Burka-Verbot

Walter Wobmann im siebten Himmel – doch nun fürchtet er einen «faulen Kompromiss»

In die Parteielite ist Walter Wobmann nie vorgestossen, Erfolge erntet er dennoch.P. Klaunzer/Key

In die Parteielite ist Walter Wobmann nie vorgestossen, Erfolge erntet er dennoch.P. Klaunzer/Key

Noch im Februar wollte nicht mal seine SVP etwas von einem Burkaverbot wissen. Das hauchdünne Ja des Nationalrats ist für Walter Wobmann, einen Aussenseiter in der Partei, eine Genugtuung.

Céline Amaudruz entfährt ein lauter Jubeljauchzer, er lächelt bloss zufrieden. Dann, als ihm Thomas Matter quer durch den Nationalratssaal eine Gratulation zuruft, hebt er immerhin den Daumen. 88:87 lautet das Verdikt, das bei Walter Wobmann weniger Emotionen weckt als bei seinen SVP-Kollegen, obwohl doch er die Hauptperson dieses Tages ist. Kein Wunder: Im Unterschied zu ihnen war der Solothurner von Anfang an überzeugt, dass er Erfolg haben würde. Wenn nicht im Parlament, so spätestens beim Volk.

Wobmann wusste, dass er sich auf seinen Riecher würde verlassen können. Jenen Riecher, der ihn vor neun Jahren Unterschriften sammeln liess für die Anti-Minarett-Initiative, die selbst seine SVP anfänglich für chancenlos hielt, der 2009 aber 57,5 Prozent der Stimmbürger zustimmten. Jenen Riecher auch, der ihn erfolgreich und fast im Alleingang das Referendum ergreifen liess gegen die 100-Franken-Autobahnvignette.

Burka-Verbot: Nationalrat stimmt zu

Burka-Verbot: Nationalrat stimmt zu

Mit nur einer Stimme Unterschied sagt der Nationalrat Ja zu dem Burka-Verbot. Walter Wobmann sammelt trotzdem weiter Unterschriften.

Von Amstutz desavouiert

Ein Wobmann lässt sich nicht beirren und schon gar nicht von seinem Weg abbringen. Egal, ob man ihm vorwirft, er stilisiere seine Kämpfe gegen die Symbole des Islams zum Kulturkampf hoch und greife am liebsten jene an, die sich schlecht wehren könnten. Egal, ob er Todesdrohungen erhält wie kurz nach der Lancierung der Minarettinitiative oder ein Paket mit einer Gewehrkugel wie vor der Vignettenabstimmung. Egal auch, ob Parteikollegen öffentlich auf Distanz zu ihm gehen. Da kann ihn Fraktionschef Adrian Amstutz im Februar am Tag nach der verlorenen Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative in den Senkel stellen und sagen, ein Verhüllungsverbot interessiere ihn nicht die Bohne. Die SVP könne unmöglich «jedem unserer Parlamentarier helfen, wenn er im Alleingang eine Initiative ergreift».

Wobmann macht einfach weiter, als ob nichts wäre. Und sammelt mit seinem Egerkinger Komitee die nötigen 100 000 Unterschriften. Bis zum 15. September 2017 haben sie Zeit, bereits haben sie über die Hälfte. Den parlamentarischen Erfolg vom Dienstag sieht er dabei nur als Etappe. Denn: Wobmann fürchtet, die Mitteparteien könnten im Ständerat letztlich einen «faulen Kompromiss» aushecken, der die Initiative nicht voll berücksichtige, die Frage der Verschleierung aber auf Gesetzesstufe zu lösen vorgaukle. Er sagt: «Einem schwammig formulierten Gesetz werden wir nie und nimmer zustimmen.» Und: «Dem Volk vertraue ich mehr als dem Parlament.»

Unterschriftensammlung für Verhüllungsverbot gestartet

Unterschriftensammlung für Verhüllungsverbot gestartet (18. März 2016)

Mit einer Aktion auf dem Bundeshausplatz lancierte das Egerkinger Komitee rund um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann die Unterschriftensammlung für ihre Initiative für ein nationales Verhüllungsverbot.

In die Parteielite ist Wobmann seit seiner Wahl ins Parlament vor 13 Jahren nie vorgestossen, er ist in der SVP ein Stück weit Aussenseiter geblieben. Weder verfügt er über die Autorität eines Amstutz noch über die Bauernschläue eines Toni Brunner, weder über das Charisma eines Roger Köppel noch über das Portemonnaie einer Magdalena Martullo.

Eher steht ihm die Aufgabe zu, die er erst mit Oskar Freysinger teilte und die ihm seit dessen Wechsel in die Walliser Kantonsregierung nun mit den Nationalräten Andreas Glarner (AG) und Jean-Luc Addor (VS) obliegt: Wobmann deckt die rechte Flanke ab. Er tut das auf simple Art und Weise. Etwa, indem er auf dem Bundesplatz neben Komiteekollegen posiert, die Burkas tragen mit Sprengstoffgürtel-Attrappen. Oder mit Überzeugung behauptet: «Unternehmen wir nichts, werden bald Hunderte Frauen vollverschleiert durch die Schweizer Strassen laufen.»

Ansonsten ein Parteisoldat

Abseits seines Kampfes gegen die «Islamisierung des Abendlandes» ist der 58-Jährige strammer Parteisoldat. Er motzt über Bürokratie und Steuererhöhungen und wettert gegen «Asylmissbrauch» und die Flüchtlingskrise, die nichts anderes sei als eine «organisierte Völkerwanderung». Als Verkaufsleiter in einer Werkzeugfirma sei er täglich mit den Sorgen des einfachen Volkes konfrontiert, sagt Wobmann gern, wenn man fragt, woher seine Überzeugungen rühren. Und im Unterschied zu vielen seiner Kollegen in anderen Parteien und selbst in der SVP scheue er sich halt nicht, auch einmal ein heisses Eisen anzupacken.

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