Solothurn

15000 Besucher: Literaturtage Solothurn egalisieren Besucherrekord trotz Schönwetter

Auch Adolf Muschg füllte - wie die meisten Veranstaltungen - an den Solothurner Literaturtagen den Saal. (Archiv)

Auch Adolf Muschg füllte - wie die meisten Veranstaltungen - an den Solothurner Literaturtagen den Saal. (Archiv)

Erfreuliche Bilanz für die Organisatoren der Literaturtage: 15000 Besucher wurden trotz schönstem Wetter gezählt. Damit gehen die Literaturtage in Solothurn mit einem neuen Besucherrekord zu Ende.

Mit einer Lesung von Franz Hohler und einem Résumée von Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer und Festivalzeichner Wazem sind am frühen Sonntagabend die 38. Solothurner Literaturtage zu Ende gegangen. Trotz schönstem Wetter wurden wiederum 15'000 Besucher gezählt.

Die Büchersaison 2015/2016 war ein Flugjahr der Deutschschweizer Literatur, und das schlug sich aufs Programm nieder: Neben Franz Hohler präsentierten unter anderen Adolf Muschg, Ruth Schweikert, Charles Lewinsky, Perikles Monioudis, Catalin Dorian Florescu, Dana Grigorcea und Ursula Fricker neue Bücher.

Viele Besucher gingen denn auch den grossen Namen nach. Fragen wie "Bin ich hier richtig bei Bärfuss?" wurden in der - meist langen - Schlange öfter gehört. Aber auch für kleinere Veranstaltungen war das Interesse gross. Die Organisatoren unterschätzten das: Wegen mangelnder Sitzplätze mussten Besucher hin und wieder abgewiesen werden.

Die beiden "Skriptor"-Programme beispielsweise, in denen arrivierte Autoren wie Lukas Bärfuss und Ruth Schweikert mit jüngeren Kollegen Verbesserungsvorschläge diskutierten, hätten viele Leute gern verfolgt. Die Neuerung sollte beibehalten werden - in grösseren Sälen.

Die Literaturtage hatten sich bekanntlich ein Lifting verpasst: Ausser einem neuen Logo gab es neben den üblichen Lesetischen eine Sitzecke mit Polstersesseln, Tischchen und Blumenvase auf der Bühne. Daneben wurden die Namen der Vortragenden nicht mehr auf grundschulmässige Papier-Schildchen geschrieben, sondern auf stylische Stellwände projiziert.

"Bitchfresse" oder wie man Junge zum Lesen holt

Sehr begrüsst wurde die Ausweitung des Jugendprogramms JuKiLi um drei Zusatztage. Rund 70 Schulklassen - 48 mehr als sonst - konnten so teilnehmen - und beispielsweise bei Laurin Buser lernen, wie man Slam Poetry schreibt und vorträgt.

Am Freitag gab der 25-Jährige dann eine Vorstellung im Stadttheater fürs Erwachsenenprogramm - und machte sich unverhohlen lustig über die "Älteren" im Parterre, die noch Facebook benutzen statt Snapchat. Den mit Jugendlichen besetzten Balkon brachte er ausser mit seinen ulkig-philosophischen Texten mit einem gelegentlichen scharfen "Bitchfresse" zum Johlen.

Abgeschlossen wurde das JuKiLi-Programm mit einem Spi Spa Spoken Word-Familienfrühstück am Muttertagssonntag. Vorgestellt wurde die CD "Flipper Flipperchaschte" mit Texten von Nora Gomringer, Matto Kämpf, Jürg Halter und Guy Krneta. Franz Hohler unterstützte die Jungen - mit insgesamt fünf Veranstaltungen hatte der 72-Jährige an den Literaturtagen das wohl grösste Einsatzprogramm.

Das Publikum reichte vom Krabbel- bis zum Pensionsalter. Die Kinder verfolgten gespannt das Programm. Am allermeisten Interesse erntete aber das Loop-Gerät des Musikers Pascal Grünenfelder.

"SS=Simonetta Sommaruga"

Politik war ein weiterer Schwerpunkt neben der Förderung der Literalizität (Leseförderung ist passée, heute bezieht man alle Darbietungsformen vom Comic bis zur App ein, wie an einem Zukunftsatelier zu erfahren war.)

An der Flüchtlingskrise und der Haltung der Rechten dazu kam man in Solothurn nicht vorbei. Für gewisse Kreise, so war an einem Podium zu hören, sei "SS" gleichbedeutend mit "Simonetta Sommaruga". Der entsprechende Autor bezog sich offenbar auf den Ausspruch eines führenden Schweizer Konservativen, der den Linken Nazi-Methoden vorgeworfen hatte.

An einem weiteren Podium wurde die Frage der Integration von gläubigen Muslimen in mitteleuropäische Gesellschaften und die Vermittlung von freiheitlichen Wertesystemen besprochen. Dabei kam auch die "Handschlag-Affäre" aufs Tapet. Der gebürtige algerische Schriftsteller Boualem Sansal, ein profunder Kenner der Materie, empfahl dringend, die Ausbildung von Imanen nicht ihren Herkunftsländern zu überlassen.

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