Ein besonderer Volltreffer gelang Jäger Hans Peter Hunziker, als er im östlichen Gemeindegebiet von Mümliswil einen Luchs fotografieren konnte. Am Sonntagabend gegen 18.30 Uhr erhielt er einen Anruf von seinem Jagdkollegen Wolfgang Lisibach. Dieser berichtete ihm, dass er einen Luchs entdeckt hatte. «Zehn Minuten später war ich vor Ort, und der Luchs war immer noch dort» erzählt Hunziker. Der Luchs sei ruhig auf einem Baumstumpf gelegen und habe in die Richtung der beiden Jäger geblickt.

Offenbar heimisch

Hunziker konnte das Tier aus einer Entfernung von 80 Metern fotografieren. Das sei ziemlich aussergewöhnlich für das bekanntlich sehr scheue Tier. Erst als Lisibach einen Schritt vorwärtsgemacht habe, sei der Luchs verschwunden. «Wir hatten das Gefühl, dass der Luchs hier wirklich heimisch ist», beschreibt der Jäger die Begegnung. Das Tier brauche Nahrung, Deckung und vor allem Ruhe, und er scheint an diesem Gebiet Gefallen gefunden zu haben, sagt Hunziker. Er halte sich viel im Wald auf, meist mit seinen Jagdkollegen: «Uns ist aufgefallen, dass wir in den letzten drei, vier Monaten weniger Wild gesehen haben. Und wenn, dann war dieses sehr nervös, besonders die Rehe.» Die Tiere hätten sich anders verhalten als gewohnt.

Letzten Herbst hatten die Jäger ein Reh geschossen, das Spuren eines Luchsangriffs aufwies. Das sei bis anhin der einzige Hinweis auf die Anwesenheit dieser Raubkatze gewesen. Der Jäger habe die Bilder an das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei geschickt. Die Fotos wurden an die KORA (Koordinationsstelle für Grossraubtiere) weitergeleitet, um zu überprüfen, ob der Luchs schon in der Datenbank erfasst ist oder nicht. Hunziker vermutet, dass der Mümliswiler Luchs ein weibliches Tier ist. Aber das werde auch noch überprüft.

Der Luchs im Kanton

«Dem Luchs geht es gut. Der Bestand ist stabil», sagt der Wildbiologe Mark Struch vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei auf Anfrage. Die genauen Zahlen aus dem Luchs-Intensiv-Monitoring vom vergangenen Winter im Gebiet Jura-Nord, in welchem die Kantone Solothurn, Baselland, Bern und Jura erfasst sind, werden erst im kommenden November vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) kommuniziert. Das erste Intensiv-Monitoring fand vor drei Jahren statt. «Die Idee ist es, das Monitoring alle drei Jahre zu wiederholen, um vergleichbare Zahlen zu erhalten und die Entwicklung der Luchspopulation zu überprüfen», so der Wildbiologe.

Lokal namhafter Einfluss

Es komme ab und zu vor, dass einzelne Schafe von einem Luchs gerissen werden. Im Kanton Solothurn ist dies, laut Mark Struch, selten der Fall. Auf die Frage, ob der Wildbestand im Thal rückläufig ist, erklärt der Wildbiologe: «Der Luchs kann lokal einen namhaften Einfluss auf den Wildbestand haben. Er jagt dort, wo er Beutetiere findet. So bewegt sich die Raubkatze auch in einem grossen Streifgebiet, und die Wildbestände in einst stark bejagten Gebieten können sich auch wieder erholen.»

Bei gerissenen Kälbern in Selzach und Welschenrohr im letzten Herbst wurde vor allem der Luchs verdächtigt. «Die Feststellung der Todesursache oder Identifikation eines möglichen Raubtieres als Täter konnten durch die Untersuchung am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (FIWI) in Bern nicht erbracht werden», so Mark Struch.