Altreu
Anwohner vom Sängli in Altreu: «Wir haben die Nase gestrichen voll»

Salmonellen verderben den Wasserspass beim Sängli – Kanton warnt vor Gesundheitsrisiko. Bei einer Messungen am Dienstag wurden neben Kolibakterien auch noch Salmonellen im Wasser nachgewiesen. Dazu kommt noch der Abfall der Badegäste.

Christof Ramser
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In Altreu nehmen die Badegäste keine Rücksicht auf die Anwohner und die Natur
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Dosen werden weggeschmissen
Die Notdurft wird im Gebüsch verrichtet
Das Aarewasser ist mit Salmonellen verunreinigt
Badegäste sind trotz Warnung im Wasser
Mit den Badefreuden ists beim Sängli fürs erste vorbei
Rückstände auf der Grillstelle
Die Anwohner der Sandbank wehren sich

In Altreu nehmen die Badegäste keine Rücksicht auf die Anwohner und die Natur

Auch das noch. Monika Seiler steht beim Sängli in Altreu und zeigt auf den Zettel, den das kantonale Gesundheitsamt ausgehängt hat. «Aus gesundheitlichen Gründen wird vom Baden abgeraten», steht da. Den ganzen Sommer ärgert sich die Anwohnerin über Lärm, Dreck und Gestank vom nahen Aarestrand.

Nun wurden bei Messungen am Dienstag neben Kolibakterien auch noch Salmonellen im Wasser nachgewiesen. «Ich habe die Nase gestrichen voll», sagt Seiler.
Den ganzen Juli konnte man beim Sängli in Altreu gefahrlos baden.

Doch danach kippte die Wasserqualität. Bereits die Messresultate der kantonalen Lebensmittelkontrolle vom 9. August liessen aufhorchen und zogen klare Empfehlungen nach sich: «Nicht tauchen», und «nach dem Baden gründlich waschen», empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit. Nach den neusten Messungen wird nun deutlich gewarnt:

Wer sich beim Sängli in der Aare abkühlt, riskiert aufgrund der hohen Konzentration von Darmbakterien die Gesundheit. Vom Baden wird abgeraten.

Messresultate schwanken

Kantonschemiker Martin Kohler bestätigt die Messresultate. «Wir haben gehandelt und die Gemeinde routinemässig informiert». Diese hat am Mittwochabend zwei Aushänge angebracht. «Es kommt selten vor, dass zu viele Darmbakterien im Wasser nachgewiesen werden.»

Letztmals war dies beim Sängli im Juli 2005 der Fall. Kohler rät vorläufig vom Baden ab und verweist auf die für nächste Woche geplanten Messungen. Über die Gründe mag der Kantonschemiker nicht spekulieren. «Wir machen keine Ursachenabklärung.»

Eine Überlastung der Kläranlagen kann aufgrund des spärlichen Regenfalls der letzten Tage jedenfalls ausgeschlossen werden. Nachgewiesen ist hingegen, dass die Wasserqualität der Aare im oberen Kantonsteil besser ist als im Raum Olten, wo mehr verunreinigte Abwässer in den Fluss geleitet werden.

Appell an die Eigenverantwortung

Selzachs Bauverwalter Thomas Leimer sieht es als Pflicht an, die Besucher des Sänglis über die Gefahr zu informieren. Doch trotz des Hinweises zeigte sich gestern bei einem Augenschein, dass einige Hitzköpfe das Bad im verunreinigten Wasser nicht scheuten. Leimer schiebt denn auch nach: «Am Schluss trägt jeder Badegast auch eine Eigenverantwortung».

Auch die Klagen der Anwohner über weggeworfenen Abfall, Fäkalien und nächtlichen Lärm wurden auf der Gemeinde gehört. «Es ist ein leidiges Thema, das sich in den Sommermonaten akzentuiert», so Leimer. Der Werkhof sei wöchentlich, manchmal sogar jeden Tag am Putzen. Ganz schlechte Erfahrungen habe man mit aufgestellten Abfallkübeln gemacht, weil dort oft auch der Hauskehricht entsorgt werde.

Leimer appelliert an alle Besucher der Sandbank, ihren Abfall wieder mitzunehmen. Auch über ein mobiles WC wurde im Gemeinderat schon diskutiert. Die Idee wurde jedoch verworfen. Für Monika Seiler Grund genug, bald wieder beim Gemeinderat zu intervenieren.

Ein weiterer Anwohner, der aus Angst vor Racheakten der Sängli-Besucher anonym bleiben will, bestätigt die Schweinerei. «Die Leute missachten das Fahrverbot, lassen Dreck liegen und verrichten ihre Notdurft im Gebüsch. Es ist nur noch gruusig». Irgendwann hätten sie Ratten am Aarestrand.

Die Quartierbewohner finden beim Sängli längst keine Erholung mehr. Für Monika Seiler ist es ein kleiner Trost, dass der Sommer bald zu Ende ist. «So kann es nicht mehr weiter gehen.»