300 Franken brutto – so hoch ist der Mindestlohn in Rumänien. Und genau diesen Lohn verdienen die Arbeiterinnen, die im Norden des EU-Staates die Militärstiefel für die Schweizer Armee herstellen, wie die «Rundschau» von Mittwochabend berichtet. Ein Salär von nicht mal zwei Franken pro Stunde.

Das reicht auch in Rumänien nicht, um eine Familie über die Runde zu bringen. Reporter der «Rundschau» sprachen mit mehreren Arbeiterinnen der Fabrik und kamen zum Schluss, dass ein Grossteil von ihnen Kredite aufnehmen muss, um überhaupt über die Runden zu kommen. 

80'000 Stiefel hat die Schweizer Armee laut «Rundschau» bei der italienischen Firma AKU bestellt, doch diese hat ihre Produktionsstätten in Rumänien. Jedes Jahr sollen jetzt weitere 25'000 Stiefelpaare hinzukommen.

Kritik an der Beschaffung

Das Schweizer Beschaffungsgesetz sieht momentan nur die Einhaltung von Mindeststandards vor. Zum Beispiel das Verbot von Kinderarbeit. Trotzdem: Die Beschaffung der Militärstiefel zum Tiefstpreis stösst auf Kritik.

Die Schweizer Regierung als Käufer bestimme die Vorgabe für den Kaufpreis und damit auch, was die Arbeiterinnen verdienen, sagt Corina Ajder von der NGO «Clean Clothes Campaign». Die Schweiz nutze die tiefen Mindestlöhne in Rumänien aus. 

In dieser Fabrikhalle in Rumänien werden Schweizer Militärstiefel produziert

In dieser Fabrikhalle in Rumänien werden Schweizer Militärstiefel produziert

Es könnte ein Beschaffungsgesetz eingeführt werden, dass die sozialen Standards gleich gewichten würde wie den Preis. In der EU ist ein solches Gesetz bereits in Kraft, in der Schweiz nicht. 

Die Direktorin der Fabrik lässt jegliche Kritik an sich abprallen. «Der Lohn entspreche dem rumänischen Mindestlohn», sagt sie gegenüber der «Rundschau», «nicht wir haben den Mindestlohn festgelegt, sondern das rumänische Parlament.»

Armasuisse, welche im Auftrag der Armee die Kampfstiefel einkauft, will sich zur Kritik nicht äussern. Man setze nur die bestehenden Gesetze um, heisst es. (cma)