Um sich zu Hause sicherer zu fühlen, kauften sich in diesem Jahr viele Schweizer eine Waffe. Die Gesuche für Waffenerwerbsscheine haben in zwölf befragten Kantonen zugenommen im Vergleich zum Vorjahr. Das berichtet das SRF-Nachrichtenmagazin «10vor10» in seiner Ausgabe vom Mittwoch.

Durchschnittlich wurden 20 Prozent mehr Gesuche gestellt, im Kanton Waadt sogar 70 Prozent. Waren es im Vorjahr noch 2427 Gesuche, sind es dieses Jahr über 4200. Pierre-Olivier Gaudard, Chef der Kriminalprävention der Kantonspolizei Waadt, erklärt diesen Anstieg gegenüber «10vor10» mit einem generellen Klima der Beunruhigung und einer gewachsenen Angst vor Einbrechern.

Frauen bewaffnen sich

Auch die Waffenhändler spüren die erhöhte Nachfrage. «Der eine baut sich neue Fenster und Türen ein oder installiert ein Alarmsystem, andere spinnen die Idee ein bisschen weiter und legen sich eine Faustfeuerwaffe zu» sagt Urs Glauser, Waffenhändler und Vorstandsmitglied des Schweizer Büchsenmacherverbandes. «Die Leute möchten die Unsicherheit beheben und sich verteidigen können.» Auch alleinstehende Frauen würden sich zunehmen Feurwaffen zulegen.

Eine Waffe im Haus für mehr Sicherheit – Martin Boess, Direktor der Schweizerischen Kriminalprävention, hält das für eine sehr schlechte Idee. Gegenüber «10vor10» sagt er: «Wenn mehr Waffen im Umlauf sind, steigt die Gefahr für die Bevölkerung. Das zeigen unter anderem Erfahrungen aus den USA. Wo es mehr Waffen hat, passieren auch mehr Unfälle mit Waffen.»

Schweiz beim Waffenbesitz weltweit vorne dabei

In der Schweiz wurde das Waffenrecht in den vergangenen Jahren verschärft. In vielen Punkten ist das Schweizer Recht dem europäischen Recht angepasst worden.

Mit den strengeren Beschlüssen setzte der Bundesrat auch das im Nachgang zur Abstimmung über die Waffen-Initiative gemachte Versprechen um, den Schutz vor Waffenmissbrauch trotz des Neins zur Initiative weiter zu verbessern. Die Initiative war im Februar 2011 vom Schweizer Stimmvolk mit 56,3 Prozent bachab geschickt worden.

Auch der Waffenerwerb ist nicht mehr so liberal wie früher. Je nach Kategorie (verbotene Waffen, bewilligungspflichtige Waffen oder meldepflichtige Waffen) wird laut dem Bundesamt für Polizei (fedpol) eine Ausnahmebewilligung, ein Waffenerwerbsschein oder eine Meldepflicht verlangt.

Somit könne nicht jeder in der Schweiz eine Waffe erwerben, schreibt das fedpol. Insbesondere bei Dritt- oder Selbstgefährdung sei dies beispielsweise nicht möglich.

Dennoch gibt es in der Schweiz bei rund 8 Millionen Einwohnern etwa 2,5 Millionen legale Waffen - das ist einer der höchsten Pro-Kopf-Werte weltweit. Rund die Hälfte der Waffen kommt vom Militär. (nch/cze/sda)