Riedholz
«Am 101. Geburtstag treffen wir uns wieder»

Erika Bettschen-Allemann wurde 100 Jahre alt und traf ihre gleichaltrige Schulfreundin. Die Jubilarinnen haben vor 86 Jahren in Niederwil gemeinsam die Bezirksschule besucht.

Agnes Portmann-Leupi
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Erika Bettschen-Allemann (rechts) und Alice Remund-Büchler begrüssen sich herzlich. apb

Erika Bettschen-Allemann (rechts) und Alice Remund-Büchler begrüssen sich herzlich. apb

Solothurner Zeitung

Die Umarmung der Jubilarinnen ist herzlich. Just an ihrem 100. Geburtstag hat Erika Bettschen-Allemann (Riedholz) zur Feier ins «Pöstli» eingeladen. Unter den Gästen weilt auch ihre ehemalige Schulfreundin Alice Remund-Büchler (Zollikofen), ebenfalls 100-jährig.

«Dass wir uns heute sehen, dass du an mich gedacht hast», tönt es freudig aus der Umarmung. Die Jubilarinnen haben vor 86 Jahren in Niederwil gemeinsam die Bezirksschule besucht. Zusammen mit 21 Knaben, denn damals war das 8. Schuljahr nur für die Buben obligatorisch. Zu Fuss legten die beiden Mädchen den Schulweg zurück, Erika von Oberrüttenen und Alice vom Attisholz. Im Winter mit den «Holzböden» durch den Schnee. Während die Knaben ihr Essen im «Kesseli» mitnahmen, assen die zwei Mädchen im Restaurant nebenan, zusammen mit Leo Allemann, dem Lehrer und zugleich Vater von Erika. «Manchmal wären wir zwar lieber bei den Buben geblieben», bekennt Alice Remund.

Die Leidenschaft des Reisens

Die beiden chic gekleideten Damen haben ihre künftigen Ehemänner bereits in der Schule kennen gelernt. «Mit Franz habe ich oft Brot getauscht, mein Bäcker- gegen sein Bauernbrot», erinnert sich Alice Remund. «Gefunkt hat es aber erst später, wir waren damals eben sehr brav», sagt Erika Bettschen. Das Reisen wurde zur Leidenschaft der jungen Frauen. Erika lernte Kinderkrankenschwester und arbeitete in Frankreich und Marokko. Alice absolvierte eine Saallehre im Bad Attisholz und arbeitete später als Kindermädchen in Marseille und Barcelona. Erika heiratete schliesslich ihren Hermann im Jahr 1939. Heute freut sie sich über die Familien ihrer zwei Töchter und ihres Sohnes mit vier Enkel- und sechs Urenkelkindern. Reisen blieb die grosse Leidenschaft, bereits die Hochzeitsreise ging nach Venedig und Kroatien. Mit Gestricktem, Gesticktem und selbst gemachter Konfitüre verwöhnte sie bis vor kurzem ihre Lieben. Aber auch Zeitung lesen und Beine hochlagern bedeuten ihr viel.

Alice Remund erzählt: «Meine Mama hat im Restaurant Kreuz in Solothurn und später im Baseltor gewirtet und Franz ist immer wieder aufgetaucht. Sie heiratete ihn schliesslich 1935. Reisen aber auch Pilze- und Beerensammeln gehörten zu den bevorzugten Hobbys. In den letzten 20 Jahren nahm sie – mittlerweile Grossmutter von zwei Enkelkindern – begeistert an zahlreichen Car-Jassfahrten teil.

Landluft und soziales Umfeld

Viele Gratulierende schauen am Samstagnachmittag im «Pöstli» vorbei. Dazu gehören auch Landammann Christian Wanner samt Staatsschreiber und Standesweibel sowie Gemeindepräsident Peter Kohler. Pfarrer Samuel Stucki rechnet vor, dass Erika Bettschen nun an genau 36525 Tagen die Sonne habe aufgehen sehen. Wie aber schafft man dies? «Vielleicht ist es die gute Landluft und das Selbstgepflanzte im Garten», mutmasst Erika Bettschen.

Alice Remund sinniert: «Wir hatten stets ein ungeheuer gutes Verhältnis innerhalb der Familie und viele Freunde.» Während sie vor sechs Monaten wegen ihrer Sehschwäche ihre Wohnung mit dem Altersheim tauschen musste, lebt Erika Bettschen immer noch in ihrem Haus in Riedholz. Eines bekräftigen die beiden Frauen: «Am 101. Geburtstag treffen wir uns wieder.»