445 neue Fälle wurden letztes Jahr gemeldet, 16 Prozent weniger als 2016. "Wir sind zuversichtlich, dass das eine Trendwende ist", sagte Daniel Koch vom BAG am Montag vor den Bundeshausmedien. Ende der 1980er-Jahre waren es noch rund 2000 neue Infektionen pro Jahr gewesen. Zehn Jahre später war die Zahl schon einmal fast auf 500 gesunken, um dann wieder zu ansteigen.

Unverändert sind vor allem Männer betroffen, Frauen machen nur 22 Prozent der neuen HIV-Fälle aus. Zwei Drittel der Frauen sind ausländischer Nationalität. Bei den Männern beträgt der Ausländeranteil weniger als 50 Prozent.

Ebenfalls unverändert haben Männer ein hohes HIV-Risiko, die Sex mit Männern haben. Über die Hälfte der neu infizierten Männer haben sich auf diesem Weg angesteckt. Überdurchschnittlich viele neue HIV-Fälle traten auch letztes Jahr in Zürich und der Genferseeregion auf: Fast jede zweite Neuinfektion wurde in diesen Grossregionen festgestellt.

Wirksame Therapien

Koch führt die Entwicklung auf die Präventionsmassnahmen und die Kampagnen der letzten Jahre zurück. Zur Prävention gehören regelmässige Tests. In den Zentren für freiwillige Beratung und Testung stieg die Zahl der HIV-Tests letztes Jahr um 11 Prozent, wie das BAG in einer Mitteilung vom Montag schreibt. Bei den Männern, die Sex mit Männern haben, nahm die Zahl der Test um 20 Prozent zu.

Dank regelmässiger Tests lassen sich Neuinfektionen vermeiden, bei denen die infizierte Person nicht weiss, dass sie HIV-positiv ist. Zudem kann rasch mit der Behandlung begonnen werden, was zu besseren Resultaten führt. Laut BAG kann die Viruslast mit einer konsequenten Behandlung heute so weit gesenkt werden, dass eine mit HIV infizierte Person nicht mehr ansteckend ist.

Gummi gehört immer noch dazu

Daher trage jede behandelte Person zur Prävention bei, sagte Matthias Cavassini, Chefarzt am Universitätsspital CHUV in Lausanne. Relativ neu im Umlauf sind orale Chemoprophylaxen (PrEP) für Personen mit hohem Expositionsrisiko. Diese Präparate würden in der Zukunft eine grössere Rolle spielen, erklärte Cavassini.

Koch warnt jedoch davor, sich angesichts dieser positiven Entwicklungen nachlässig zu verhalten: HIV bleibe eine unheilbare Krankheit. "Es gilt immer noch: Bei zweifelhaften Sexkontakten gehört ein Präservativ dazu."

Wie ernst die Krankheit auch heute noch ist, zeigen die 2017 neu aufgetretenen schätzungsweise 60 bis 80 Aids-Fälle. Viele der Betroffenen sind über 50 Jahre alt, wie Koch sagte. "Sie betrachten sich nicht als Risikogruppe und lassen sich nicht testen."

Nicht nur HIV

Gute Nachrichten gibt es auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Nach einem starken Anstieg in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Infektionen nahezu stabilisiert. 2017 wurden 754 Syphilis-Fälle erfasst, 11'101 Chlamydiose-Fälle und 2809 Gonorrhoe-Fälle. Ob es sich auch hier um eine Trendwende handelt, ist offen.

Bei Syphilis betrafen 60 Prozent der Infektionen Männer, die Sex mit Männern hatten. Bei der Gonorrhoe lag der Anteil bei knapp 40 Prozent. Chlamydien werden vor allem bei Frauen festgestellt, was mit den routinemässigen Untersuchungen zu tun hat. Diese Geschlechtskrankheit gebe bei der Bekämpfung noch viele Rätsel auf, sagte Koch.