Plagiatsfälle
An der Kanti Solothurn gibt es keine «Plagiat-Guttenbergs»

An der Kantonsschule Solothurn gibts kaum Probleme mit Plagiaten. Die Schüler werden sensibilisiert und das Betreuungsverhältnis ist eng. Doch auch die Kanti rüstet sich gegen die Kopier-Verlockungen aus dem Internet.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Das Internet bietet ganz neue Möglichkeiten – zum Lernen, aber auch beim Kopieren von Texten. Hanspeter Bärtschi

Das Internet bietet ganz neue Möglichkeiten – zum Lernen, aber auch beim Kopieren von Texten. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Wenn am 18. und 19. März die rund 230 Maturanden ihre Maturaarbeiten vorstellen, wird es zu keinem «Plagiats-Skandal» kommen. Davon ist Prorektor Bernhard Ruh überzeugt. Denn die Kantischüler kennen die wissenschaftlichen Spielregeln und wissen, was erlaubt ist – im Gegensatz zum zurückgetretenen deutschen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, der mehrere hundert Seiten ohne Angabe der Quellen abschrieb. Jeder Schüler muss seiner Arbeit eine Erklärung beilegen, dass er diese selbstständig verfasst hat. In einem Leitfaden der Kantonsschule sind der Umgang mit Quellen und die Zitierweise klar geregelt.

Plagiatsversuche auf unterer Stufe

Seit 2002 ist die Abschlussarbeit Bestandteil der Matur. Über 2000 Arbeiten sind seither an der Kantonsschule entstanden. Probleme mit Plagiatsfällen hat es keine gegeben. «Es ist zu heiss», erklärt Ruh. Denn wer bei der Maturaarbeit beim Betrügen erwischt wird, erhält seine Matur nicht.

Unbekannt ist das Problem mit den geklauten Texten an der Kanti aber nicht: Auf den unteren Stufen hat es laut Ruh, insbesondere bei Semesterarbeiten, schon mehrere Betrugsversuche gegeben. Meistens bewege der Zeitdruck die Schüler zum Schummeln. Die betreffenden Schüler erhalten die Note «Eins» oder einen Verweis. In einem einzigen Fall habe man bisher ein Ultimatum aussprechen müssen, was bedeutet, dass der Schüler bei einem weiteren Vergehen von der Schule geflogen wäre.

Keine generelle Überprüfung

Eine generelle Überprüfung der Maturaarbeiten auf abgeschriebene Textpassagen gibt es nicht. Die Kontrolle unterliegt den betreuenden Lehrpersonen, die die Arbeiten bei Verdacht mittels Google prüfen. Auf den Einsatz spezieller Software verzichtet die Kantonsschule. «Man merkt relativ schnell, wenn etwas nicht stimmt, besonders am Stil», erklärt Ruh. Denn die Lehrer würden die Schüler, deren Stil und Wissensstand recht gut kennen. Das Betreuungsverhältnis sei sehr gut. Einmal pro Monat würden sich Lehrer und Schüler in der Regel treffen.

Doch auch die Kantonsschule schützt sich gegen möglichen Betrug: Sie lädt die Arbeiten auf der Seite www.tm-ma.ch hoch – eine Homepage, die die «Schweizerische Zentralstelle für die Weiterbildung der Mittelschullehrpersonen» eigens für Maturaarbeiten aufgeschaltet hat. Auf ihr werden die Arbeiten gesamtschweizerisch gesammelt. Denn: «Nur was im Netz ist, kann auch gefunden werden», erklärt Ruh.

Aktuelle Nachrichten