Fernwärme
Ausbau des Fernwärme-Netzes ist auf Kurs

Auch wenn momentan das Schänzli-Quartier immer noch einer Grossbaustelle gleicht, schreitet die Bauetappe 2011 des 30-Millionen-Fernwärmenetzes planmässig voran. Der Ausbau ist ein logistischer Kraftakt für alle Beteiligten.

Andreas Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
Hier muss jeder Griff sitzen: Fachgerecht wird eine Muffe wasser- und luftdicht verschweisst. zvg

Hier muss jeder Griff sitzen: Fachgerecht wird eine Muffe wasser- und luftdicht verschweisst. zvg

Solothurner Zeitung

«Wie ein Riesenpuzzle», so umschreibt Stefan Schluep von der Regio Energie Solothurn den Leitungsbau für die Fernwärme. Hier fügt sich zurzeit ein Teil an das andere. Der Projektleiter des 30-Millionen-Projekts gibt sich zuversichtlich, die nächste Tranche Stadtsolothurner Haushalte auf den Winter hin neu mit Wärme aus der Kebag versorgen zu können.

Nachdem im Juni 2010 der erstmalige Durchstich auf städtischen Boden erfolgte und dabei südlich der Bahnlinie bis vor die «Blaue Post» Fernwärme zugänglich gemacht wurde, soll mit dem 1. Oktober auch die Etappe 2011 zwischen Bahnlinie und Aare plangemäss abgeschlossen werden. Aktuell wird an der Schänzli- und an der Bechburgstrasse gearbeitet. «Es kann zwar sein, dass sich sichtbare Abschlussarbeiten an der Oberfläche bis in den Dezember ziehen», so Schluep.

Aber ab Oktober soll 120 Grad heisses Wasser durch die Leitungen bis zur Berntorstrasse schiessen. Lediglich unvorhergesehene Einflüsse, beispielsweise Kälteeinbrüche, könnten den Abschluss hinauszögern. So oder so sind es zurzeit 65 gesicherte Fernwärmeabnehmer – sprich: Gebäudeobjekte.

Logistische Kraftakte sind nötig

Begonnen hatte der Bau dieses Leitungsstrangs in der zweiten Märzhälfte ab dem Zuchwiler «Riverside Business Park» (ehemals Sulzer-Areal). Dass sich die einzelnen Abschnitte nicht nacheinander, sondern nur miteinander aufschalten lassen, erklärt Schluep mit organisatorischen Hürden: «Je nachdem, wie die jeweiligen Zufahrtswege für die Anwohner sind, muss der Leitungsbau wie ein Puzzle etappiert werden.» Aus seiner Sicht stellt insbesondere die Vorstadt einen «logistischen Kraftakt» dar.

Reaktionen kommen laut Schluep aus der Bevölkerung einige: Es erstaune vielerorts, dass die entsprechenden Baustellen zum Teil bis acht Wochen fast ohne Bauarbeiten «brachlägen». Dieser Eindruck scheint aber verzerrt, da die Schritte beim Leitungsbau für Fernwärme besonders komplex sind. Genaue Messungen sind nötig, beispielsweise bei den Schweissstellen, die die einzelnen Stahlrohre miteinander verbinden. Der hohe Qualitätsanspruch geht mit der kostspieligen Fernwärmetechnik einher. Dafür sind die Leitungen mit einem Durchmesser von 2,5 bis 25 Zentimeter für einen Betrieb über 30 Jahre ausgelegt, «ich würde gar schätzen, dass sie 50 Jahre in Betrieb sein können», so Schlup.

Auch sei ein Rohrbruch nahezu unmöglich – wenn doch, lässt er sich über ein sensibles Netzüberwachungssystem sehr früh erkennen und orten. Als wichtig erachtet der Projektleiter, mit der betreffenden Bevölkerung ins Gespräch zu kommen: «Sobald die Bagger auffahren, werden die Leute vor Ort neugierig, stellen Fragen und bekunden Interesse. So haben wir einige Akzeptanz gegenüber der Fernwärme schaffen können», resümiert Schluep. Entsprechend kommen wöchentlich neue Offertanfragen für Netzanschlüsse hinzu.

Ab 2012 wird das Nordufer erobert

«Wir haben uns zu Projektbeginn 2007 gefragt, in welchen Gebieten ein Fernwärmenetz sinnvoll sein könnte und die potenzielle Dichte der Wärmenutzung ausgewertet.» So ist das Projekt insgesamt auf rund 200 Objekte ausgerichtet. Für eine Ausweitung über die Stadtgrenzen hinaus ist das Netz allerdings nicht ausgelegt. «Wir rechnen aber damit, dass sich in den kommenden Jahren der Wärmeverbrauch pro Objekt dank Sanierungsmassnahmen reduzieren wird, sodass wieder Kapazitäten frei werden.»

In den kommenden Wochen soll die Bauausschreibung für die nächste Etappe publiziert werden: Bis zur zweiten Hälfte 2012 wird das Bürgerspital erschlossen sein. Unabhängig von den Neubauplänen beabsichtigt der Kanton nämlich den Anschluss des Spitals an die Fernwärme. Parallel zur Etappe Bürgerspital wird über die Wengibrücke das Nordufer «erobert», so dass die Leitung bis 1. Oktober 2012 via Wengistrasse, Westbahnhofstrasse, Werkhofstrasse und Gärtnerstrasse schliesslich die Kantonsschule Solothurn erreicht.

Der Aspekt der Ökologie

Aus Sicht der Regio Energie gibt es vor allem ökologische Gründe, auf Fernwärme umzusatteln. So lassen sich laut Schluep mit dem Fernwärmenetz jährlich 19000 Tonnen CO2 einsparen; eine Zahl, die mit jedem zusätzlichen Wärmebezüger wächst. Dies entspricht den Emissionen von 135 Mio. Kilometern Fahrt mit einem Personenwagen oder fast 3400 Erdumrundungen. Alle Investitionen eingerechnet, muss man mit einem Preis von rund 12 Rappen pro Kilowattstunden rechnen. Mit der Fernwärme konkurrenziert die Regio Energie eines ihrer eigenen Angebote, der «Jubilarin» Gas, die heuer ihren 150. Geburtstag feiert.