Wer zwischen Solothurn und Olten mit dem Zug verkehrt, fährt vor Hägendorf während rund 3 km an einem riesigen Areal vorbei, wo sich Berge von Schienen türmen. «Das BTC umfasst ein Gebiet der Grösse von rund 200 Fussballfeldern», erklärt René Neidhart, Leiter des SBB-Bahntechnik-Centers (BTC).

Hier werden praktisch alle Schienen, die die SBB und andere Bahnen brauchen, gelagert. Abgefahrene Schienen werden hier aufgearbeitet. Auch werden sämtliche Weichen fixfertig vorproduziert und für den Einbau vor Ort auf Spezialwagen verladen.

«Das Ziel ist, dass ein Bautrupp eine Weiche in einer einzigen Schicht auswechseln kann und damit der Bahnbetrieb nur minimal beeinträchtigt werden muss», erklärt Neidhart.

Jede Weiche ist ein Einzelstück und wird gemäss besonderen Spezifikationen gefertigt. Dazu braucht es viel Fachwissen, Erfahrung und je nach Komplexität und Grösse etwa 100 bis 200 Stunden Zeit. Einige Arbeitsgänge sind automatisiert, wie das Bohren der Schwellenlöcher, andere brauchen Handarbeit. Mehr noch: «Hier ist Körpereinsatz gefragt», betont Neidhart.

Denn das genaue Ausrichten der Schwellen, bevor die Schienen darauf festgeschraubt werden, braucht viel Kraft. Eine einzelne Eichenschwelle wiegt über 100 Kilo. Abbinden nennt man diese Phase des Weichenbaus.

Die Arbeit ist anstrengend. Dies ist mit ein Grund, warum nur zwei Frauen im BTC arbeiten. «Wir hätten gern einen höheren Frauenanteil, aber die körperliche Belastung ist für viele Frauen einfach zu gross», erklärt Neidhart.

Jedes Detail muss stimmen

Ist eine Weiche fertig, wird sie diagonal geneigt auf Spezialwagen verladen. So kann der Raum optimal ausgenützt werden. «Für die Just-in-time-Lieferung an die Baustelle muss jedes Detail stimmen», betont Neidhart. Das heisst, alle Teile müssen genau in der Reihenfolge des Einbaus bereitgestellt werden, damit der Arbeitsfluss nicht gehindert wird.

Wichtige Details sind dabei beispielsweise, ob ein Bauzug über einen Sackbahnhof verkehrt. Dann ist nämlich auf der Baustelle plötzlich der hinterste Wagen zuvorderst.

Von den rund 14 000 Weichen auf dem SBB-Netz müssen jedes Jahr zwischen 300 und 500 ersetzt werden. Dazu kommen etwa 380 km Schienen, was etwa der Strecke Genf-Romanshorn entspricht.

Nicht alle Schienen werden gleichmässig abgenützt. «An manchen Stellen am Gotthard beträgt ihre Lebensdauer weniger als drei Jahre. Auf Nebenstrecken oder Gleisanschlüssen halten sie Jahrzehnte», erklärt Neidhart.

Auch ist Schiene nicht gleich Schiene. Es gibt je nach Einsatzzweck drei verschiedene Profile und fünf Härtegrade. Ein Meter Gleis wiegt 46 bis gut 60 kg und kostet je nach Anbieter und Qualität über 100 Fr.

Dies ist mit ein Grund, wieso abgefahrene Geleise hier in Hägendorf wieder aufbereitet werden. Dazu sind mehrere Arbeitsschritte nötig. Mit einer Hydraulikpresse werden die Schienen zuerst einmal zurechtgebogen. Ein Ultraschalltest zeigt, ob innerliche Beschädigungen vorhanden sind.

Und schliesslich wird mit einer Schleifmaschine die Lauffläche wieder geglättet. Die fertig bearbeitete Schiene kommt ins Lager, wo stets etwa 15 000 Tonnen Gleis für die Wiederverwendung bereitliegen.

Was rezykliert werden kann, wird rezykliert

Mit dem Recycling der Schienen lassen sich beträchtliche Kosteneinsparungen erzielen. Eine aufgearbeitete Schiene ist etwa vier Mal günstiger als eine neue. So werden in Hägendorf auch alte Weichen zerlegt und die Materialien wo möglich rezykliert.

Weichenmotoren werden in einer eigenen Werkstatt revidiert, und auch Bahntechnik-Relais erhalten nach einem umfassenden Facelifting ein zweites Leben. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass elektromagnetische Relais bezüglich Zuverlässigkeit und Langlebigkeit noch immer mithalten können», betont Neidhart. Auch hier lohnt sich also eine Revision.

Bereits beim Einkauf können Kosten gespart werden. Wenn ein Hersteller günstige Stücke zu 36 Metern anbietet, kann es sich lohnen, diese in Hägendorf zu 108-Meter-Normschienen zusammenzuschweissen.

Dies geschieht in einem Spezial-Schweissgerät unter 80 000 Ampère. Und ist ein Stück doch einmal zu lang, kommt die Schneidmaschine zum Einsatz, die mit einer Hartmetall-Säge eine Schiene in weniger als einer Minute durchschneidet.

Doch die Bahntechnik macht weitere Fortschritte. Demnächst wird die Norm-Schienenlänge auf 120 m erhöht. Immer noch härtere und massivere Schienen erfordern neue Apparaturen.

Ein Investitionsvolumen von 3,5 Mio. Fr. soll dabei im BTC realisiert werden, kündet Neidhart an. «Wir stehen in direkter Konkurrenz zu privaten Anbietern», meint der BTC-Chef. Weil aber immer mehr Züge fahren und damit die Abnützung zunimmt, geht dem BTC die Arbeit noch nicht so schnell aus.