Derendingen

Albanische und türkische Kinder erhalten Starthilfe für erfolgreiche Laufbahn

Fexhrije Gashi (l.) liest mit Fatbardha Nuredinis Sohn Jon ein Buch.  cnd

Fexhrije Gashi (l.) liest mit Fatbardha Nuredinis Sohn Jon ein Buch. cnd

Der Kurs «Schenk mir eine Geschichte» für albanische Familien hat sich bewährt. Nun wird die Idee erweitert: Auch türkische Landsleute sollen zum Zug kommen.

Geschichten vorlesen, Lieder singen und Verse lernen, dadurch die Muttersprache fördern, bessere Voraussetzungen für den Erwerb der Zweitsprache Deutsch schaffen und gleichzeitig noch kulturelle Werte vermitteln: Das ist, knapp zusammengefasst, die Idee von «Schenk mir eine Geschichte – Family Literacy». Vor etwas mehr als einem Jahr startete das Projekt in Derendingen, nur für albanische Familien; nun werden die Kurse auch auf Türkisch angeboten.

Die Erfahrungen, die man in Derendingen gesammelt hat, waren derart gut, dass man gar ein Nachfolgeprojekt entworfen hat. Das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM), welches das ursprüngliche Projekt lancierte, ist daran zwar nicht mehr beteiligt, Projektleiterin Therese Salzmann lobt aber das Engagement der Derendinger. «Family Literacy hat sich in Derendingen bewährt und es ist gut, dass es nun weitergeführt wird», sagt sie. Der Erfolg ist aber nicht allein der Verdienst des Projekts an sich. «Die Vernetzung der Animatorinnen mit ihren Landsleuten ist entscheidend darüber, wie viele Leute den Kurs besuchen.»

Und Fexhrije Gashi, die Kulturvermittlerin, die den albanischen Kurs in Derendingen betreut, macht ihre Sache offenbar gut. «Etwa zehn bis zwölf Familien kommen regelmässig», sagt sie. Das Projekt habe sich herumgesprochen und das Interesse bei den Familien ist gross.

Vorbereitung auf Kindergarten

Auch Schulleiter Matthias Pfeiffer ist erfreut über den Verlauf von «Schenk mir eine Geschichte» in Derendingen. «Das Projekt ist wie ein Geschenk für unsere Schule. Es hat klein angefangen und sich innerhalb eines Jahres grossartig entwickelt.»

Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: «Die Kurse sind eine gute Vorbereitung auf Kindergarten und Schule, denn die Kinder lernen, sich in einer Gruppe zu integrieren. Aber auch den Eltern helfen die Kurse: Wenn jemand nicht in der Schweiz zur Schule gegangen ist, kennt er unser Schulsystem nicht. Im Kurs lernen die Eltern die Schule kennen und knüpfen erste Kontakte.» Zudem eignen sich die Kurse auch, um mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. «Wir setzen Frau Gashi oft als Türöffnerin ein», so Pfeiffer.

Ohnehin ist Gashi als Vermittlerin zwischen den Kulturen – in Derendingen wie in den anderen Solothurner Gemeinden, in denen sie Kurse leitet – engagiert. So will sie den Müttern nicht nur hinsichtlich Erziehung neue Möglichkeiten zeigen, sondern sie zu mehr Eigeninitiative ermuntern und ihr Selbstbewusstsein stärken. «Es soll ihnen etwa klar werden, dass der Mann nicht immer recht hat.»

Neues Projekt, mehr Themen

Um einen noch besseren Draht zu den albanischen Familien herzustellen, soll nun ab dem nächsten Schuljahr ein weiterer Kurs stattfinden: der Familien-Integrations-Treff (FIT). Dieser wird ähnlich aufgebaut sein wie «Schenk mir eine Geschichte», jedoch nicht mehr ausschliesslich auf Albanisch, sondern zur Hälfte auf Deutsch geführt werden. Zudem richtet er sich an ältere Kinder (Kindergarten und Primarschule) und soll andere Themen der Erziehung aufgreifen. «Gesundes Znüni, Zahnpflege, der Umgang mit Medien, Hausaufgaben – solche Themen sollen da besprochen werden», weiss Pfeiffer.

Salzmann schätzt diese Herangehensweise. «Über solche Dinge soll man reden können. Da bestehen teilweise einfach kulturelle Kluften; das heisst aber nicht, dass sich diese Leute nicht integrieren wollen», betont sie.

Im Gegenteil, der Wunsch zur Integration ist sogar sehr gross. «Ich will mich möglichst gut hier anpassen und das wünsche ich mir auch für meinen Sohn», bekräftigt etwa Fatbardha Nuredini, die seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz lebt und Gashis Kurs besucht. «Und ich finde, wenn man wirklich will, dann kann man auch.»

Hier und dort fremd

Der Wille ist da – das zeigt schon die Tatsache, dass viele Eltern, wie Gashi berichtet, nach einem Nachfolgekurs gefragt haben. Einfach haben es die Immigranten aber nicht. «Meine eigenen Kinder sind in der Schweiz aufgewachsen, ihre Kultur unterscheidet sich nicht von derjenigen der Schweizer Kinder», erzählt Gashi. «Aber dennoch werden sie oft als Ausländer wahrgenommen.»

Alle, Albaner und Schweizer, müssten stets nach neuen Wegen für eine bessere Integration suchen, hält Gashi fest. Pfeiffer pflichtet bei: «Wir müssen mit neuen Zugängen Verbesserungen schaffen.» Besonders im Bildungsbereich, daher sei auch die finanzielle Unterstützung des Kantons bei Projekten wie «Schenk mir eine Geschichte» sehr wertvoll.

Denn mit dem Projekt des SIKJM scheint man dem Ziel näher, den Kindern durch bessere Integration eine vielversprechendere Schullaufbahn und damit später beruflich mehr Erfolg zu ermöglichen.

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