Reorganisation des Zolls
Hier plant die Zollverwaltung: Was es mit den grünen Kisten am Genfer Flughafen auf sich hat

Zollmitarbeitende erhalten viel neue Ausrüstung - aber es fehlt an Schränken, um sie am Arbeitsplatz zu verstauen.

Henry Habegger
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Grüne Kisten statt Garderobenschränke am Flughafen Genf.

Grüne Kisten statt Garderobenschränke am Flughafen Genf.

Bei den nötigen Gesetzgrundlagen hapert es zwar, aber der Umbau der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) unter Direktor Christian Bock schreitet trotzdem munter voran. Aus zwei Berufen - Zollfachleuten sowie Grenzwächterinnen und Grenzwächtern – wird einer: Fachspezialistinnen und Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit. Grundidee: Jeder und jede soll künftig universal einsetzbar sein, in der Waren- wie auch in der Personenkontrolle, ausgebildet am Zolltarif ebenso wie an der Dienstwaffe.

So fassen notabene die heutigen Zollfachleute, bisher in Zivilkleidung, neue Ausrüstung. Neue Uniformen sind angekündigt, Pistolen stehen in Aussicht, neue Laptops gibt es für alle. Dieser Tage erhalten viele Angestellte grosse Pakete nach Hause geschickt. Inhalt: Die Schutzweste, die sie künftig bei Einsätzen tragen sollen.

Eigentlich ist es ja selbstverständlich: Wer persönliche Ausrüstung erhält, die er im Dienst ständig verfügbar haben muss, braucht auch einen Schrank, um sie sicher aufbewahren zu können.

Doch da hapert es. Die Garderobenschränke gingen offenbar bei der Planung vergessen. Jedenfalls sind sie vielerorts Mangelware.

Zollangestellte ärgern sich. Einer sagt: «Wir haben soeben die Schutzwesten erhalten, aber es gibt zu wenig Platz, um sie zu verstauen.» Die Infrastruktur ist ausgelegt auf Bürolisten, nicht auf uniformiertes Personal mit Schutzweste und Waffe.

Es wird auch berichtet, dass es an geschlechtergetrennten Garderoben mangelt. Manche Angestellten sind der Ansicht, damit verstosse der Zoll gegen die Verordnung zum Arbeitsgesetz, die geschlechtergetrennte Garderoben stipuliert.

Wo bleiben die Garderobenschränke? Zolldirektor Christian Bock und sein Chef, Finanzminister Ueli Maurer.

Wo bleiben die Garderobenschränke? Zolldirektor Christian Bock und sein Chef, Finanzminister Ueli Maurer.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Was die fehlenden Spinde betrifft, behalf man sich am Genfer Flughafen laut Informationen von CH Media mit eigenwilligen Provisorien: Mit dunkelgrünen Plastikkisten, in denen das Material verstaut wird. Vorne aufgeklebt ist ein A4-Blatt mit dem Namen des Inhabers oder der Inhaberin. Jeweils fünf Kisten sind so aufeinandergestapelt. Wer an die unterste will, muss zuerst die vier Oberlieger umschichten. Die Kisten sind weder abschliessbar noch belüftet. «Unverschämt», meint ein Zollmitarbeiter.

Neue Garderobenschränke angeblich erst 2023

Erst 2023, heisst es unter Mitarbeitenden, stehen neue Garderobenschränke zur Verfügung.

Wurde das Thema in der Planung des bereits weit über 400 Millionen teuren Transformationsprojekts DaziT vergessen oder unterschätzt? Die Zollverwaltung weicht auf Anfrage aus. Sie teilt einzig mit: «Die Beschaffung der Garderobenschränke ist gemäss Planung im Gange. Es werden zwei Modelle beschafft, welche genügend Platz für die Ausrüstung bieten und den lokalen Verhältnissen angepasst sind.»

Auf den Hinweis, dass die neuen Schränke zwar versprochen sein sollen, aber offenbar erst in etwa zwei Jahren geliefert würden, geht die Zollverwaltung nicht ein.

Jetzt kursiert unter Mitarbeitenden die Losung, die Annahme von neuem Material zu verweigern, bis die Unterbringung geregelt ist.

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