Chris von Rohr ist der Vorzeige-Solothurner. Fragt man im Tourismusbüro nach einer geeigneten Person für
ein Interview über die Stadt, verweist die Dame am Schalter sofort auf den Erfolgsrocker, Krokus-Musiker, Produzenten und Autor. Gleichzeitig unterstreicht sie den Status des berühmten Sohns der Stadt: «Der steht aber nicht im Telefonbuch.» Dafür ist in seiner Autobiografie «Hunde, wollt ihr ewig rocken» nachzulesen, wie Solothurn seine Karriere geprägt hat. Der Kleinstadtmief stachelte ihn und seine Bandkollegen in den 70er-Jahren an. Wohin sie genau wollten, wussten sie nicht. Einfach raus aus Solothurn.

Weder zu klein noch zu gross

Vom Kleinstadtmief ist nichts mehr zu spüren. «Unser Kulturangebot muss den Vergleich mit Basel oder Zürich nicht scheuen», meint Stadtschreiber Hansjörg Boll selbstbewusst. Die Kulturausgaben der Stadt seien mit jährlich 600Franken pro Kopf unter den höchsten der Schweiz. Boll spricht bewusst vom Abendleben, wenn er die Stadt rühmt. Denn das in letzter Zeit gewachsene Nachtleben birgt auch Nachteile. Viele Solothurner fühlen sich in ihrer Nachtruhe gestört. Boll zeigt Verständnis: «Für mich persönlich muss das Nachtleben nicht bis vier Uhr morgens dauern.»

Spricht man die Leute auf der Strasse an, hört man auch andere Einschätzungen. «Solothurn hat ein paar gute Bars, aber kein richtiges Nachtleben», meint Susanne Scheidegger, Inhaberin einer Kleiderboutique. Aus ihrer Sicht beschränken sich die Nachtruhestörungen auf die Umgebung des Kulturlokals Kofmel. «Irgendwo müssen die Jungen ja hin», findet sie. Aber wenn sie selber dort wohnen würde, würde sie es vielleicht anders sehen. Die Kleiderverkäuferin schätzt an Solothurn, dass die Stadt weder zu klein noch zu gross sei. Bei der Frage nach dem berüchtigten Nebel mischt sich ihr Mann ins Gespräch ein. «Ja, den gibt es. Er verbreitet aber auch eine charmante Stimmung im Städtchen.» Seine Frau ist anderer Meinung: «Der Nebel drückt manchmal schon aufs Gemüt.»

«Eine eigene Welt»

Marius Klein-Klute, Leiter des künstlerischen Betriebsbüros des Stadttheaters, rühmt Solothurn in höchsten Tönen. «Wenn man die Stadt betritt, taucht man in eine eigene Welt ein», sagt der gebürtige Deutsche. Er freut sich, dass sein Stadttheater – es ist mit seinen 260 Jahren das älteste der Schweiz – bei den Solothurner Behörden und der Bevölkerung auf starken Rückhalt stösst. Auch wenn der Umbau aus finanziellen Gründen verschoben wurde, investiere die Stadt genug in die Kultur, findet der Theatermann.

Ein Besuch in Solothurn zeigt, dass das barocke Städtchen heute mehr als Theater bietet. Auch an einem Nachmittag unter der Woche sind die vielen Strassenbeizen belebt und versprühen französische Gemütlichkeit. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass von Rohr heute «mit einem Lächeln auf den Lippen durch Solothurn flaniert», wie er sagt.