Fast 400 Personen strömten gestern in den Landhaussaal in Solothurn zur Eröffnung der 41. Solothurner Literaturtage. Deren Geschäftsführerin Reina Gehrig addierte mal: «Legt man alle bisherigen Literaturtage, die im Durchschnitt 3, 4 Tage dauerten, zusammen, haben wir schon 140 Tage Literatur genossen.» Sie freue sich sehr, dass es losgehe, auch wenn Literatur und der Literaturbetrieb nicht immer eine erfreuliche Sache seien . Ja, manchmal könne man die Literatur und insbesondere die Solothurner Literaturtage auch hassen. Sie zitierte ein Gedicht der Autorin Michelle Steinbeck: «Warum bin ich nicht eingeladen und alle anderen schon?» Dieses Jahr sei sie eingeladen, beruhigte Gehrig das Publikum.

«So muss es doch sein: Die Auffahrt muss uns literarisch einfahren.» Literatur sei von nun an bis Sonntag Stadtgespräch und Beizenthema. «Dieses Jahr gibt es viele Neulinge und deren Erstlingswerke kennen zu lernen. Dazu gibt es erstmals ein Branchengespräch über den Buchmarkt und dessen Verwerfungen, die für viele Schreibende mehr als ungemütlich sind», so Gehrig.

Frauen ins Zentrum

Die Tessinerin Marina Carobbio Guscetti, in diesem Jahr Nationalratspräsidentin, hielt eine Eröffnungsrede und bemerkte, dass diese ganze Veranstaltung allein von Frauen bestritten werde. «Eigentlich sollte uns das nicht erstaunen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein.» Dennoch gebe es viele Orte, «wo es immer noch undenkbar ist, dass Frauen den ihnen zustehenden Platz beanspruchen», so Carobbio und sie meinte damit auch den Schweizer Nationalrat; Frauen seien dort eindeutig unterrepräsentiert.

Doch gerade die Literatur habe die Kraft, die Weltanschauung der Menschen zu beeinflussen, sagte sie in ihrer Rede, die sie in drei Landessprachen hielt. Und sie verwies auf die verbindende Kraft des Wortes und der Sprache. Auf diese prägende Kraft verwies auch die amerikanische Autorin und Medienwissenschafterin Nell Zink. Sie stellte einen Text vor, den sie eigens für die Eröffnung dieser Literaturtage geschrieben hat. Darin erzählt sie von drei unterschiedlichen Romanen, in denen Frauen ausgenützt und unterworfen werden oder depressiv sind. Dennoch sind sie für die Geschichten prägend und antreibend. Literatur solle «in die Intimsphäre der Macht eindringen», forderte sie und meinte, der Schriftsteller solle damit im bestem Sinn «staatstragend» sein.

Darauf antworteten die vier Autorinnen Amina Abdulkadir, Aargauerin mit Wurzeln in Somalia, in Deutsch; die Tessinerin Laura di Corcia in Italienisch; Rinny Gremaud, in Lausanne lebend, in Französisch und Leontina Lergier-Caviezel, bei Bern lebend, in romanischer Sprache.

Die Luzerner Singer-Songwriterin Valerie Koloszar alias Pink Spider sorgte für den musikalischen Rahmen mit Eigenkompostionen aus den Sparten Pop, Rock und Balladen.