Kanton Solothurn und Bern

Autobranche spürt keine Euro-Krise

Der Bedarf an Neuwagen ist in der Region sehr hoch – trotz des starken Frankens.  liz

Der Bedarf an Neuwagen ist in der Region sehr hoch – trotz des starken Frankens. liz

Regionale Garagisten habenden starken Franken bisher gut verkraftet – einige sogar sehr gut. Der Neuwagenverkauf läuft ungebremst. Einzig beiden Occassionen sieht es nicht so rosig aus.

Obwohl die Nationalbank den Franken geschwächt, die Talfahrt des Euros vorerst gestoppt hat, kämpfen Schweizer Unternehmen nach wie vor mit ungünstigen Wechselkursen. Eine Branche, die bei Problemen im Import immer betroffen ist, sind die Autohändler. Meistern sie diese Krise besser als andere? Eine Umfrage bei Unternehmen in der Region zeigt ein unterschiedliches Bild. Während die einen über «weniger Fleisch am Knochen» klagen, klingen andere weit optimistischer. Etwas kristallisiert sich dabei heraus: Wer rechtzeitig reagiert hat, steht heute besser da.

Früh geschalten habe man bei der Vogelsang AG Garage in Grenchen, sagt Philipp Vogelsang, Leiter Verkauf: Eine Währungsprämie eingeführt, den Occasions-Park zu einem Drittel verkauft. Positiver Effekt der Euro-Krise seien die vielen Anfragen für Neuwagen. «Wir haben heute bessere Angebote.» Andererseits verlieren Gebrauchtwagen an Wert.

Verkäufer erhalten tiefere Beträge als noch vor einem Jahr. Diejenigen, die ihr Fahrzeug länger behalten, würden am meisten profitieren. Ein Problem bereiten der Garage die Leasing-Verträge: Diese garantieren, dass Kunden ihre Wagen nach einer festgelegten Kilometer-Zahl zu einem fixen Preis zurückgeben können. Das sei bei den gegenwärtigen Währungsschwankungen aber schwierig. Wie viel Wert hat das Fahrzeug bei der Abgabe, wie viel noch bei der Annahme? Vogelsang: «Wir haben hier gelernt, defensiver zu agieren.»

Währungsprämie auf Neuwagen

Überhaupt kein Problem mit der Krise hat die Auto Studer AG. Die Langenthaler verzeichnen 2011 deutlich mehr Zulauf. Ein Grund dafür sieht Marco Pezzullo vom Verkauf darin, dass das Unternehmen bereits seit Februar eine Währungsprämie auf Neuwagen gewährt. Damit hätten sie zu den Ersten überhaupt gehört. «So konnten wir denn auch die Offerten unserer deutschen Lieferanten überbieten.» Die Verluste gleichen sich also aus. «Wir sind zu 100 Prozent Euroorientiert.» Die Höhe der jeweiligen Prämie werde sowieso vom Importeur gesteuert, dieser habe ein Interesse daran, dass seine Produkte verkauft werden.

Das Lager bereitet der Auto Studer AG scheinbar keine Probleme, dieses habe man sogar um 30 Prozent aufgestockt, sagt Pezzullo. Es kämen auch Kunden ausserhalb des ursprünglichen Einzugsgebiets, die an einem neuen Fahrzeug interessiert seien.

Für Kunden lohnt sich Einkauf im Ausland nicht mehr

Ein «superJahr» war es bisher für die Autocenter Ackermann AG in Oensingen. Der starke Schweizer Franken hat sich auf das Unternehmen bisher positiv ausgewirkt, «wir geben die Währungsdifferenz an den Kunden weiter», sagt Geschäftsführer Antonius Ackermann. Betroffen sind Fahrzeuge von Volkswagen, Audi und Skoda.

Seit diesem Sommer seien die Preise identisch mit denjenigen in Deutschland, Italien und Frankreich. «Es lohnt sich für Kunden also nicht mehr, im Ausland einzukaufen.» Scheinbar wirkt die Massnahme, die Kunden kauften «wie verrückt». Obwohl das Autocenter über ein grosses Lager verfüge, entstanden bisher keine Verluste, «da wir immer zeitgleich kaufen und verkaufen».

Er glaubt nicht, dass sich der Euro wieder oben einpendeln wird, das stört ihn weniger: «Denn die Kunden profitieren ja weiter von günstigen Preisen.»

Angst vor Euro-Anstieg

Normalerweise ist der September ein unaufgeregter Monat bei der Huttwiler Grädel&Cie AG Centralgarage. Doch seit bei Neuwagen Prämien bis zu 11000 Franken möglich sind, wird das Unternehmen von Anfragen überhäuft. «Das war ein richtiger Hit», sagt Betriebsinhaber Urs Grädel. Besonders überrascht war er, wie die Kunden auf kurzfristige Währungsänderungen reagierten.

«Viele hatten Angst, der Euro würde nochmals steigen, und kauften deshalb ein.» Jeden Monat erhält die Garage vom Importeur Opel eine Offerte mit der neusten Flex-Prämie, die sich am Euro orientiert. Probleme bereiten dem Unternehmen die Occasion-Wagen, deren Preisdifferenz gegenüber Neuwagen geschrumpft ist. «Wenn der Kurs tief bleibt, müssen wir auch intern Preise senken», sagt Grädel. Also bei Service, Mechanik. «Wir müssen abwarten, aber der Druck ist da.»

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