Am 9. Juni 2010 sassen rund 800 Schülerinnen und Schüler an 161 Stellen im Kanton und zählten die vorbeibrausenden Autos, Motorräder und Lastwagen, aber auch Mofas und Velos. Mit dem Ergebnis: Auf den Kantonsstrassen hat der Verkehr im Vergleich zur letzten Erhebung 2005 um 1% zugenommen (2000–2005: 1,1%); auf den Autobahnen fahren sogar 11,1% mehr Fahrzeuge (2000–2005: 17%; siehe Artikel unten).

Die Verkehrsentwicklung auf den Kantonsstrassen ist je nach Region sehr unterschiedlich. Während in den Bezirken Gösgen (–11,2%), Dorneck (–5,1%) und Wasseramt (–4,6%) weniger Autos hin- und herfahren, ist in den restlichen Bezirken eine Verkehrszunahme zu verzeichnen.

Spitzenreiter ist das Gäu, wo 10,5% mehr Fahrzeuge die Strassen benutzen. Darunter befinden sich auffallend viele Lastwagen; in Egerkingen ist jedes fünfte gezählte Fahrzeug ein «Brummi». Grund: «Im Gäu siedeln sich laufend mehr Industrie- und Gewerbebetriebe an», erklärte Kurt Erni, Leiter Grundlagen/Planung im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, an einer Medienkonferenz.

Weniger Autos auf der Rötibrücke

Auch im Thal hat der Verkehr stark zugenommen (+6,8%), wobei vor allem die Juraübergänge (Passwang, Scheltenpass) betroffen sind. Schuld sind vermutlich die boomenden Navigationsgeräte, die kürzere Alternativrouten zu den Autobahnen empfehlen.

Ebenfalls gross ist die Zunahme des motorisierten Verkehrs in den Bezirken Bucheggberg (+8,3%) sowie Solothurn/Lebern (+6,3%). Hier ist vor allem ausschlaggebend, dass die Zufahrtsachsen zu den Autobahnen attraktiver geworden sind. «Im Raum Solothurn findet die gewünschte Verlagerung auf die A5 und die Westumfahrung statt», sagte Kantonsingenieur Peter Heiniger.

Konkret: Wer von Biberist oder Derendingen her nach Bellach will, fährt nicht mehr durch die Stadt Solothurn (Engestrasse: –38%, Luzernstrasse: –44%), sondern wählt die Auffahrten zur A5 (Solothurn-West: +223%, Solothurn-Ost: +176%) und danach die Westumfahrung. Mit dem Effekt, dass das Verkehrsaufkommen in der Stadt Solothurn abgenommen hat: Über die Rötibrücke fahren täglich rund 5100 Fahrzeuge weniger als noch im Jahr 2005 (–19%). «Diese Verlagerung ist stärker als erwartet», sagte Steven Kappeler vom Ingenieurbüro Kontextplan, das mit der Verkehrszählung beauftragt war.

Hingegen verzeichnet die Kantonsstrasse H5 zwischen Grenchen und Bellach eine auffallende Verkehrszunahme (in Bettlach +12%, in Bellach +25%). Damit wird die mit der Eröffnung der A5 im Jahr 2002 erreichte Verkehrsentlastung der H5 teilweise wieder durch zusätzlichen Verkehr aufgefüllt. «Wir führen diese Zunahme vor allem auf die Baustelle beim Autobahnanschluss Grenchen zurück, die im Juni 2010 noch in Betrieb war», sagte Heiniger. Einen direkten Zusammenhang mit der Westtangente sei nicht nachweisbar.

Velofahrer kommen in Fahrt

Offenbar steigen immer mehr Solothurnerinnen und Solothurner aufs Fahrrad um: Im Juni 2010 waren 15 Prozent mehr Velofahrer auf den Kantonsstrassen gezählt worden als noch fünf Jahre zuvor. «Wir haben in den letzten Jahren viel zur Förderung des Langsamverkehrs gemacht, das scheint sich jetzt auszuzahlen», zeigte sich Heiniger zufrieden.