Zuchwil

Aus der Mongolei direkt in die Schweiz

Gantulga Zagal (l.) und ihre Tochter Solongoo Gantulga sprechen bereits recht gut Deutsch. hansjörg sahli

Gantulga Zagal (l.) und ihre Tochter Solongoo Gantulga sprechen bereits recht gut Deutsch. hansjörg sahli

Die Mongolin Gantulga Zagal und ihre Tochter unterschrieben die 999. und 1000. Integrationsvereinbarung. Die verpflichtende Vereinbarung fordert den beiden Frauen, die in Zuchwil leben, bei einiges ab.

Die 18-jährige Solongoo Gantulga zeigt der Besucherin ein kleines Stück Blech mit den Umrissen der Mongolei und meint, verschmitzt lächelnd: «Wenn man das umdreht, dann schaut es aus wie die Schweiz.» Seit Anfang Mai lebt die junge Frau, die in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, aufgewachsen ist, in der Schweiz, genauer in Zuchwil – und scheint sich hier bereits recht heimisch zu fühlen.

Der Abschied von der Mongolei ist ihr aber nicht ganz leicht gefallen: «Ich vermisse meine vielen Freunde sehr.» Umso grösser ist die Freude, endlich wie-der mit ihrer Mutter, der 41-jährigen Gantulga Zagal – und ihrem Stiefvater vereint zu sein. Ihre Mutter war bereits ein Jahr zuvor, nach ihrer Heirat mit dem Solothurner Beat Zimmermann, in die Schweiz gereist. «Wir sind sehr glücklich, dass wir jetzt alle wieder zusammen sein können», sagt die Mutter und strahlt.

Klares berufliches Ziel vor Augen

Glücklich und ein wenig stolz macht es die 41-jährige Gantulga Zagal zudem, dass sie und ihre Tochter Ende August die 999. und die 1000. Integrationsvereinbarung unterzeichnen durften – und vom Kanton einen Blumenstrauss überreicht bekommen haben. Die verpflichtende Vereinbarung fordert den beiden Frauen dabei einiges ab.

So wird Mutter Gantulga Zagal, obwohl sie bereits über recht gute Deutschkenntnisse verfügt, in den nächsten Monaten dreimal die Woche während jeweils vier Lektionen einen Deutschkurs besuchen. «Eigentlich wollte ich während dieser Zeit arbeiten gehen», meint sie, «jetzt lerne ich aber eben besser Deutsch.»

Für Tochter Solongoo Gantulga – in der Mongolei ist der Vorname der Muter oder des Vaters der Nachname der Kinder – können die Kurse gar nicht intensiv genug sein. Sie besucht bereits seit einiger Zeit an vier Vormittagen pro Woche einen Deutsch-Integrationskurs, der ihr neben den Sprachkenntnissen auch die Grundlagen für eine spätere Berufsausbildung vermittelt. Die 18-Jährige, die in Ulaanbaatar die Schule mit sehr guten Noten abgeschlossen hat, würde am liebsten den ganzen Tag mit Lernen verbringen. Die strebsame junge Frau weiss zudem bereits sehr genau, wie sie ihre Zukunft gestalten will: «Ich möchte hier in der Schweiz eine gute Ausbildung machen und dann zurück in die Mongolei gehen.» Am liebsten würde sie die Hotelfachschule besuchen.

Der Duft der Heimat

Gantulga Zagal hat Beat Zimmermann, der als Koch in einem Pflegeheim arbeitet, übers Internet kennen gelernt. «Ein Jahr lang haben wir nur schriftlich oder am Telefon miteinander Kontakt gehabt.» Geheiratet haben die beiden dann 2009, mitten
im eiskalten mongolischen Winter. In Ulaanbaatar war Gantulga Zagal unter anderem als Schneiderin tätig und betrieb einen eigenen kleinen Gemüsehandel. Seit sie in der Schweiz lebt, trägt sie als Haushalthilfe zum Familieneinkommen bei. «Was würden wir nur ohne dich tun», schrieb ihr kürzlich eine Frau aus Zürich, bei der sie wöchentlich acht Stunden arbeitet.

An der Schweiz schätzt die 41-Jährige die Pünktlichkeit und die Ordnung. «Ich bin ein sehr pünktlicher Mensch.» Und auch die Landschaft hat es ihr angetan, obwohl, manchmal sehnt sie sich nach diesem ganz besonderen «Duft der mongolischen Natur».

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