45 Minuten bis zum Start: Noch fahren Autos am Samstagnachmittag durchs Dorfzentrum von Oensingen. Auf den Parkplätzen stehen Wagen mit ausländischen Nummernschildern. Behindertensportler wuchten sich vom Fahrersitz in den Rollstuhl, packen ihre Wettkampfausrüstung zusammen. Näher beim Rössliplatz nimmt der Verkehr zu, Handbiker kurven elegant um die Füsse der Schaulustigen.

Noch 30 Minuten: Das Thermometer an der Hauswand zeigt 31 Grad an. Auf der Oltenstrasse beim Start- und Zielgelände sammeln sich die Zuschauer. Auch Bundesrat und Sportminister Ueli Maurer ist schon da, schwatzt mit Organisatoren und Gästen. Derweil versuchen die Behindertensportler auf der Einfahrstrecke beim Bifangweg, den richtigen Rhythmus zu finden.

Noch 20 Minuten: 10 Franken Startgeld bezahlt jeder Marathon-Teilnehmer, 22 000 Franken an Preisgeld gibts. «Aber die Sportler strahlen auch noch, wenn sie nicht gewinnen», schallt die Stimme des Speakers durch die Boxen. Als Gehender könne man von den Behinderten viel lernen. Derweil suchen die Sportler eine letzte Konzentrationspause im Schatten. Wettkämpfer mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust besprechen sich, eine Gruppe koreanischer und japanischer Fahrer wechselt vom Rollstuhl aufs Renngerät. Im Startgelände finden sich mehr und mehr Zaungäste ein, jung, alt, mit und ohne Rollstuhl.

Noch 15 Minuten: Bratwürste brutzeln auf dem Grill, Kindern tropft Softeis über die Finger, Schweiss drückt aus allen Poren. Ueli Maurer sagt, er habe bereits einige Rollstuhlfahrer kennen gelernt und sei begeistert ob deren Topleistungen. «Paralympics 2012 in London - selbstverständlich werde ich dabei sein!» Dann marschiert er mit den Organisatoren zur Startlinie.

Noch 10 Minuten: Es wird hektisch auf dem Bifangweg: Die Handbiker und Leichtathleten formieren sich in ihrer Startkategorie, 230 Fahrer auf engstem Raum. Kinder in blauen Shirts kurven auf Rollerblades zwischen den Gruppen, halten Tafeln mit den Startnummern hoch. Frauen mit Ersatzrad-Taschen stehen am Strassenrand, ein Trainer zieht seinen Schützling aus den Vereinten Arabischen Emiraten aufs Teer und schlägt ihm mit der flachen Hand auf den Helm. Letzte Motivationen.
Noch 5 Minuten: Kameramänner und Fotografen haben sich beim Start postiert und warten auf den lauten Knall. Ueli Maurer hält die Pistole mit beiden Händen fest und wartet. Die Fahrer haben sich auf eine anstrengende Fahrt eingestellt, viele eine Flasche mit Trinkschlauch neben dem Kopf montiert.

Noch 1 Minute: Der Countdown läuft ab, gleich ist es 16.30 Uhr. Peng!!! Schon rauschen 40 Handbiker liegend an den Zuschauern vorbei, sie tönen wie ein riesiger Bienenschwarm. Durchtrainierte Arme drücken die Pedale. Wenig später rollen die klassischen Rollstuhlfahrer heran, sie rumoren wie ein Zug auf einer Brücke. Velofahrer versuchen mitzuhalten, Motorräder der Streckenkontrolle brausen vorbei. Das Feld der Sportler zieht sich langsam in die Länge, erste Fahrer brechen aus oder fallen ab.

16.50 Uhr: Der Bifangweg von Oensingen wirkt wie ausgestorben. Verlassene Rollstühle stehen neben Autos, Helfer stapeln Bananen auf Festtische. 70 Kilometer lang ist die Strecke für die Handbiker, fünfmal via Oberbuchsiten und Kestenholz. Die Schnellsten werden bald wieder hier eintreffen.