Solothurn
40 Jahre Ludothek: Auch Integration läuft über das Spiel

Seit 40 Jahren überzeugt der Spielwaren-Verleih in Solothurn mit Kompetenz und Innovation. Dadurch spielt die Ludothek auch schweizweit eine Vorreiterrolle.

Katharina Arni-Howald
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Die Ludothek ist an der Industriestrasse 5 zuhause.
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Die Ludothek ist übersichtlich eingerichtet.
Die Co-Präsidentin ist stolz auf die Auswahl an Spielsachen.
Zu Besuch in der Ludothek Solothurn
Auch für die Kleinen ist in der Ludothek gut gesorgt.
Auch dieses Flugi gehört zum Ludothek-Bestand.
Iris Lemp hat auch für ältere Semester etwas zu bieten.
Die Mohrenkopfmaschinen gehören zu den Hits der Ludothek.
Auch der Schachklub und die Mütterberatung sind an der Industriestrasse 5 zuhause.

Die Ludothek ist an der Industriestrasse 5 zuhause.

Wolfgang Wagmann

«Die Unterstützung und Förderung des kreativen Spiels ist für Kinder und ältere Menschen enorm wichtig.» Die Co-Präsidentin der Ludothek Solothurn, Iris Lemp, weiss, wovon sie spricht. Der Spielzeugverleih an der Industriestrasse 5 ist ihr ans Herz gewachsen. Rund 1800 Spiele und ein grosser Fahrzeugpark warten dort auf junge Familien und Erwachsene, die sich vom Ludothek-Gedanken «Leihen statt Kaufen» angezogen fühlen.

«Spielen in der Familie ist wieder in», sagt Iris Lemp. Die Begeisterung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit kann man hautnah spüren, wenn sie Besucher durch den grosszügigen, hellen Raum in der alten, aber gut erhaltenen Liegenschaft führt. Vom Einrad bis zum Traktor, von der Puppenstube bis zum begehrten Holz- oder Plastikspielzeug findet man dort nebst zahlreichen qualitativ hochstehenden Lern-, Förder- und Brettspielen alles, was das Herz begehrt. «Nur Computerspiele und Gameboys sucht man hier vergebens», sagt Lemp und geht stattdessen zu einer Schaumkopf-Schleudermaschine, die wie andere Partyspielzeuge für Belustigung an einem Kindergeburtstag sorgen kann.

Eine der Ersten der Schweiz

40 Jahre sind es her, seit zwei Frauen auf die Idee kamen, in Solothurn einen Spielzeugverleih aufzubauen. Sie gehörten gesamtschweizerisch zu den Vorreiterinnen einer heute in zahlreichen Gemeinden fest verankerten Institution. Der Raum, der ihnen damals im Alten Spital zur Verfügung stand, war klein und eng. Keine guten Voraussetzungen, um etwas aufzubauen, das Bestand haben sollte. Vom Begegnungszentrum zügelten die entschlossenen Frauen schliesslich ins Kaiserhaus am Patriotenweg, bis sich die Möglichkeit auftat, im Heidenhubelquartier eine neue Heimat zu finden.

Das derzeitige Ludothek-Team, das ganz im Sinne seiner Vorgängerinnen arbeitet und immer wieder noch nicht ausgelotete Lücken entdeckt, darf stolz auf seine Vergangenheit sein. Längst sind die 13 Frauen aller Altersgruppen, die gegenwärtig das Zepter in der Hand halten, nicht bloss bei der Ausleihe stehen geblieben. Heute werden mit grossem Erfolg Veranstaltungen für Schulen und andere Einrichtungen, sowie Elternabende für Spielgruppen angeboten. Jüngst haben auch Betreuer von Flüchtlingsprojekten die Ludothek entdeckt und leihen sich Lernspiele für den Deutschunterricht aus. «Die Integration läuft auch über das Spiel», ist Iris Lemp überzeugt.

Auf ein grosses Echo stossen auch die Spielnachmittage in den Alters- und Pflegeheimen. Besonders Demenzkranke profitieren von speziellen, auf sie zugeschnittenen Förderspielen, die auch von den Aktivierungstherapeuten ge-schätzt werden. «Diese speziellen Spielnachmittage sind auch für uns eine grosse Bereicherung», betont Iris Lemp, die das Präsidium mit Sandra Flury teilt und weiss, dass die Ludothek Solothurn schweizweit auch in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielt.

300 Vereinsmitglieder

Zurzeit zählt der Verein rund 300 Mitglieder. Die meisten von ihnen sind junge Familien, die regelmässig den Spielzeugverleih besuchen und von den neusten, auf den Markt gekommenen, pädagogisch wertvollen Spielen profitieren. Spielwaren gibt es für Kleinkinder ab sechs Monaten, ab dem zweiten Altersjahr sind für sie auch Spiele zugänglich. Die Leihgebühr richtet sich nach dem Wert der jeweiligen Spielwaren. Die Ausleihdauer beschränkt sich auf einen Monat, eine kurze Verlängerung ist möglich. «Wir sind keine Konkurrenz zum Spielwarenhandel», betont Lemp. «Wir ermöglichen Kindern, das Spielzeug auszuprobieren, und wenn es ihnen gefällt, können sich die Eltern entscheiden, ob sie es kaufen wollen.» Das Ziel der Institution sei, das Spielen zu unterstützen und zu fördern, und zwar nicht bloss durch eine Anhäufung von Spielwaren, sondern durch eine sorgfältige Auslese.

Ohne Gönner und Sponsoren läuft in der Ludothek allerdings gar nichts. «Wir haben das Glück, dass uns die Stadt die Miete bezahlt, ansonsten leben wir von den Ausleihgebühren sowie Mitgliedern und Gönnern, die uns wohlgesinnt sind», betont die Präsidentin. Ihnen war auch der Sponsoren-Apéro gewidmet, der am Wochenende das 40-Jahr-Jubiläum mit seinen zahlreichen Veranstaltungen abschloss. Bei dieser Gelegenheit würdigte auch Stadtpräsident Kurt Fluri die in jeder Beziehung wertvolle Arbeit der Frauen. «Es ist wichtig, dass die öffentliche Hand erkennt, was hier geleistet wird. Wenn nötig, hat die Stadt immer ein paar Franken in der Kasse, um den Verein zu unterstützen.»

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