Wer eine Bühnenaufführung im Saal plant oder eine Freiluftdarbietung unter Einbezug wechselnder Wetterverhältnisse vorsieht, steht vor unterschiedlichen Herausforderungen. Die Bühne Burgäschi hat mit der «Gräfin Mariza» am Open-Air-Spielort Burgäschi vor zwei Jahren nationale Beachtung erlangt. Um ihr Publikum weiterhin an sich zu binden, gastierte sie letztjährig mit einem bunten Konzertreigen an verschiedenen Orten.

Seit dem vergangenen Spätherbst nimmt allerdings «Die lustige Witwe» mehr und mehr Raum ein. Der künstlerische Leiter Hermann A. Gehrig scharte gemeinsam mit seiner Tochter Melanie, die für die gesamte Inszenierung verantwortlich zeichnet, eine Truppe von freiwillig Mitarbeitenden um sich. Melanie Gehrig, Sängerin mit Diplom, die als freie Musikschaffende tätig ist und die Titelfigur Hanna Glawari gibt, durchläuft gegenwärtig berufsbegleitend einen weiteren Studiengang fürs Musiktheater.

Sie hat sich intensiv in die Lehar-Komposition eingelebt und das von Victor Léon und Leo Stein geschriebene Libretto bearbeitet. Zudem habe sie zeitgeschichtliche Literatur gelesen, um ein facettenreiches Bild des späten 19. Jahrhunderts in Paris zu erhalten. «In der szenischen Umsetzung wollen wir den Schritt vom authentisch-logischen Inhalt zu leichtfüssigen spielerischen Effekten vollziehen», meint sie.

Eine besondere Aufgabe stellte sich in der Auswahl der Solostimmen. Hier entschied, wie sie unterstreicht, nicht nur ein Casting oder die beste Stimme, sondern auch Ausstrahlung und die Bereitschaft zum durchaus anstrengenden Freiluft-Spielbetrieb.

Zudem hat Melanie Gehrig das gesamte Gestaltungskonzept entwickelt und jede Menge Kleider entworfen und sogar selbst geschneidert. Die Stoffe zur Einkleidung der Chorfrauen und des Kinderchores hat sie in Barcelona, Wien, München und Langenthal ausgesucht. Und wie geht es dem 45-köpfigen Operettenchor, der aus Erwachsenen und Jugendlichen besteht? «Er ist motiviert und konzentriert an der Arbeit und beherrscht seine Auftritte schon im Detail», lobt Melanie Gehrig.

Top-Orchester

In der musikalischen Verantwortung entlastet Reimar Walthert den bisherigen Orchesterleiter Hermann A. Gehrig. Gehrig, der selbst eine Rolle als «Baron Mirko Zeta» in der Operette verkörpert, betont seine Freude an der nachrückenden Generation, die Planung und Führung des «Unternehmens Operette» ausserordentlich umsichtig angehe.

Profimusiker Walthert hat inzwischen eine Fülle organisatorischer Fragen bewältigt, damit die 60 mitwirkenden Musikerinnen und Musiker, die eben auch in anderen Ensembles verpflichtet sind, die für alle passenden Auftrittspläne zu den 22 vorgesehenen Spieldaten erhalten. Bei der ersten gemeinsamen Probe erwiesen sich die Instrumentalisten unter Konzertmeister Matthias Aeschlimann als «absolutes Top-Orchester».

Wichtige Unterstützung

«Zufälligerweise ist ‹Boss› Melanie meine Nichte, die ich gerne unterstütze», lacht Spielleiterin Käthi Gehrig. Auf der Bühne trommelt sie wie schon in der Vorgänger-Operette die in den Szenen Beteiligten zusammen, ist Scriptgirl, Requisiteuse, Trösterin und freundliches «Mädchen für alles». Eine Freiluftaufführung bezieht bekanntlich ihre besondere Wirkung aus dem Bühnenbild. Dafür ist Jürg Grossenbacher zuständig, der nach Melanies Entwürfen und den Plänen von Meinrad Engesser eine über sechs Meter hohe Kulissenlandschaft baut, die Wind und Regen standhalten muss. Der Kunstschlosser aus Oberönz hat sich angesichts der «Gräfin» 2009 für den Operettenbetrieb begeistert und gleich zehn Profi-Handwerker wie Schreiner und Drechsler mit ins Boot geholt. «Es läuft ausserordentlich gut», sagt Grossenbacher. Ihm zur Seite steht Theatermalerin Daniela Flury, die Themen wie Stadt und Wald grosswandig auf die Fassaden aufbringt. «Ich träume schon davon», kennzeichnet sie ihren Einsatz.

Hälfte der Plätze verkauft

Die Premiere der Operette ist auf den 4. Juni angesetzt. Gespielt wird bis zum 12. Juli. «Gut 5000 Plätze sind bereits verkauft», kann Ursula Willi ein erfreuliches Zwischenergebnis mitteilen. In den nächsten Wochen wird sie die interessierten Operettenfreunde in der Wahl der restlichen 5000 Plätze beraten. Zudem kümmert sie sich um alle Sekretariatsaufgaben in der Bühne Burgäschi und im Trägerverein «Musik im Wasseramt» sowie um Flyer, Programmhefte und Dokumentationen.

Vielseitige Talente kann man immer brauchen, sagte sich das Team und gewann Bühnenbildgestalter Meinrad Engesser auch für die Gastronomie. Als Gastgeber für ein ländlich-deftiges Angebot sind die Eigentümer des Burghofs, die Familie Ernst Aeschlimann, um das Wohl des Publikums bemüht. Daneben gibt es in der weitläufigen, in «chambres separees» eingeteilten Burghof-Scheune und auf dem Vorplatz Pariser Köstlichkeiten. Für Gruppen ist eine Anmeldung erwünscht. Die Zuschauertribüne ist allwettertauglich überdacht.

Vorverkauf:www.burgaeschi.ch