Wohnungen
Alte Wohnungen sind wenig gefragt

Die Leerwohnungsquote ist im Kanton Solothurn landesweit am höchsten. Zu viele Wohnungen wurden aber nicht gebaut. Denn leer stehen vorab ältere Logis, während die Neuwohnungen nahezu alle besetzt sind.

Franz Schaible
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In Zuchwil steht jede 13. Wohnung leer. Neubauten aber nicht. Hanspeter Bärtschi

In Zuchwil steht jede 13. Wohnung leer. Neubauten aber nicht. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Rund jede 50. Wohnung im Kanton Solothurn steht leer. Dies zeigt die jüngste Leerwohnungszählung per Stichtag 1. Juni 2011. Dies ergibt, gemessen am Wohnungsbestand, eine Leerwohnungsziffer von 2,1 Prozent. Schweizweit liegt diese bei 0,9 Prozent.

Diese «Spitzenstellung» ist aber für Christoph Enzler vom Bundesamt für Wohnungswesen in Grenchen nicht beunruhigend. Der Indikator zeige an, dass, über den ganzen Kanton betrachtet, immer genügend Wohnungen zur Verfügung stehen, also der Markt funktioniere. «Zudem werden die Neuwohnungen vom Solothurner Markt besser aufgenommen als schweizweit», sagt Enzler und weist dazu auf das entscheidende Detail hin. Im Kanton Solothurn ist nur jede zwölfte der leeren Wohnungen in einem Neubau, während es landesweit jede achte Wohnung ist. Bei den leer stehenden Logis handle es sich also um überdurchschnittlich viele «Ladenhüter». Darin liegt auch ein grosser Unterschied zur Immobilienkrise Anfang der 90er-Jahre. 1992 lag der Anteil an Neuwohnungen am Leerbestand bei 57 Prozent, heute beträgt dieser eben rund 8 Prozent.

Die Analyse auf Gemeindeebene bestätigt diese Aussage. Zum Beispiel Zuchwil. Die Industriegemeinde weist mit 7,5 Prozent zwar die kantonsweit höchste Leerwohnungsquote auf. Von den 334 unbewohnten Appartements befanden sich aber nur deren 3 in einem Neubau. Für Gemeindepräsident Gilbert Ambühl ist deshalb klar, dass in «seiner« Gemeinde nicht zu viele Wohnungen gebaut worden sind. «Die Neuwohnungen gehen in der Regel weg wie warme Weggli.» Der hohe Leerwohnungsbestand betreffe viel mehr ältere Wohnungen. So sei Zuchwil in den 60er- und 70er-Jahren sehr stark gewachsen. «Viele der damals gebauten Wohnungen entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard.» Er ortet einen Nachholbedarf bei den Renovationen. Er vermutet, dass viele Liegenschafts-Eigentümer wegen des nicht allerbesten Images von Zuchwil – sprich hoher Ausländeranteil und viel Industrie – zurückhaltend seien mit Sanierungen. Es bestehe wohl die Angst, die Wohnungen anschliessend nicht vermieten zu können.

Einzig in Oensingen stehen überdurchschnittlich viele Neuwohnungen leer. Kein Wunder. In keiner anderen Gemeinde wurden in den vergangenen zehn Jahren mehr Wohnungen hochgezogen. «Aber nicht zu viele», sagt Gemeindepräsident Markus Flury. Die Nachfrage nach Wohnungen sei da und werde weiter steigen. Er verweist auf die Bevölkerungsentwicklung. Nach einem hohen Wachstum in den Vorjahren sei die Zahl der Einwohner im laufenden Jahr bereits wieder um über 5 Prozent auf aktuell 5509 gestiegen. Im Übrigen habe man die Leerstandsquote von 4,5 Prozent überprüft. Nach Bereinigung um Abbruchwohnungen, Wohnungen, die als Büro genutzt werden oder solche im Rotlichtmilieu liege Oensingen in etwa im Kantonsdurchschnitt.

Diese Probleme kennen viele andere Solothurner Gemeinden nicht. Sie haben nur ganz wenige Wohnungen als leer stehend gemeldet. In 19 Gemeinden gibt es gar kein einziges freies Appartement. Die dortigen Wohnlagen und vielfach auch die Steuerbelastung sind so attraktiv, dass alle Wohnungen, ob alt oder neu, renoviert oder unrenoviert, vermietet oder verkauft werden können.