F/A-18-Absturz

Was sucht ein Coop-Lastwagen bei der Absturzstelle?

Der weisse Lastwagen von Coop (Kreis) steht mitten im Sperrgebiet bei der Absturzstelle nahe Alpnachstad.

Der weisse Lastwagen von Coop (Kreis) steht mitten im Sperrgebiet bei der Absturzstelle nahe Alpnachstad.

Die Absturzstelle des F/A-18-Kampfjets am Lopper bei Alpnachstad ist rigoros abgeriegelt. Die Zufahrt wird unmittelbar nach dem Unfall am Mittwoch für jeglichen Verkehr gesperrt. Doch mitten in der Sperrzone steht ein weisser Coop-Lastwagen. Wieso?

Die Bahnlinie über den Brünig ist gesperrt, die Kantonsstrasse zwischen Alpnachstad und Stansstad nicht passierbar. Im Gelände rund um die Absturzstelle des F/A-18 stehen einzig Material und Personal der Militärpolizei, der Militärjustiz und des Forensischen Instituts Zürich im Einsatz. Und mitten drin ein weisser Lastwagen mit der Aufschrift des Schweizer Grossverteilers und einem aufgedruckten Bund Rüebli. Was hat dieses Gefährt dort zu suchen?

Die Suche nach Antworten erweist sich als schwierig. Am naheliegendsten erscheint ein Telefonat mit dem Mediendienst von Coop. Doch Pressesprecher Ramon Gander weiss von nichts. Er verspricht, die Sache abzuklären, muss aber kurz vor Feierabend klein beigeben. Die zuständigen Personen aus der Logistik seien an Sitzungen. Er verweist an die Kantonspolizei Obwalden in Sarnen.

Dort ist man zuvorkommend, weiss aber auch nichts. Dafür gibt der freundliche Polizist am Telefon bereitwillig die Handynummer der «KP Front», die vor Ort im Einsatz steht. Am Unfallort hat man im Moment Wichtigeres zu tun, als Medienanfragen nach der Herkunft eines Rüebli-Transporters zu beantworten.

Laufende Ermittlungen

Die telefonische Odyssee geht weiter. Man solle beim Kommando der Militärpolizei in Alpnach den Mediensprecher verlangen. Auch beim Kommando ist man verständlicherweise kurz angebunden, leitet die Anfrage an die Medienstelle der Schweizer Luftwaffe weiter. In Bern wird man telefonisch von der Combox empfangen, der Wunsch nach Rückruf bleibt unerfüllt.

Doch die Hartnäckigkeit beim Recherchieren trägt Früchte. Beim x-ten Anlauf meldet sich eine reale Stimme am anderen Ende der Leitung. Für diese Anfrage seien nicht sie, sondern die Medienstelle der Militärjustiz zuständig. Beim siebten Telefongespräch mit der gleichen Frage ist endlich der «richtige» Gesprächspartner am Hörer. Wobei Gespräch der falsche Ausdruck ist. Die Frage wird ebenso notiert wie die Nummer des Anrufers. Abklärung und Rückruf werden versprochen. Man ist kurz angebunden.

Und tatsächlich, eine knappe Stunde später ertönt das Telefon. Die Antwort der Militärjustiz ist knapp und eindeutig: «Wegen der noch laufenden Ermittlungen können wir dazu keine Angaben machen.»

Beliebter Rastplatz

Zum Glück gibt es noch die Einheimischen: Der Rastplatz direkt am Alpnachersee sei am Wochenende ein beliebter Treffpunkt der Windsurfer. Er wird in der Region «Surfecke» genannt. Unter der Woche würden dort häufig Lastwagenfahrer ihre obligaten Ruhepausen einlegen. Offensichtlich auch der Lenker des weissen Lastwagens.

Der Rest bleibt Spekulation: War der Fahrer in der Zeit des Absturzes im Lastwagen? Hat er den tragischen Unfall verschlafen und ist durch den Knall des Aufpralls aufgewacht? Oder war er gar Augenzeuge, als die F/A-18 am Mittwochnachmittag kurz vor 14 Uhr an der Felswand keine hundert Meter von ihm entfernt zerschellte?

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