Altreu
Adebars Urlaub war nur ein Kurztrip

Immer weniger weit südlich flogen die Störche in den vergangenen Jahren. Heuer kamen sie zudem auch früher zurück nach Altreu.

Christoph Neuenschwander
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Solothurner Zeitung

Immer weniger weit südlich flogen die Störche in den vergangenen Jahren. Heuer kamen sie zudem auch früher zurück nach Altreu. Dass sie auch früher brüten, führt nur dann zu Problemen, wenn Nässe und Kälte im Mai nochmals zurückkehren. Aber noch ist es warm und trocken. Auf Hausdächern und Bäumen bewachen die Storcheneltern ihre Nester und brüten ihren Nachwuchs aus – auch dies früher als gewöhnlich, wie David Gerke, Biologe und Vorstandsmitglied des Vereins «Für üsi Witi», weiss.

Währenddessen wird noch immer fleissig an den Nestern gebastelt: Ein Storch fliegt immer wieder zwischen Brutstätte und Wald hin und her, bringt Äste mit, die er gekonnt in das dichte Holzgewebe seines Nestes einbaut. Dabei wird er jedes Mal mit freundlichem Klappern von seinem Partner begrüsst.

Warm und trocken macht nichts

Die Szene scheint idyllisch, doch stellt sich die Frage, ob der aussergewöhnliche Frühling dieses Jahres für die Altreuer Störche nicht auch Gefahren birgt. «Die Wärme ist an sich für den Storch kein Problem», versichert Gerke.

Auch der fehlende Regen stelle keinen unmittelbaren Nachteil dar. «Schwierig könnte es für den Storch dann werden, wenn seine Nahrungsgrundlage unter dem Wetter leidet.» Wenn die Tiere also aufgrund der Trockenheit weniger Würmer, Fische, Mäuse oder Amphibien finden. Doch gross sei die Gefahr nicht, sagt Gerke. «Der Storch ist ein Opportunist, er frisst viel Verschiedenes.» Ein wirkliches Problem bestünde erst, wenn die Jungen schlüpften und es im Mai nochmals sehr nass oder kalt werde: Dann müsse man mit einer hohen Sterblichkeit bei den Jungtieren rechnen.

Spanien ist neues Nordafrika

«Die Störche sind dieses Jahr früh zurückgekommen und haben früh gebrütet», bestätigt Gerke. Aber auch eine zweite Veränderung im Zugverhalten der Tiere zeichne sich seit einigen Jahren ab, betont er: «Man hat beobachtet, dass die Störche weniger weit in den Süden fliegen. Die Tiere wandern normalerweise nach Nordafrika. Oft ist es ihnen nun schon in Südspanien mild genug. Sie müssen nicht mehr so weit reisen. Dies hat sicher mit einer allgemeinen Klimaveränderung zu tun.»

Das warme Wetter hat aber auch gewisse Vorteile: So hat man diesen Frühling in einem der Horste wieder eine Videokamera installiert, wobei, trotz Sorgfalt, das brütende Storchenpaar aufgeschreckt wurde und für einige Zeit das Nest verliess. «Da es aber sehr warm war, sollte das die Entwicklung der Jungen nicht beeinträchtigt haben», beruhigt «Witi-Sheriff» Viktor Stüdeli.

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