Getränkeflaschen aus PET sind leicht und praktisch. Nachdem der Durst gelöscht ist, entsorgen wir sie in einem der blauen Sammelbehälter, die überall sind. Von den über 1,6 Milliarden Flaschen, die Schweizer jährlich leer trinken, gelangen über 90 Prozent in eine Sammelstelle. Der kreisförmige Pfeil des vertrauten PET-Recycling-Logos suggeriert einen lückenlosen Kreislauf. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: Wer glaubt, die leeren Behälter können nur eingeschmolzen und wieder zu neuen geformt werden, liegt falsch. Der Prozess ist aufwendig. Und nur ein Teil des gesammelten Kunststoffes wird wieder demselben Zweck zugeführt.

Neue Flaschen enthalten hierzulande im Durchschnitt gerade mal einen Drittel wiederverwertetes Material, wobei der Anteil je nach Hersteller stark variiert. Nestlé zum Beispiel füllt seinen Nestea sowie S.Pellegrino- und Vittel-Mineralwasser immer noch in Flaschen aus vollständig neuem PolyethylenTerephthalat ab – so die chemische Bezeichnung für PET. Es handelt sich um einen Kunststoff, der aus Erdöl hergestellt wird – einem fossilen Rohstoff also, der beim Verbrennen CO2 verursacht. Im Vergleich mit einer Flasche aus neuem PET verursacht eine aus 100 Prozent Rezyklat hergestellte nur einen Viertel der Umweltemissionen. Je höher, der Anteil, desto ökologischer.

Doch Nestlé verwendet einzig für das Mineralwasser Henniez Rezyklat (30 Prozent). Gleich viel steckt in Rivella-Flaschen. Bereits etwas weiter ist man bei Coca-Cola, wo der Anteil im Durchschnitt gut 40 Prozent beträgt. Die angefragten Unternehmen stellen in Aussicht, den Gebrauch von Recyclingmaterial in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen.

Dazu soll eine neue Anlage im glarnerischen Bilten beitragen, die am Mittwoch eingeweiht wurde. Es handelt sich um die modernste Europas. «Dank verbesserter Technologie werden wir auch minimale Trübungen und Verfärbungen im Rezyklat ausmerzen können», sagt Jean-Claude Würmli, Geschäftsführer des Vereins PET-Recycling Schweiz. Somit hofft man, den Ansprüchen der Getränkehersteller besser zu genügen. Wurden bisher nur durchsichtige und hellblaue gebrauchte Flaschen wieder in Lebensmittelqualität aufbereitet, soll das künftig auch bei braunem und grünem Material in optisch einwandfreier Qualität möglich werden.

Bilder aus der neuen Anlage:

Die neue Anlage der Firma Poly Recycling dient als Ersatz für das stillgelegte Werk in Weinfelden. Die Anlage wird nun in die bestehende Firma Resilux integriert, welche Vorformen für PET-Flaschen herstellt. Durch die Zusammenlegung am selben Standort würden auch Transportwege entfallen, erklärt Würmli. «Zudem hat die Firma ein wirtschaftliches Interesse, das günstige Rezyklat wieder für neue Flaschen einzusetzen.»

Hightech für die Aufbereitung

Damit aus gebrauchten PET-Getränkeflaschen wieder einwandfreie neue entstehen können, ist eine technologisch anspruchsvolle Aufbereitung nötig. Nach dem Abholen an der Sammelstelle wird das Material in eines von schweizweit vier Sortierzentren gebracht. Dort werden maschinell Fremdstoffe entfernt. Die Flaschen werden nach Farbe sortiert und zu grossen Ballen gepresst. Sensoren führen während eines Sekundenbruchteils bis zu 6000 Messungen durch, um starke Verunreinigungen zu erkennen. So wird ein Reinheitsgrad von 99,9 Prozent erreicht. Eine einzige Flasche, die zum Beispiel mit Putzmittel oder Chemikalien gefüllt wurde, kann eine ganze Charge abwerten. Was nicht mehr für die Flaschenherstellung infrage kommt, geht in die Produktion von Nahrungsmittelverpackungen wie etwa dunkel eingefärbte Mikrowellenschalen oder Non-Food-Verpackungen, Folien, Dämmstoffen und Textilien.

Zuerst aber muss das Material geschreddert werden. Die Etiketten werden gelöst und abgetrennt, ebenso die Deckel, die aus einem anderen Kunststoff gefertigt sind. Die PET-Flocken werden dann in einer Lauge gereinigt und im Ofen auf rund 200 Grad erhitzt. Danach werden sie wieder mit Wasser gespült und getrocknet. Zuletzt erfolgt eine Materialprüfung per Laser, die Teilchen aus Fremdmaterial ausscheidet. Aus dem reinen Granulat werden fingergrosse Vorformen gegossen, welche die Getränkeabfüller auf die gewünschte Flaschengrösse aufblasen können.

Am besten vom Wasserhahn

Trotz dieses aufwendigen Prozesses, der auch Energie benötigt, handelt es sich bei PET um eine der ökologischsten Verpackungen für Getränke. Sein Trumpf ist das geringe Gewicht. Transporte fallen deshalb weniger energieintensiv aus als bei den schweren Glasflaschen und es wird weniger Material benötigt. Die Umweltauswirkungen von PET seien etwa gleich hoch wie bei Mehrwegflaschen aus Glas, sagt Matthias Stucki, Leiter der Forschungsgruppe Ökobilanzierung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Bei einer Transportdistanz von rund 230 Kilometer kippt die Bilanz zugunsten von PET.

Dennoch: Pro Liter Schweizer Mineralwasser wird durchschnittlich die Energiemenge von 1,5 Deziliter Erdöl verbraucht; ausländische Wässerchen kommen sogar auf etwa doppelt so viel. Obwohl das Trinkwasser hierzulande eine hohe Qualität aufweist, kaufen viele Schweizer ihre Getränke lieber im Laden. Matthias Stucki beobachtet diesen Trend kritisch: «Das mit Abstand umweltfreundlichste Getränk ist Leitungswasser.»