Freiwilligenarbeit
Architektur ist seine grosse Passion

Zuerst war er einfach Gast im Solothurner «Kulturm». Schon bald wurde der heute 24-jährige Architekturstudent dann angefragt, ob er nicht Lust hätte, den Kulturbetrieb mitzugestalten. Inzwischen gehört er schon drei Jahre dazu.

Elisabeth Seifert
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Solothurner Zeitung

Zuerst war er einfach Gast im Solothurner «Kulturm». Schon bald wurde der heute 24-jährige Architekturstudent dann angefragt, ob er nicht Lust hätte, den Kulturbetrieb, der sich die Förderung künstlerischer Spezialitäten fernab vom reinen Kommerz aufs Banner geschrieben hat, mitzugestalten. Das war vor ziemlich genau drei Jahren. «Ich bin zuerst hinter der Bar gestanden», erzählt Raphael Studer. Bald wurde er Barchef. Zudem arbeitete er am Partyformat «Nox» mit den beiden elektronischen Musikstilrichtungen «Minimal» und «Techhouse» mit. Mittlerweile ist der junge Mann Vorstandsmitglied im Verein Muttiturm, leitet das Elektronik-Label «Nox» und ist als angehender Architekt für die gestalterischen Belange im altehrwürdigen Gemäuer des Muttiturms zuständig.

«Manchmal passt es einfach»

«Ich wurde im ‹Kulturm›-Team voll aufgenommen», freut sich Raphael Studer. Und: «Manchmal passt es eben einfach.» Gepasst hat ganz besonders, dass die «Kulturm»-Crew – kaum war Studer so richtig im Verein angekommen – den Umbau des Muttiturms beschlossen hatte. «Ich kann auf diese Weise meine grosse Leidenschaft für die Architektur ausleben.» Begeistert erläutert der junge Mann, der an der Fachhochschule in Muttenz studiert, die Ideen hinter der architektonischen Neugestaltung des Innenausbaus des Turms, «dieses einzigartigen Gebäudes».

Abgeschlossen ist bereits der Umbau des obersten Stockwerks, «KuppelSaal» genannt. «Unsere Aufgabe bestand darin, den Raum so einzurichten, dass wir damit flexibel auf die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten reagieren können, ohne das Bestehende zu tangieren.» Und tatsächlich: Schnell und problemlos lässt sich der Raum von einem Theater- oder Konzertsaal in einen Dance-Floor oder einen Bankettsaal verwandeln. Nach dem erfolgreich realisierten Projekt «KuppelSaal» wälzt der junge Architekt bereits eine Menge Ideen für das direkt darunterliegende Stockwerk, die «GalerieEtage».

Diese müssen allerdings noch etwas auf die Umsetzung warten – aus Geld- aber auch sonstigen Kapazitätsengpässen. Den gesamten Umbau bewältigen die Vereinsmitglieder nämlich selber, in «Fronarbeit» versteht sich. Einzig die Materialkosten werden von Sponsoren abgedeckt. Raphael Studer, der für das optische Erscheinungsbild zuständig ist, kann dabei voll auf das Engagement der übrigen Vereinskollegen zählen. «Wir haben Elektriker, Maurer und andere Handwerker unter uns, und jeder bringt sein Wissen ein.» Er selber hat bei seiner Arbeit in einem Architekturbüro Erfahrung als Projektleiter gesammelt.

Neben der Architektur liegt dem jungen Mann aus Hubersdorf die Kulturförderung am Herzen, und zwar jene im Kanton Solothurn. «Hier bin ich aufgewachsen, hier will ich das Kulturschaffen ausbauen und fördern.» Als Leiter des Partyformats «Nox» – eines von insgesamt drei im «Kulturm» vertretenen Partystilrichtungen – organisiert er zirka vier Anlässe pro Saison. Hinzu kommen weitere Partys, wie heute Samstag anlässlich der Solothurner Kulturnacht.

800 Stunden pro Jahr im Einsatz

Als Anlassleiter macht sich Raphael Studer auf die Suche nach geeigneten Interpretinnen und Interpreten. Zudem koordiniert er die Arbeit des Barchefs, der Sicherheitsleute sowie der Kommunikation. «Wir funktionieren nur als Team», betont er, einmal mehr. Und der Teamgeist scheint im «Kulturm» besonders ausgeprägt zu sein. «Wer hier einmal angefangen hat mitzumachen, der hört nicht so schnell wieder auf.» Dieser Teamgeist sei es denn auch, der den zum Teil riesigen freiwilligen Arbeitsaufwand mehr als wettmacht. Studer selber hat in den letzten drei Jahren jeweils 800 bis 850 Stunden Gratisarbeit für den «Kulturm» geleistet – und ist damit längst nicht das einzige Vereinsmitglied.

«Der Lohn für geleistete Arbeit besteht nicht nur in Geld», hat Studer in den letzten Jahren erfahren. Die Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen, von denen einige in ihrem Fachgebiet ausgewiesene Profis sind, hat er als grosse Bereicherung erlebt. Hinzu kommen die vielen Kontakte mit interessanten Leuten anlässlich der verschiedenen Events. «Ich war mir am Anfang gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten mir diese Arbeit für die persönliche Weiterentwicklung bietet.»