Ernährungsberatung
«Auch ich hätte Bratwurst mit Rösti angekreuzt»

Wer sich genügend bewegt, darf auch mal eine Wurst zu viel essen – findet Cornelia Albrecht, Leiterin Ernährungsberatung am Solothurner Bürgerspital.

Elisabeth Seifert
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Ernährungsberaterin Cornelia Albrecht hält wenig von strikten Regeln. esf Ernährungsberaterin Cornelia Albrecht hält wenig von strikten Regeln. esf

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Solothurner Zeitung

Die az Solothurner Zeitung fragte Solothurner und Solothurnerinnen, welches ihr Lieblingsessen ist. Dabei zeigte sich klar: Lieblingsessen Nummer 1 ist die Bratwurst, gefolgt von Schnipo und Pizza, Rösti. Auch Döner und Hamburger gehören zu den Favoriten - vor allem aber bei den Jungen.

Die Zeitung befragte eine Ernährungsberaterin zu den Umfrageergebnissen.

36 Prozent der befragten Solothurnerinnen und Solothurner nennen «Bratwurst mit Rösti» als ihr Lieblingsessen. Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Cornelia Albrecht: Nein. Das Resultat entspricht vollständig meinen Erfahrungen – und meinen eigenen Vorlieben. Auch ich hätte Bratwurst mit Rösti angekreuzt.

Eine Ernährungsberaterin, die Bratwurst mit Rösti liebt – ist das nicht ein Widerspruch?

Man muss unterscheiden zwischen dem Lieblingsessen und dem, was man am häufigsten isst. Das Lieblingsessen kann ein Wunsch sein, den man sich nicht jeden Tag erfüllt. Ich esse Bratwurst mit Rösti ein paar Mal im Jahr. Die Bratwurst habe ich dabei am liebsten vom Grill.

Wie erklären Sie sich die grosse Vorliebe für die Bratwurst?

Bratwurst mit Rösti entspricht unserm Bild vom traditionellen Schweizer Essen am besten. Hinzu kommt, dass sowohl die Bratwurst als auch die Rösti einen intensiven Geschmack aufweisen. Dafür verantwortlich sind die Geschmacksträger Fett und Salz. Ganz generell lässt sich sagen: Mahlzeiten mit zwei oder mehr Geschmacksträgern nehmen wir als besonders intensiv wahr.

Sie essen Bratwurst mit Rösti ein paar Mal im Jahr – der Durchschnittssolothurner dürfte der Verlockung häufiger erliegen ...

Laut Ernährungslehre sollte man den Wurstkonsum auf einmal pro Woche beschränken. Damit sind aber nicht nur die klassischen Würste gemeint, sondern auch Salami, Aufschnitt und Fleischkäse. Wurstwaren kommen aber in vielen Schweizer Haushalten, gerade auch zum Abendessen, relativ oft auf den Tisch. Wichtiger als sich strikt an Regeln zu halten, ist es für mich, ganz allgemein auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Dazu gehört der regelmässige Genuss von Salaten, Gemüsen und Früchten.

Warum gilt es als ungesund, zu viele Wurstwaren zu konsumieren?

Zum einen sind Würste kalorienreich, zum anderen enthalten sie viele schlechte Fette. Das heisst: Auch Menschen, die viele Kalorien verbrauchen, sollten nicht täglich Bratwurst essen.

Im Unterschied zu den Männern steht bei den Frauen auch Pizza ganz hoch im Kurs steht. Weshalb?

Ein Grund liegt möglicherweise in den vegetarischen Varianten der Pizza. Das ist für Frauen, die in der Regel weniger Fleisch essen als Männer, attraktiv. Eine Pizza ist aber keineswegs, wie man vielleicht meinen könnte, kalorienärmer als Bratwurst mit Rösti oder Schnitzel mit Pommes frites.

Die Pizza ist also nicht das gesündeste Lieblingsessen der Solothurner?

Nein. Ich finde es aber ganz grundsätzlich falsch, von gesunden oder ungesunden Lebensmitteln zu sprechen. Ich halte mich an einen Grundsatz, den der Arzt Paracelsus im 16. Jahrhundert formuliert hat: «Alles ist Gift und nichts ist Gift, es kommt auf die richtige Menge an.»

Und dennoch: Ihr Tipp für eine gesunde Ernährung?

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, möglichst regelmässig Salat, Früchte und Gemüse zu essen. Weiter gilt es, auf die Fettqualität zu achten, also Olivenöl für die warme und Rapsöl für die kalte Küche zu verwenden. Fleisch sollte man maximal einmal pro Tag konsumieren. Vollkornbrot ist dem Weissbrot vorzuziehen. Für noch wichtiger erachte ich es allerdings, sich genügend zu bewegen. Es ist besser, eine Wurst zu geniessen und sich dann zu bewegen, als keine Wurst zu essen und sitzen zu bleiben.

Welche Ernährungsphilosophie haben Sie? Diskutieren Sie mit!