Lohn-Ammannsegg
300 Vereinsjahre: Funkende Musik und heisses Feuer

Musikgesellschaft und Feuerwehr feierten das 300-jährige Bestehen, zumindest wenn man das Alter beider Vereine aus Lohn-Ammannsegg zusammenrechnet. Am Fest gab es nebst Musik auch Rauch und Sirenen zu hören.

Agnes Portmann-Leupi
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Die Musikgesellschaft und die Feuerwehr Lohn-Ammannsegg bei der Taufe des neuen Tanklöschfahrzeugs «s’Flämmli». apb

Die Musikgesellschaft und die Feuerwehr Lohn-Ammannsegg bei der Taufe des neuen Tanklöschfahrzeugs «s’Flämmli». apb

Solothurner Zeitung

Von nichts kommt nichts, zumindest wenn es um den Nachwuchs geht. Das scheinen sich die 175 Jahre alte Feuerwehr (FW) und die 125-jährige Musikgesellschaft (MG) unter dem Präsidenten des Organisationskomitees (OK), Christoph Krauss, bei ihrer Festplanung gedacht zu haben. Im Kinderparcours hantieren am Samstagmorgen über 70 Buben und Mädchen begeistert mit nicht ganz vollem Rohr als Feuerwehrleute.

Ebenso fasziniert blasen sie in Trompete, Posaune oder in Flöte und Saxofon. Kreativ betätigten sich die Lohn-Ammannsegger Kinder bereits im Vorfeld bei der Namenfindung für das Ende Juni erhaltene neue Tanklöschfahrzeug. Viele sind mit ihren Eltern anwesend, als das Gefährt, blumengeschmückt und mit Martinshorn und Blaulicht, vor die Mehrzweckhalle fährt. «Mein Heimatland» spielt die MG dazu. «Über 100 Vorschläge sind eingegangen», sagt FW-Kommandant Stefan Kocher und lüftet das Geheimnis. Auf «s’Flämmli» darf die Erstklässlerin und Namengeberin Ilona Knellwolf das neue Fahrzeug taufen. Alt FW-Kommandant Rolf Luterbacher amtet als Götti.

Das neue Tanklöschfahrzeug kommt kurze Zeit später bei der Hauptübung zum Einsatz. Im alten Schulhaus hat nämlich die Heizung dicken Rauch entwickelt und ein Durchkommen über den Fluchtweg ist unmöglich. Kinder schreien aus dem oberen Stockwerk um Hilfe. Klar, dass sie von der FW fachgemäss mit dem Hubretter befreit werden.

MG von 12 auf 27 gewachsen

Die Jugend ist auch beim Festessen in der Mehrzweckhalle vertreten. Einem turnerischen Feuer gleich erweist sich ihr Auftritt an den Geräten. Durch den abwechslungsreichen Abend führen theatralisch Anita von Rohr und Charles Rieben, sie als charmante Musikerin in der Gotthelf-Tracht, er als cooler Feuerwehrmann in Latzhose. Die Feier eröffnet die MG mit dem farbigen Marsch «Arc-en-Ciel». Vor fünf Jahren übernahm Dirigent Franz Rufer einen Verein von 12 Personen, mittlerweile ist die MG um mehr als das Doppelte gewachsen. Beschwingt, melancholisch, rassig, gemütlich und lüpfig erklingen «Highland Cathedral», «El Pedro», «In der Weinschenke», «Böhmischer Traum», «Happy Swiss». Das Publikum freut sich, spontan klatschend, am «Örgelihuus» mit Thomas Marti am Schwyzerörgeli.

Wörtliche «Wirtschaftsförderung»

Gemeindepräsident Markus Sieber lobt im Festakt die FW für 175 Jahre «Service public» und Sicherheit, gleichzeitig aber auch für die «Wirtschaftsförderung» nach vollendeter Übung. «Im selben Jahr wie die MG ist auch die Hero gegründet worden», weiss er. Dies bedeute aber keineswegs, dass die MG Musik aus der Konserve bringe. Kommandant Kocher sucht in seiner Rede nach Gemeinsamkeiten der Jubilare. «In beiden Organisationen ist Kameradschaft nicht nur ein schönes Wort, sondern sie wird auch gelebt», hebt er hervor. Gegenteilig sei, dass die MG immer genau wisse, wann sie zum Einsatz komme, die FW aber müsse stets bereit sein. Thomas Luterbacher, Präsident der MG, erzählt, dass bereits vor 1886 zehn Männer regelmässig zum Tanz aufspielten. Aus dieser Formation sei schliesslich der Verein entstanden. Harte Sitten enthüllen die anfänglichen Protokolle: 50 Rappen Busse für zu spätes Erscheinen an den Proben und einen Franken fürs Fernbleiben. Seit 1967 sind auch Frauen im Verein willkommen.

Freude über die gemeinsamen 300 Jahre bekunden Ueli Nussbaumer, Präsident des Solothurner Blasmusikverbandes, und Willi Kohler vom Musikverband Bucheggberg. Gemeinsam singend und musizierend beschliessen die Jubilare denn auch die Feier mit «Mir si vo dr Füürwehr».

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