Nach Car-Unfall
Wie gesund müssen Car-Chauffeure sein?

Bei einem tragischen Unfall im Wallis starben 28 Passagiere eines belgischen Reisecars. Wie es zum Unfall kam, ist noch ungeklärt. Es stellt sich aber die Frage: Wie werden Car-Chauffeure in der Schweiz ausgebildet? Welche Checks werden durchgeführt?

Lea Durrer
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Der belgische Chauffeur kam im Tunnel ins Schleudern. Weshalb ist noch unklar. (Symbolbild)

Der belgische Chauffeur kam im Tunnel ins Schleudern. Weshalb ist noch unklar. (Symbolbild)

Keystone

«Mit so einem tragischen Unglück muss man als Car-Chauffeur immer rechnen.» Heinz Weber, Geschäftsleiter des Schweizer Car-Unternehmens Twerenbold, ist tief betroffen, weiss aber auch, dass ein gewisses Risiko stets die Arbeit als Chauffeur begleitet.

Die Todesautobahn in Sierre (Bilder: Google Maps)
6 Bilder
Kurz vor der Einfahrt in den Tunnel
In dieser Umgebung im Tunnel muss der Car auf den Randstein gefahren sein
Die Todeswand auf der rechten Seite

Die Todesautobahn in Sierre (Bilder: Google Maps)

Glücklicherweise sei es in den 22 Jahren, in denen Weber bei Twerenbold arbeitet, nur einmal zu einem tödlichen Unfall gekommen. 1993 war ein dänisches Auto frontal in einen Reisecar geprallt. Der Fahrer des PWs starb, die Businsassen kamen abgesehen von kleineren Verletzungen mit dem Schrecken davon. «Zum Glück sind solche Unfälle selten», sagt der Geschäftsleiter, der gerne auch selbst hinter dem Steuer sitzt. Meistens komme es nur zu kleineren Blechschäden. Aus welchem Grund der belgische Reisecar verunfallte, darüber will Weber nicht spekulieren.

Regelmässige Untersuchung

Grundsätzlich würden sich die Schweizer Car-Unternehmen nach den gesetzlichen Vorschriften richten, meint Weber. Seit Herbst 1998 müssen in allen neu zugelassenen Reisecars Sicherheitsgurte installiert sein. Während der Fahrt werden zudem oft Videos gezeigt, wie sich Passagiere verhalten sollen. Alle relevanten Fakten werden elektronisch aufgezeichnet. So können selbst die Ruhezeiten kontrolliert werden.

Heinz Weber, Geschäftsleiter der Twerenbold AG Heinz Weber ist Heinz Weber ist Geschäftsleiter von Twerenbold Reisen in Baden-Rütihof.

Heinz Weber, Geschäftsleiter der Twerenbold AG Heinz Weber ist Heinz Weber ist Geschäftsleiter von Twerenbold Reisen in Baden-Rütihof.

Aargauer Zeitung

Ebenfalls regelmässig überprüft wird der gesundheitliche Zustand der Chauffeure von ihrem Vertrauensarzt. Laut Gesetz stehen die Untersuchungen bei unter 50-Jährigen alle fünf Jahre an. Danach müssen die Chauffeure alle drei Jahre den Arzt aufsuchen. Dort werden Sehkraft, Blutdruck und Herzkreislauf untersucht.

Ausweisentzug bei Nicht-Bestehen

Gibt der Arzt sein OK, kann der Chauffeur weiter fahren. Bei auffälligen Kandidaten würde das Unternehmen aber schon einmal den eigenen Arzt hinzuziehen, meint Weber. Dies insbesondere bei älteren Fahrern. «Wenn sie den Check nicht bestehen, wird ihnen der Ausweis entzogen.»

Vorsorglich den Ausweis abgeben muss ein Chauffeur, der kürzlich einen Herzinfarkt erlitt. Er erhält ihn zurück, wenn «die Schädigung des Herzens nicht schwer ist», erläutert Heinz Weber.

Eine Weiterbildung pro Jahr

Car-Chauffeur werden ist auf verschiedenen Wegen möglich. Wer eine Autoprüfung hat und mindestens 21 Jahre alt ist, muss 52 praktische und 42 theoretische Lektionen absolvieren. Wenn Lastwagenführer einen Car fahren wollen, müssen sie mindestens ein Jahr Praxis aufweisen.

Sonst sind sie verpflichtet, 24 Fahrstunden zu absolvieren und für zusätzlich acht Lektionen die Schulbank zu drücken. Dann erlangen sie den Führerausweis der Kategorie D (schwere Motorwagen zur Personenbeförderung mit mehr als acht Sitzplätzen).

Ein Tag Weiterbildung pro Jahr

Doch mit dem Ausweis alleine ist es nicht getan. «Unsere Chauffeure gehen von Gesetztes wegen pro Jahr einen Tag in die Schule», erklärt Christian Merz von Merz Reisen + Transporte AG aus dem aargauischen Beinwil. Laut dem Vorstandsmitglied der Fachgruppe Car und Vertreter der Sektion Aargau beim Schweizerischen Nutzfahrzeugverband ASTAG wird ihr Ausweis nur dann nach jeweils fünf Jahren erneuert.

Die ASTAG selbst bietet solche Kurse an. Die einzelnen Unternehmen können aber auch interne Weiterbildungen durchführen. So werden die Mitarbeiter in den Bereichen lebensrettende Sofortmassnahmen, Kommunikation, Ernährung, Schleudertraining und auch Feuerbekämpfung unterrichtet.

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