Abstimmungen und Wahlen

Warum die Mehrheit schweigt: Diese sechs Typen gehen nie wählen

Über die Hälfte der Stimmberechtigten geht nicht wählen - aus Desinteresse oder Inkompetenz. (Symbolbild)

Über die Hälfte der Stimmberechtigten geht nicht wählen - aus Desinteresse oder Inkompetenz. (Symbolbild)

Nicht mal die Hälfte der stimmberechtigten Schweizer geht an die Urne. Politologen sind dem Phänomen nachgegangen und haben herausgefunden, dass ein Viertel der Nichtwähler die Politik kalt lässt und jeder fünfte schlicht zu wenig weiss, um zu wählen

Politologen der Universität Bern haben die Gründe für die hohe Wahlabstinenz der Schweizer Stimmberechtigten erforscht. "Wir haben sechs verschiedene Typen von Nichtwählern identifiziert", sagt der Politologe Markus Freitag der "NZZ am Sonntag".

Der grösste Anteil der Nichtwähler (25 Prozent) zeigt sich vollständig desinteressiert an Politik, ist aber gleichzeitig überzeugt, dass die politischen Institutionen funktionieren, und hat hohes Vertrauen in die Politiker.

Die zweitgrösste Gruppe wird von den Berner Wissenschaftern die "Inkompetenten" genannt (20 Prozent). Ihr Wissen reicht nicht aus, um überhaupt einen Wahlentscheid zu fällen, weswegen sie der Urne fern bleiben. Weitere Merkmale dieser Gruppe sind ein tiefes Einkommen und ein niedriger Bildungsstand. Nichtwähler verfügen generell über weniger sozioökonomische Ressourcen.

Die weiteren Typen sind: Die "sozial Isolierten" (18 Prozent), denen ein soziales Netzwerk fehlt, das politisches Interesse fördert. Zusammen mit den "Politikverdrossenen" (16 Prozent), die frustriert sind über das politische System, verfügen sie über die geringste Motivation, überhaupt an die Urne zu gehen. 9 Prozent der Nichtwähler beteiligen sich in anderer Form.

Die Gruppe der "nur Abstimmenden" (12 Prozent) schliesslich, findet Volksabstimmungen wichtiger als Wahlen und beteiligt sich nur an diesen. "In letzterer Gruppe befinden sich viele potenzielle SVP-Wähler", sagt Albert Rösti, Wahlkampfleiter der SVP. Man müsse diesen Nichtwählern klar machen, dass sie die wortgetreue Umsetzung von Abstimmungen nur erreichen können, wenn sie auch SVP-Vertreter ins Parlament wählten.

Während die Wahlkampfleiter von SP und FDP der Studie keinen Mehrwert abgewinnen können, sieht Gerhard Pfister von der CVP das Klientel seiner Partei im Typ der Desinteressierten und der Abstimmenden.  "Wenn es gelingt, auch nur ein Prozent von ihnen zu mobilisieren, gehört man zu den Wahlsiegern", sagt Pfister.

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