits das problemlosere Chlorgranulat.

«Solange das Gas im System und in den Flaschen ist, ist es sicher», sagt Ruzicska. Gelagert wird es in einem luftdicht abgeschlossenen Raum, eine Alarmanlage überwacht die Luft und schlägt Alarm, falls Gas austreten sollte.

Mit Respekt und Gasmaske

Der Trend geht weg vom Chlorgas. Die Hälfte der regionalen Freibäder ist vom Chlorgas auf Chlorgranulat umgestiegen. Bei diesem ist das Chlor in Kalk gebunden. Dass nicht alle Badis den Wechsel vollzogen haben, liegt auch an den hohen Umbaukosten.

«Beim Auswechseln der Gasflaschen geht man immer mit Respekt an die Arbeit», erklärt Roland Wälchli, Chefbadmeister im «Eichholz» in Gerlafingen, wo – zumindest noch in dieser Saison – Chlorgas verwendet wird.

In einem hermetisch abgeschlossenen Raum befinden sich die Stahlflaschen. «Wir gehen nur mit der Gasmaske hinein», sagt Wälchli. Auch den Chauffeuren, die das Gas anliefern, spüre man den Respekt an.

Über eine Vakuumleitung verlässt das Gas den Raum, wird dann von einer Druckerhöhungspumpe in den Vorlauf gepumpt und schliesslich von einem Injektor dem Wasser beigemischt. 2200 Kilogramm Chlorgas hat die Grenchner Badi letztes Jahr benötigt.

Schon Zwischenfälle erlebt

Auch in der Region ist es schon zu Zwischenfällen gekommen. 2008 entwich im «Eichholz» eine geringe Menge Chlorgas, 2010 ist in Grenchen Gas ausgetreten.

Dass dabei nichts passiert ist, liegt an den hohen Sicherheitsstandards, denn die Verwendung von Chlorgas unterliegt der Störfallverordnung. Neben einer Überwachungsanlage, die bei Gasaustritt Alarm schlägt, ist eine Sprinkleranlage im Raum installiert. Feuerwehr und Chemiewehr sind über die Anlagen informiert; alle vier Jahre werden sie vom Amt für Umwelt kontrolliert.

«Einzig, als der Feuerwehrmann im Vollschutz die Türe geöffnet hat und hineingegangen ist, kam etwas Gas an die Luft», sagt Paul Markus Joss. Sonst sei beim Grenchner Zwischenfall wegen des luftdicht abgeschlossenen Raumes nichts passiert, «aber das reicht trotzdem», sagt Joss.

Für nächstes Jahr hat er die Umstellung von der Chlorgasanlage auf Chlorgranulat ins Budget aufgenommen. Auch die Badi in Gerlafingen plant den Wechsel für 2012. «Man kann dann viel gelöster an die Sache herangehen», soBadmeister Wälchli.

Noch immer Chlorgas verwendet die Badi Messen: «Ein Umstieg ist in den nächsten Jahren wohl kein Thema», sagt Badmeister Thomas Siegenthaler. Grund dafür seien die hohen Umbaukosten. Auf 20000 bis 30000 Franken schätzt Roland Wälchli vom Gerlafinger «Eichholz» die Kosten für einen Totalumbau der Anlage.

Der Kanton drücke auf eine Umstellung, heisst es aus verschiedenen Schwimmbädern. «Wir weisen die Betreiber darauf hin, dass es andere Möglichkeiten gibt», sagt Hans-Peter Beutler vom Amt für Umwelt. «Chlorgas ist nicht verboten, aber nach dem Stand der Technik nicht mehr zwingend notwendig.»

Chlorgranulat hat auch Nachteile

«Die Möglichkeit, zum Chlorgranulat zu wechseln, gibt es schon relativ lange», sagt Bruno Staufiger von der Schwimmbadtechnikfirma Fehlmann in Münchenbuchsee. «Man wechselt aber nicht so einfach. Es
ist eine grosse Investition», sagt Staufiger. In Mühledorf, wo bereits vor zwei Jahren umgestellt wurde, mussten zwei Räume angebaut werden, da das Chlorgranulat nicht mit anderen Chemikalien zusammen gelagert werden darf.

Die Erfahrungen, die Badmeisterin Silvia Weibel gemacht hat, sind gut. «Es gibt etwas mehr zu tun», erklärt Weibel, andere Badmeister stimmen ihr zu. «Ich kann nichts Negatives sagen», sagt auch der Solothurner Badmeister Alex Inglin. 2010 hatte Solothurn umgestellt. Aufwand und Betriebskosten lägen im gleichen Rahmen wie zuvor.

Laut Fachmann Staufiger gibt es beim Chlorgranulat auch Nachteile. So habe man beim Chlorgas reines Chlor, während beim Granulat noch Bindestoffe im Wasser blieben. «Aber man nimmt dies in Kauf», so Staufiger, denn die Sicherheit werde wesentlich höher gewichtet.