«Jetzt wollen die doch die Anschlagkästen im Dorf aufheben. Wie und wo erfährt man denn nun, wenn jemand verstorben ist?» Da werde einfach so ein Stück Dorfkultur ausgelöscht. «Man muss nur einmal beobachten, wie oft Leute vor den Kästen stehen bleiben und so miteinander ins Gespräch kommen.» Die Frau, die sich bei der Redaktion dieser Zeitung gemeldet hat, ist nicht die einzige Person in Balsthal, die sich aufregt. Das hat sich auch bei einem Augenschein vor Ort herausgestellt.

Nicht ganz alle verschwinden

Die Aufregung wurde ausgelöst durch eine Meldung im gemeindeeigenen Info-Bulletin: «Die Anschlagkasten für Todesanzeigen sind ein Relikt einer vergangenen Epoche, als man untereinander noch nicht gleichermassen vernetzt war, wie dies in der heutigen Zeit der Fall ist.» Damit werde überflüssig, auf Gemeindegebiet die Todesanzeigen in den verschiedenen Anschlagkästen anzubringen. Diese würden deshalb per Ende April 2011 aufgehoben.

Mit einer Ausnahme allerdings: «Der öffentliche Aushang in den Arkaden des Gemeindehauses – auch der Todesanzeigen – bleibt jedoch bestehen», steht im Bulletin. Also werden nicht alle Kästen verschwinden, erst recht nicht, da die katholische Kirchgemeinde die Anzeigen weiterhin in ihrem eigenen Kasten bei der Kirchentreppe aushängen wird. Und bei der reformierten Kirche dürften sie ebenfalls bald zu lesen sein. So jedenfalls sieht es Pfarrer Alfred Aebersold. «Bis jetzt war es noch nicht der Fall, weil mir noch niemand gesagt hat, dass der Aushang dieser Meldungen gewünscht ist.» Er werde dies im Kirchgemeinderat anregen.

Im Anhalteverbot

Ausserordentlich ist, dass es auf Gemeindegebiet Balsthal-Klus derzeit noch total elf Anschlagkästen gibt. In vielen anderen Gemeinden steht nur noch ein einziger, in Oensingen sind es deren fünf. Dass nun in Balsthal deren zehn von total elf abgeschafft werden, begründet die Gemeinde einerseits mit dem materiellen und personellen Aufwand. Anderseits gebe es Schwierigkeiten mit einzelnen Standorten. Bruno Straub, Leiter Verwaltung, erläutert dazu: «Ein Kasten steht zum Beispiel beim Rainfeldschulhaus. Mit der Einführung der Tempo-30-Zone gilt dort ein Anhalteverbot, aber das beeindruckt die Leute nicht.» Andernorts würden Autos auf Privatgrund oder gar auf der Strasse abgestellt – eine Tatsache, die sich übrigens beim Augenschein ebenfalls bestätigt hat.

Der Auslöser

«Der Sinn dieser Kästen war immer wieder ein Thema auf der Gemeindeverwaltung. Den Anstoss zu einer grundlegenden Diskussion gab, dass ein Kasten auf Privatgrund nicht mehr erwünscht ist», führt Straub aus. Es sei letztlich die Summe vieler Unstimmigkeiten gewesen, die im Kader, bestehend aus den Bereichsleitern der Gemeindeverwaltung und dem Gemeindepräsidenten, zum Aufhebungsentscheid führten.

«Es wären die falschen»

Wäre nicht auch eine Reduktion auf die Hälfte der Standorte möglich gewesen? «Man kann sich die Reaktion in der Bevölkerung vorstellen», antwortet Straub, «man hätte ganz sicher die falschen Standorte gewählt.» Nein, betont Straub, man sehe es als die sauberste Lösung an, wenn die Einwohnergemeinde die Informationen im Anschlagkasten bei der Gemeindeverwaltung anbringe. «Zudem komme es oft vor», fügt Straub an, «dass die Leute nämlich schon wissen, wer gestorben ist, bevor die Anzeige im Kasten hängt.»