Triemli
Wegen Schneechaos: Spitalpersonal geht eine Stunde zu Fuss zur Arbeit

Weil der öffentliche Verkehr in Zürich eingestellt wurde, musste Personal aus dem Triemli zum Teil über eine Stunde zu Fuss gehen.

Pascal Ritter
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Operationspflegerin Yvonne Stadler vor dem Triemlispital.

Operationspflegerin Yvonne Stadler vor dem Triemlispital.

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Es sind ungewohnte Szenen. Fast einen halben Meter hoch türmt sich der Schnee am Strassenrand beim Zürcher Triemli-Spital. Auf der steilen Rampe, die zum Krankenhaus hoch führt, kommt der Verkehr ins Stocken. Ein Mercedes mit Aargauer Nummernschild bleibt stecken. Der Fahrer steigt aus und wischt verzweifelt Schnee unter dem Auto weg.

Trams und Busse fahren ohnehin keine mehr. Darum musste ein Teil des Personals durch den Schnee marschieren, um zur Arbeit zu kommen.

Operationspflegerin Yvonne Stadler vor dem Triemli-Spital nach einem 70-Minütigen Fussmarsch.

Operationspflegerin Yvonne Stadler vor dem Triemli-Spital nach einem 70-Minütigen Fussmarsch.

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Da ist zum Beispiel Yvonne Stadler, 58. Sie arbeitet seit zehn Jahren im Stadtspital Triemli. Als sie mit durchnässten Winterschuhen endlich beim Spital ankommt, hat sie einen 70-minütigen Fussmarsch hinter sich. Verlängert wurde ihre Marschstrecke noch, weil sie zuerst zur Busstation ging. Ein Bus kam aber nicht, weil die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ den Betrieb wegen des vielen Schnees eingestellt hatten. Stadler ist Operationspflegefachfrau. Sie sagt:

Der Schnee und die nassen Füsse sind das eine. Die Nerven der Autofahrer das andere.

Als sie zu wenig schnell über den Fussgängerstreifen gestapft, habe ihr eine Autofahrerin «dumme Kuh», hinterher gerufen. Im Frühling wurde noch geklatscht fürs Gesundheitspersonal.

Spitalreiniger Rezne Kalaeub, 33,

Spitalreiniger Rezne Kalaeub, 33,

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Rezne Kalaeub, 33, arbeitet als Reiniger im Spital. Er wohnt nur 10 Minuten entfernt. Normalerweise. An diesem Morgen dauert sein Arbeitsweg eine halbe Stunde zu Fuss durch den Schnee. Er nimmt es gelassen. Fürs Jammern hat er keine Zeit, seine Schicht beginnt bald.

Jakob, 33, ist zu Fuss eine Stunde durch die Stadt gewandert.

Jakob, 33, ist zu Fuss eine Stunde durch die Stadt gewandert.

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Jakob arbeitet im psychiatrischen Bereich auf Abruf. Er wird jeweils eine halbe Stunde vorher informiert, wenn man ihn braucht. Heute ist er vom Zürichberg durch die ganze Stadt gewandert. Es dauerte rund eine Stunde. «Es war noch schön, die Stadt einmal so eingeschneit zu sehen», sagt er und verschwindet im Spital.

Die Zürcher Verkehrsbetriebe sind dabei den Verkehr wieder aufzunehmen. Wie sie mitteilten, habe der Zugang zu den Spitälern oberste Priorität.