Sicherheit
20 Bahnübergänge erhalten eine «Micro»-Anlage

Die Bahnunternehmen stehen vor einem letzten Effort: Bis in dreieinhalb Jahren müssen alle Bahnübergänge sicher sein. Dies soll zum Teil mit «Micro»-Anlagen erreicht werden.

Johannes Reichen
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Blinkt zuerst gelb und leuchtet dann rot:

Blinkt zuerst gelb und leuchtet dann rot:

Solothurner Zeitung

Auf dem Streckennetz der BLS gibt es derzeit 117 ungesicherte Bahnübergänge. Die meisten dieser Übergänge befinden sich auf Privatwegen. Wo es möglich ist, sollen sie geschlossen werden.

Danach bleiben aber noch immer 45 Übergänge, die in den nächsten Jahren gesichert werden müssen. Für 20 dieser Übergänge steht die Lösung nun fest: Künftig sollen dort neue «Micro»-Anlagen für Sicherheit sorgen.

«Micro»-System nun zugelassen

Eine erste Anlage steht in Hüseren an der Bahnstrecke zwischen Bern und Schwarzenburg. Kommt ein Zug, sendet der ein Signal an die Anlage. Eine Ampel beginnt zu blinken, zeigt auf Gelb und wechselt dann auf Rot. Hat der Zug den Übergang passiert, wird die Ampel wieder gelb, ehe sie erlischt.

Vor fast fünf Jahren wurden in einem Pilotprojekt an vier Standorten in der Schweiz vier «Micro»-Prototypen mit jeweils unterschiedlichem Prinzip getestet, auch in der Nähe von Sumiswald unter der Federführung der BLS. «Danach mussten wir noch Anpassungen machen», sagt André Schweizer, stellvertretender Leiter Signaltechnik und damals Projektleiter bei der BLS. Das brauchte seine Zeit. In dieser Woche hat nun aber das Bundesamt für Verkehr die Typenzulassung für das «Micro»-System erteilt.

Zu viele Unfälle

«Die ersten Erfahrungen waren positiv», sagt BLS-Infrastrukturchef Daniel Wyder. Nur sechs Monate dauere es von der Planung bis zur Inbetriebnahme, die Kosten seien mit rund 100000 Franken verhältnismässig tief. In der Erprobungsphase seit Mitte 2010 habe es keine Probleme gegeben. So sollen noch in diesem Jahr etwa auch in Lyssach, Ramsei/Lützelflüh, Lommiswil und Langendorf «Micro»-Anlagen stehen. «Es ist», so Wyder in dieser Woche vor den Medien, «eine Lösung zur richtigen Zeit.»

Bis in dreieinhalb Jahren nämlich müssen alle noch ungesicherten Bahnübergänge in der Schweiz aufgehoben oder adäquat gesichert sein, so will es der Bund. Gemäss Toni Eder, Vizedirektor des Bundesamts für Verkehr, betrifft dies noch 2637 Übergänge – fast ebenso viele wie die 2761 rechtskonform gesicherten Übergänge (Stand Ende 2010). «Bahnübergänge sind immer wieder Quellen von Unfällen», sagt Eder. In den letzten sechs Jahren gab es in der Schweiz nach Unfällen bei Bahnübergängen jeweils zwischen 3 und 7 Tote sowie zwischen 8 und 18 Schwerverletzte. «Das sind zu viele», sagt Eder.

Und darum sind «pragmatische Lösungen» gefragt, wie Walter Straumann sagt. Der Solothurner CVP-Regierungsrat leitet seit 2004 die damals vom Bundesrat eingesetzte Task-Force Bahnübergänge. Nach einem ersten Effort und der raschen Sanierung der rund 200 gefährlichsten Übergänge sei die Sache etwas ins Stocken geraten. Jetzt aber, kurz vor der Deadline von Ende 2014 kommt wieder Schwung in die Sache. Auch dank «Micro»: «Das ist eine Art vereinfachte Blinklichtanlage und kostet nur rund die Hälfte einer konventionellen Anlage», sagt Straumann.

Bahnen bereit «Effort zu leisten»

Nicht überall sind aber «Micro»-Anlagen geeignet. Wo der Zug schneller als 100 Stundenkilometer fährt und wo es zu viel Verkehr haben könnte, müssen andere Lösungen her. Es werde an neuen, kostengünstigen Lösungen gearbeitet, so Ueli Stückelberger, Präsident des Verbands öffentlicher Verkehr. «Die Bahnen sind bereit, einen Effort zu leisten.»

Das sehen auch die Angesprochenen so. «Wir sind seit 20 Jahren an der Arbeit», sagt Fabienne Thommen, Sprecherin des Regionalverkehrs Bern-Solothurn. Anpassungen müssten nun noch an drei oder vier kleinen Übergängen vorgenommen sein, etwa durch neue Schilder. Wo möglich, sollen kleine Privatwege geschlossen werden.

Und Fredy Miller, Direktor der Aare Seeland mobil, sagt zur Sanierung der Übergänge: «Wir sind auf Kurs.»