Schweiz

Wegen der Coronakrise steigen mehr Menschen in die Sozialhilfe ab

Laut der Konferenz für Sozialhilfe waren vor allem Selbständigerwerbende, wie etwa Taxifahrer, auf Sozialhilfe in der Coronakrise angewiesen. (Symbolbild)

Laut der Konferenz für Sozialhilfe waren vor allem Selbständigerwerbende, wie etwa Taxifahrer, auf Sozialhilfe in der Coronakrise angewiesen. (Symbolbild)

Die Zahl der Sozialhilfebezüger ist in der Coronakrise angestiegen. Das zeigt das Monitoring der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe. Am meisten betroffen seien die Romandie, die Zentralschweiz und das Tessin.

(dpo) In der Coronakrise sind in den drei Monaten seit dem Ausbruch der Pandemie mehr Menschen in die Sozialhilfe abgestiegen. «Ende Mai 2020 gab es in der Schweiz rund 8300 Sozialhilfebeziehende mehr als Ende Februar 2020», sagt Markus Kaufmann, Geschäftsführer der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) in der «NZZ am Sonntag». Das entspreche einem Anstieg von umgerechnet drei Prozent, wie Zahlen des monatlichen Monitoring der Skos zeigten.

Dabei bestehen grosse regionale Unterschiede. So sei in der Romandie, der Zentralschweiz und im Tessin die Zahl der Sozialhilfebeziehenden deutlich steiler angestiegen als in der Ost- und in der Nordwestschweiz. Der Grund dafür sei noch nicht klar. Es sei noch zu früh, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, so Markus Kaufmann von der Skos.

Düstere Aussichten für die Zukunft

Laut Christoph Eymann, Präsident der Konferenz für Sozialhilfe, waren vor allem Selbständigerwerbende und Angestellte auf Kurzarbeit mit tiefen Einkommen und tiefen Vermögen auf Sozialhilfe angewiesen. Diese hätten sich vor der Corona-Krise «gerade noch über Wasser halten können», so Eymann, aber nun reiche bei ihnen das Geld für den Lebensunterhalt nicht mehr aus.

Die aktuelle Situation wird sich nicht so schnell ändern. Die Konferenz für Sozialhilfe hat für die nächsten zwei Jahre drei verschiedene Szenarien errechnet. Im mittleren Szenario geht sie bis 2022 von einer Zunahme um rund 75'000 Sozialhilfebezüger und Sozialhilfebezügerinnen aus. Der Präsident der Skos hält fest: «Bald sind ganz andere Leute auf Sozialhilfe angewiesen. Leute, die sich das bis jetzt kaum vorstellen konnten.»

Meistgesehen

Artboard 1