Benzin-Panne

Aus der Zapfsäule kam plötzlich «Bleifrei 95» mit Regenwasser

An dieser Tankstelle an der Luzernstrasse in Zuchwil füllte das Regenwasser den Domschacht und verunreinigte danach das Benzin.  bar/san

An dieser Tankstelle an der Luzernstrasse in Zuchwil füllte das Regenwasser den Domschacht und verunreinigte danach das Benzin. bar/san

Die massiven Regenfälle vom vergangenen Wochenende forderten auch ungewöhnliche Opfer: An einer Solothurner Tankstelle wurden drei Autos durch verunreinigtes Benzin beschädigt.

Wer am Abend des letzten Sonntags an der Luzernstrasse in Zuchwil an der Shell-Tankstelle sein Fahrzeug mit Bleifrei 95 betanken wollte, stand vor geschlossenen Zapfsäulen. Die letzten Kunden, bei welchen der Bezug noch klappte, waren Markus Leder und seine Partnerin aus Affoltern am Albis. Um 18 Uhr wollten sie das Auto volltanken. Nachdem er bezahlt hatte, sprang der Motor nicht mehr an.

Benzin mit Wasser vermischt

Leder dachte im ersten Moment an einen Defekt und rief die Nummer des Pannenservices an. Als diese die mutmassliche Ursache der Panne präsentierten, staunten alle Beteiligten. Es befand sich mit Wasser verunreinigtes Benzin im Tank des Autos. Dieselbe Diagnose stellten die Helfer auch einem anderen havarierten Wagen an der Tankstelle.

Kemal Cifci, Pächter der Shell-Tankstelle, war schnell vor Ort. Er sagte, dass die Reparaturkosten für die Fahrzeuge übernommen würden. Des Weiteren sicherte er den Betroffenen 200 Franken für die öffentlichen Verkehrsmittel zu. «Wir sind aber auf ein Fahrzeug angewiesen. Daher bestanden wir auf einen Mietwagen», so Leder. Das eigene Auto wurde am Abend zur nächsten Marken-Vertretung abgeschleppt. Die beiden kamen danach dank eines Cousins von Cifci nach Rothrist zu einer Mietwagenvertretung.

Mängel am Domschacht

Bereits vorgestern Montag wurde die betroffene Tankstelle an der Luzernstrasse repariert. Anscheinend hatte Regenwasser den so genannten Domschacht gefüllt. Dieser verbindet die Aussenwelt mit dem Benzintank unter der Tankstelle. Am Tank selber bildete die Messstabverschraubung die Schwachstelle. Diese war laut Shell Schweiz das letzte Mal nicht korrekt verschlossen worden. So gelangte das Wasser in den Benzintank und sank wegen der höheren Dichte auf den Grund des Tanks. Von dort wurde es beim Tanken direkt angesaugt und in die Fahrzeuge gefüllt.

Nur sollte eigentlich gar nie Wasser bis zu den Messstabverschraubungen gelangen, bestätigt ein anderer Tankstellenpächter. Domschächte sind doppelwandig und mit zwei Deckeln gegen Wasser geschützt. Zwei beteiligte Personen sagten gegenüber az aus, dass anscheinend an drei der vier Domschächten die Schachtringe nicht mehr hundertprozentig dicht seien und so das Wasser einfacher eintreten könne. Zuständig für den Unterhalt der Tankstellen ist die Shell Schweiz.

Konfrontiert mit den Vorwürfen dementiert die zuständige Stelle einen Defekt an den Domschächten in Zuchwil. Im Zuge eines Investitionsprogrammes würden aber verschiedene Tankstellen in der ganzen Schweiz saniert, darunter auch jene in Zuchwil, so Shell. Was alles diese Sanierung umfasst, wurde nicht bekannt gegeben.

Markus Leder konnte sein Auto gestern Abend in Solothurn wieder in Empfang nehmen. Am Wagen musste der Tank ausgepumpt und gereinigt sowie der Kraftstofffilter ausgetauscht werden. Bei ihm stapeln sich jetzt die Rechnungen für die Reparatur, den Mietwagen und das gekaufte, aber verunreinigte Benzin. Shell versichert, dass diese Kosten übernommen würden. Eine Versicherungsfirma werde direkt Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen.

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