Gerätebenzin
14 Gemeinden nutzen die grüne Alternative zu Standard-Benzin

Bereits 14 Gemeinde-Werkhöfe im Kanton schonen die Umwelt und die Mitarbeiter. Statt des herkömmlichen Benzins setzen ihre Werköfe heute auf Akylatbenzin, das 95 Prozent weniger Schadstoffe enthält.

Mirjam Stuber
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Für Umwelt und Gesundheit: Gerätebenzin statt übliches Benzin. zvg

Für Umwelt und Gesundheit: Gerätebenzin statt übliches Benzin. zvg

Solothurner Zeitung

«Kluge Köpfe tanken Gerätebenzin». Mit diesem Slogan ruft die Organisation «Gerätebenzin» dazu auf, beim Gebrauch von benzinbetriebenen Kleinmotorgeräten auf herkömmliche Treibstoffe zu verzichten. Als Alternative empfiehlt sie das um 95 Prozent schadstoffärmere Gerätebenzin – auch Akylatbenzin genannt. An der Aktion beteiligen sich die Krebsliga Schweiz, die kantonalen Behörden für Luftreinhaltung und die Schweizerische Metall-Union. Unterstützt wird die Kampagne durch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und die Industrie.

Sie alle wollen gemeinsam den Einsatz des schadstoffarmen Gerätebenzins sowohl bei Privatpersonen fördern als auch bei Berufsgruppen, die fast täglich Benzinabgasen ausgesetzt sind. Anbieter von Benzin werden motiviert, neben Normal- auch Gerätebenzin zu verkaufen. Die Kerngruppe hat mit ihrer Kampagne Erfolg. Im Kanton Solothurn haben bislang 14 Gemeinden erklärt, dass sie Gerätebenzin in ihren Werkhöfen und Forstbetrieben einsetzten. Es sind dies Grenchen, Bettlach, Rodersdorf, Dornach, Nunningen, Breitenbach, Bellach, Riedholz, Olten, Wangen bei Olten, Wolfwil, Starrkirch-Wil, Oensingen und Welschenrohr. Man wolle mit der Verwendung
von Gerätebenzin die Umwelt und vor allem die Gesundheit der Gemeindearbeiter schützen, heisst es auf Anfrage in Grenchen.

Das «grüne Benzin»

Benno Bläsi, Inhaber der Firma Kupferschmid in Grenchen, verkauft nebst Traktoren, Land- und Gartenmaschinen auch Gerätebenzin. Seit rund 10 Jahren gehört das «grüne Benzin» bei ihm zum Sortiment. Als Fachhändler kann er Kunden im Verkaufsgespräch über diese sinnvolle Alternative aufklären: «Akylatbenzin schont nicht nur Mensch und Umwelt, sondern auch die Geräte und deren Motoren.» Bläsis Kunden bezahlen Fr.4.50 pro Liter für eine
Zweitaktmischung. «Für Gerätebenzin muss man zwar mehr bezahlen als für herkömmliches Benzin, jedoch spart man bezüglich Reparaturen ein. Es gibt nämlich keine Ablagerungen in Motor und Auspuff.» Zudem könne Gerätebenzin problem-los über mehrere Jahre gelagert werden, sagt Bläsi. Seit er Gerätebenzin verwendet, hat er deutlich weniger Probleme mit seinen Maschinen. Das Alternativprodukt produziere zudem viel weniger Rauch und Gestank als andere Kraftstoffe. Auch Anton Jörg führt in seiner Firma in Subingen seit sieben Jahren Gerätebenzin im Sortiment. «Kleingeräte, welche mit Akylatbenzin betankt werden, können selbst nach langen Pausen problemlos wieder in Betrieb genommen werden.» Daher empfehle er gerade jenen Kunden, welche nur selten im Garten arbeiten, Gerätebenzin zu verwenden.

Aufenthalt in der «Benzol-Wolke»

In erster Linie soll das «grüne Benzin» jedoch dort eingesetzt werden, wo Menschen direkt den Abgasen der Maschinen ausgesetzt sind. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, welche sich um den Unterhalt von Wäldern und öffentlichen Anlagen kümmern, befinden sich fast täglich im Abgasdunst ihrer Kleingeräte. So inhalieren sie die Abgase direkt ein. Herkömmliches Benzin enthält unter anderem eine hohe Konzentration an Benzol, welches bereits bei niedriger Dosis krebserregend sein kann.

Grund genug, dass etwa die Marti AG Solothurn ausschliesslich umweltfreundlicheres Gerätebenzin als Treibstoff für die bei ihr eingesetzten Kleingeräte mit Zweitaktmotor verwendet. Werkstatt-Leiter Jürg Frei bestätigt dies: «Obwohl Akylatbenzin etwa zweieinhalbmal so teuer ist wie herkömmliches Benzin, setzten wir es in unserem Werkhof ein. Es geht uns vor allem um den Schutz unse-rer Mitarbeiter. Mit dem Einsatz von Gerätebenzin leisten wir aber auch einen Beitrag an die Umwelt.»

Die Vertriebs AG Stihl in Mönchaltorf ist Mitglied der Kerngruppe der Gerätebenzin-Kampagne. Die Firma verkauft Akylatbenzin, welches ausschliesslich beim qualifizierten Fachhändler erstanden werden kann. Laut Jürg Voser, Geschäftsführer der Stihl AG, sei die Gerätebenzin-Kampagne eine gute Sache, da dort alle interessierten Kreise vertreten seien und sich an den Kosten für die Kampagne beteiligen würden. Der Lieferant gibt an, jedes Jahr mehr Gerätebenzin absetzen zu können, und zeigt sich zuversichtlich, dass dieser Trend auch in den nächsten Jahren so anhalten werde. Voser: «Von den Anwendern bekommen wir jedenfalls nur positive Rückmeldungen.»

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