Wegwerfsack-Verbot
Welche Wegwerf-Plastiksäcke wirklich verboten werden

Das Verbot von Wegwerf-Plastiksäcken stiftet Verwirrung bei den Detailhändlern. Das Problem ist nicht die angeblich unpräzis formulierte CVP-Motion, sondern das Fehlen von Alternativen. Jetzt sind die Detailhändler gefordert - und die Konsumenten.

Michael Hugentobler
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Diese Wegwerfsäcke sind in Zukunft nicht mehr erlaubt.

Diese Wegwerfsäcke sind in Zukunft nicht mehr erlaubt.

Emanuel Freudiger

Coop-Mediensprecher Urs Meier wusste es schon am Donnerstag: Es sei unklar, welche Arten von Plastiksäcken verboten würden. «Sind nur die grösseren Säcke an der Kasse betroffen oder auch diejenigen für Früchte und Gemüse?», sagte er der Nachrichtenagentur sda.

Auch die Interessensgemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS) gibt sich verwirrt. In einer Medienmitteilung schreiben sie, sie wüssten nicht, ob es sich bei den Plastiksäcken um Wegwerfsäcke oder Einkaufstaschen handle.

Klare Ausgangslage

Tatsächlich hat der Motionär Dominique de Buman (CVP) die betroffenen Plastiksäcke in seiner Motion aber klar definiert. «Der Bundesrat wird beauftragt, die Abgabe von Wegwerf-Plastiksäcken zu verbieten.» Verboten werden sollen laut dem Motionär die weissen Raschelsäcke, die hinter den Kassen gratis abgegeben werden. Der durchsichtige Säcke an Früchte- und Gemüseständen sind davon nicht betroffen. Genauso so steht es in der Eingabe von de Buman.

Er gibt auch Lösungsvorschläge: Es gehe nicht darum, die Säcke durch biologisch abbaubare Produkte oder durch Papiersäcke zu ersetzen, sondern vor allem durch wiederverwendbare Säcke, die teilweise auch aus rezykliertem PET hergestellt würden.

Der ökologische Vorteil eines Verbots von Wegwerfplastiksäcken ist zwar gering, aber nicht inexistent, wie IG DHS auf seiner Webseite schreibt. Dazu die offizielle Stellungnahme des Bundesrates: «Die rund 3000 Tonnen an Plastiksäcken entsprechen knapp einem halben Prozent des jährlichen Verbrauchs von rund 850‘000 Tonnen Kunststoffen in der Schweiz.»

Plastik auch beim Reformhaus

Eine Anfrage der «Nordwestschweiz» bei der Reformhauskette Egli ergab, dass auch sie Wegwerfsäcke aus Plastik abgeben. Allerdings nur auf Verlangen. Dies, da Papiersäcke eine schlechtere Ökobilanz haben als Plastik. «Es gibt bei der Frage nach der Art des Wegwerfsacks keine gute Lösung», bringt Mediensprecherin Marianne Zehnder den Kern des Problems auf den Punkt. Auch Netze, wie sie für Mandarinen gebraucht werden, seien unbefriedigend, da auch sie aus Polyester bestünden. «Die einzige Lösung ist das Umdenken der Konsumenten, dass sie widerstandsfähige Säcke wiederverwerten.»

Derselben Meinung ist WWF Schweiz. «Aus unserer Sicht muss der Konsument aber für den Sack bezahlen, dass er ihn auch wirklich mehrmals verwendet», sagt Corina Gyssler, Kommunikationsbeauftragte von WWF.

Im Ausland sind Verbote von Wegwerfsäcken gang und gäbe. In Ruanda werden Plastiksäcke am Zoll konfisziert und sind im Land nicht erhältlich. Der ruandische Detailhandel greift auf Papiertüten zurück, allerdings gibt es nur eine Tüte pro Gemüse- und Früchte-Einkauf. Auch die USA, Frankreich und Australien kennen Plastiksack-Verbote. An einem G8-Gipfel 2008 riefen Japan, China und Südkorea die Welt dazu auf, die Abfallmenge zu verringern und weniger Plastiksäcke herzustellen.