Schifffahrt
Aareschiff ist im Rohbau fertig: Jungfernfahrt im März

Beim Barkenhafen in Biel/Nidau herrscht zurzeit reger Betrieb. «Ein neues Schiff entsteht», heisst es auf einem Transparent. Dahinter steht ein grosses weisses Zelt, an dem der Orkan zünftig rüttelt.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen

Gischt stiebt über die Hafenmauer. «Keine Angst, das Zelt hält das aus», meint BSG-Geschäftsführer Thomas Erne, der heute zusammen mit Erich Hofmann, dem technischen Leiter der Bielersee-Schifffahrt, auf dem Trockendock anzutreffen ist. Hofmann ist fast täglich auf der Baustelle, um den Bau des neuen Aareschiffes zu beaufsichtigen.

Das Ruderhaus fehlt noch

Im Inneren des geheizten Zeltes wird klar: Das Schiff ist im Rohbau fertig. Der in 10 vorgebauten Sektoren angelieferte Schiffsrumpf ist komplett, die Motoren sind eingebaut, und am Mittwoch wurden auch die beiden Schottelruder (rundum drehbare Antriebseinheiten) montiert. «Jetzt fehlt zuoberst nur noch das Ruderhaus. Es wird am 18. Januar angeliefert», erklärt Erne.

Bis zum Stapellauf gibt es aber noch viel zu tun. Zurzeit sind 12 Arbeiter von der Linzer Öswag-Werft auf der Baustelle, plus weitere vier von der Innenausbaufirma.

Ein Elektriker zieht eine Leitung der Schiffssteuerung durch den Kabelbaum, ein anderer verdrahtet den Schaltkasten der Brandschutzanlage. Im Raum des hinteren Restaurants hat ein Plattenleger mit dem Boden der Kombüse begonnen. Auf dem Oberdeck schneidet sein Kollege mit der Trennscheibe ein Stück Reling zurecht. Das Zischen von Schneidbrennern vermischt sich mit dem Rauschen des Sturmes. Ab und zu platscht eine Welle des aufgepeitschten Sees an die Zeltblache. Die Bauarbeiter sind allesamt Österreicher, die von der Werft für die ganze Bauzeit nach Biel abdelegiert sind. Sie wohnen während dieser Zeit in der Sportschule Magglingen.

Ein eingespieltes Team

Wie kommen sie mit der harten Werftarbeit in der Fremde – es wird während sechs Tagen in der Woche gearbeitet – zurecht? «Manche besser als andere», sagt Bauleiter Franz Opolzer. Etwa alle zwei bis drei Wochen können sie nach Hause zur Familie, sofern vorhanden. Für die Erkundung der Region bleibt wenig Zeit. «Der eine oder andere Sonntagsausflug liegt aber schon noch drin», meint Opolzer. Gut für das Arbeitsklima sei, dass man im Team seit langem zusammenarbeite. Die Werftarbeiter sind ein eingespieltes Team.

Wenn alles plangemäss verläuft, kann die Jungfernfahrt der 48 Meter langen MS 300 (Arbeitstitel) im März stattfinden. Danach erfolgen noch Testfahrten. Der «richtige» Name des Schiffes bleibt bis zur Schiffstaufe am 3. April geheim. Die Linienfahrten auf der Aare werden zu Beginn des Sommerfahrplans am 6. April aufgenommen.