Karl N.* ist ein selbstständiger Architekt, dessen geschäftliche Aktivitäten auf wenig stabilem Fundament stattfinden. Der 56-Jährige ist verschuldet und sieht sich fast schon regelmässig in juristische Händel verwickelt. Einmal fordert N. Geld ein, ein andermal wird von ihm Geld gefordert. Gestern war auf dem Richteramt Solothurn-Lebern Letzteres der Fall. Zudem verlangte die Staatsanwaltschaft die Bestrafung des Architekten: Zu einer siebenmonatigen bedingten Freiheitsstrafe soll er verurteilt werden – wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Betrug, Gläubigerschädigung und weiterer Delikte.

Das Gros der Delikte geschah angeblich in den Monaten vor dem Konkurs des Architekturbüros, das Karl N. bis im Juli 2005 führte. Geschäftsführer N., so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, soll Geld der Firma für sich selber abgezweigt und so Gläubiger geprellt haben. N. ist laut Anklage auch dafür verantwortlich, dass seine Firma in den letzten eineinhalb Jahren ihres Bestehens keine Buchhaltung mehr führte.

Die Schuld wurde nie beglichen

Im Zentrum der gestrigen Verhandlung stand indes der Betrugsvorwurf: Karl N. soll eine Baufirma getäuscht haben, der er für Arbeiten an einem Einfamilienhaus 30000 Franken schuldete. Im Oktober 2004 schloss N. mit der betreffenden Firma eine Vereinbarung ab, in der er die Begleichung der Schuld für den Zeitpunkt in Aussicht stellte, zu dem er seinerseits eine grosse ausstehende Forderung erhalten sollte. Karl N. konnte so verhindern, dass die Firma ihn wegen der geschuldeten 30000 Franken vor Gericht zog. Tatsächlich erhielt N. kurz vor dem Konkurs seines Büros 60000 Franken; die Baufirma aber wartete vergeblich darauf, dass der Architekt die Hälfte des Geldes weiterleiten würde.

Verteidiger fordert Freisprüche

Der Angeklagte sagte gestern, er habe nicht bezahlt, weil er selber nur rund die Hälfte der Summe erhalten habe, die ihm von seinen Schuldnern eigentlich zugestanden wäre. Marc Aebi, der Anwalt der Baufirma, zeigte sich indes überzeugt, dass N. bereits beim Aufsetzen der Vereinbarung nicht die Absicht gehabt hatte, die Schuld von 30000 Franken jemals zu begleichen. N., so Aebis Vermutung, ging es beim Vertragsabschluss einzig darum, eine Klage abzuwenden. Während Aebi im Namen der Baufirma die Begleichung der mittlerweile seit fast zehn Jahren ausstehenden Schuld forderte, plädierte Verteidiger Konrad Jeker auf Freispruch in sämtlichen Punkten. Es sei nicht belegbar, so Jeker etwa zum Betrugsvorwurf, dass sein Mandant bei der Vertragsunterzeichnung nicht die Absicht hatte, die 30000 Franken zu zahlen.

Das Urteil des Gerichtspräsidenten wird voraussichtlich heute bekannt gegeben.

*Name von der Redaktion geändert