Kofmehl

20 Jahre Kulturfabrik Kofmehl: Eine Million kann sich nicht geirrt haben

Die Kulturfabrik Kofmehl wird im Osten könftig durch einen eigentlichen Lärmtunnel abgeschirmt

Die Kulturfabrik Kofmehl wird im Osten könftig durch einen eigentlichen Lärmtunnel abgeschirmt

Das Kofmehl wird 20 Jahre alt. Betriebsleiter Pipo Kofmehl erinnert sich ans Werden und Wachsen der «Kulturkiste» und sagt: «Es war unglaublich schwierig, Vertrauen zu gewinnen.»

1992 da war Pipo Kofmehl 20, die Welt noch ohne Internet und Natel, doch voller Musik.

Pipo Kofmehl: Yes und somit definitiv anonymer! Musik lernte man vor allem in schummrigen Clubs und über Radiosender kennen – in der Szene eben. Ein grosser Unterschied zu heute, wo alles im Internet verfügbar ist. Man musste sich also bemühen, um neue Musik kennen zu lernen. Wir sind – wenn wir nicht gerade selber Veranstaltungen gemacht haben – in der ganzen Schweiz und im nahen Ausland herum gecruised – von Konzert zu Konzert.

Wie kam der Verein Creep zur alten Eisenwaren-Handlung von Otto Kofmehl als Clubklokal?

Nun, der Creep-Club war ein eigenständiger Musik-Club an der Dammstrasse 59 in Solothurn. 1998 erhielten wir die Kündigung – gleichzeitig stieg die erste Betreibergeneration in der Kulturfabrik Kofmehl aus. Wir beschlossen, an einer ausserordentlichen Generalversammlung im Juni 1999 zu fusionieren und alles unter dem Betreiberverein Creep weitersegeln zu lassen. Es ging auch um die Ablösung vom Verein Zwischenraum, der zu viele Altlasten im Rucksack hatte. Von da an galt: Kofmehl mit Creep appeal!

Wie habt Ihr euch dort eingerichtet – das Ganze war wohl zuerst noch eine ziemlich lockere, lose Organisation?

Es war damals nicht anders als heute. Durch die Fusion wurden ab 1999 griffige Strukturen gebildet und man verlieh der Kulturfabrik Kofmehl ein Gesicht nach aussen – weg von der Anonymität, die viele Spekulationen und Interpretationen ausgelöst hatte. Ab 1999 haben wir intensiv den Dialog mit Nachbarn und Behörden gesucht und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Zeit von 1992 bis 1998 war die wichtige Pionier-Phase – übrigens hatte der Kanton das Projekt angestossen.

Auch damals hatten wohl nicht alle Freude an der Kulturfabrik?

Nein. Auch dann war die Jugend die Schlimmste von immer! Heute aber sind diese Jugendlichen von anno dazumal Familienmenschen, Leute in wichtigen Entscheidungsgremien, erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler – sie sind also trotzdem gut herausgekommen …

Und wie seid Ihr mit den Behörden klargekommen? Über Jahre hinweg musste das alte Kofmehl ja ständig in Sachen Brandschutz und Sicherheit nachgerüstet werden.

Ja nun, die Kulturfabrik Kofmehl, das anonyme Dings in der Weststadt. Klar, war es schwierig, Vertrauen zu gewinnen. Aber es gab auch schon zu dieser Zeit Leute, die an uns geglaubt haben. Heinrich Ackermann etwa (Vermieter der alten Kofmehlhalle) oder später Rolf Studer (Eigentümer und Initiant des Neubaus) haben uns viele wichtige Türen geöffnet. Die alte Kulturfabrik Kofmehl war natürlich eben eine Fabrikhalle, die zu einem Konzertclub umgenutzt wurde und stetig gewachsen ist. Anpassungen in Sachen Brandschutz und Sicherheit waren so die logische Folge. Aber im Gegensatz zu heute gab es früher tatsächlich viel weniger Auflagen – und es ging auch.

Bei der Kündigung des Mietvertrags und dem Ende des alten Kofmehls 2004 war die Organisation der Kofmehl-Crew aber schon um einiges professioneller geworden?

Oh ja ... das Ganze ist wunderbar gewachsen und gediehen. Wir haben in kurzer, intensiver Zeit aus der «Drogenhöhle» mit viel Herzblut eine unheimlich blubbernde Kulturkiste kreiert, mit der sich ganz viele junge und ältere Menschen identifizieren konnten und auch heute noch können.

Lassen sich die 20 Jahre irgendwie in Zahlen fassen?

Durchaus. Eine Million besuchte seit 1992 rund 3000 Anlässe. Zu hören waren in dieser Zeit 4000 Bands oder 20000 Künstlerinnen und Künstler.

Heute ist die Kulturfabrik tatsächlich eine Fabrik, ein Unternehmen. Was konnte vom Geist der Gründerjahre beibehalten werden?

Sehr vieles! Es ist eine Teamleistung! Man sucht ständig den Dialog! Man ist Fan! Man identifiziert sich mit der Institution. Man engagiert sich mit viel Herzblut. Hier herrscht eine Haltung und Stimmung, die offenbar immer und immer wieder ansteckt. Das Durchschnittsalter der Helferinnen und Helfer in der Kulturfabrik Kofmehl liegt bei rund 22 Jahren – das sagt doch einiges aus!

Wo drückt der Schuh heute anders als früher?

Eigentlich drückt immer irgendwo der Schuh. Das ist wichtig, um noch besser zu werden – wir lieben Herausforderungen! Zudem sind wir in einem schnelllebigen Bereich, der sich unheimlich rasch entwickelt. Denken wir nur an die Musikstilrichtungen und die dazu gehörenden Begleiterscheinungen – die wechseln heute viel, viel schneller, als noch in den good old 60’s, 70’s oder 80’s. Wir sind somit irgendwie täglich gefordert und das ist gut so.

Gibts die Kulturfabrik Kofmehl in 20 Jahren noch – ja braucht es sie dann noch?

Ich gehe davon aus, dass sicher das Haus noch stehen wird. Was in 20 Jahren die Inhalte sein werden, darauf können wir gespannt sein – die digitale Technik und das Internet haben in den letzten Jahren wahnsinnig viel und in Hochgeschwindigkeit verändert. Wobei man auch sehen muss, dass die ersten zehn Kofmehl-Jahre noch voll analog waren – uns steht wohl noch viel sehr Revolutionäres bevor. Ein solches Haus, eine solche Institution für die Stadt und Region Solothurn finde ich unabdingbar. Aus kulturellen, sozialen und auch volkswirtschaftlichen Gründen macht so eine Geschichte sehr, sehr viel Sinn.

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