Münzstätte

Von wegen Verkaufsschlager: Swissmint bleibt auf Silbermünzen sitzen

Es hat Tradition: Seit über 80 Jahren gibt der Bund Gedenkmünzen heraus. Die Editionen aus Silber verkauften sich zuletzt aber nicht so gut wie gewünscht.

Die Münzstätte Swissmint hat vergangenes Jahr über 100'000 silberne Gedenkmünzen geprägt, konnte aber nur etwas mehr als die Hälfte verkaufen.

Es hat Tradition: Seit über 80 Jahren gibt der Bund Gedenkmünzen heraus. Die silbernen und goldenen Sammlerstücke sollen an historische Anlässe erinnern oder schweizerisches Kulturgut zeigen. Die Editionen aus Silber verkauften sich zuletzt aber nicht so gut wie gewünscht. Das geht aus der Staatsrechnung 2018 hervor, über die sich die Finanzkommission des Nationalrats ab morgen Montag beugt. Das Verdikt darin ist klar: «Die Verkaufszahlen der Silbermünzen wurden deutlich verfehlt.»

Konkret hat die eidgenössische Münzstätte Swissmint vergangenes Jahr 105 600 silberne Münzen geprägt. Verkauft wurden aber nur rund 63 000, wie Swissmint bestätigt. Auf über 40 000 Münzen blieb der Bund also sitzen. Im Vorjahr hatte die Bilanz sogar noch schlechter ausgesehen.

Trotzdem wurde die Produktionsmenge für 2018 nicht gesenkt. Swissmint verteidigt diesen Entscheid. «Der Verkaufserfolg lässt sich nur schwer voraussagen», begründet Christoph Tanner, Leiter Marketing und Verkauf bei Swissmint. Die Verkäufe seien stark abhängig vom Sujet und der Illustration. Entsprechend sei es schwierig, die korrekte Produktionsmenge festzulegen.

Ruth Niedermann, Herausgeberin des Münz-Magazins «Numis-Post», bestätigt Tanners Aussagen. Je nach Motiv schwanke das Interesse stark, sagt sie. Was gut ankomme und was nicht, sei auch für die Branche schwierig abzuschätzen. Generell fänden die Sujets heute im Vergleich zu den oft abstrakten Motiven der 1980er- und 1990er-Jahren aber guten Anklang, sagt sie.

Swissmint versucht laut Tanner Sujets zu wählen, die ein möglichst breites Publikum ansprechen. «Das gelingt manchmal mehr, manchmal weniger», räumt er ein. Besonders gut verkaufte sich beispielsweise 2016 die Sondermünze zur Eröffnung des neuen Gotthard-Bahntunnels. Die drei Editionen aus dem vergangenen Jahr – sie zeigten ein Oldtimer-Auto am Klausenpass, ein Dampfschiff und ein Schweizer Sackmesser – waren hingegen keine Verkaufsschlager. Nun reagiert der Bund auf die schlechte Bilanz der letzten beiden Jahre: Er hat die Verkaufsmenge für dieses Jahr auf 77000 Stück gesenkt.

«Früher war das Sammeln ein Volkssport»

Das sei sinnvoll, sagt Münzhändler Patrick Huber. Die Zahl der Sammler sei in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, gibt er zu bedenken. «Früher war das Sammeln von Münzen quasi ein Volkssport», sagt er. Das habe sich geändert. Hinzu komme, dass die Münzen seit einigen Jahren 30 statt 20 Franken kosten – obwohl sich der Nennwert nicht verändert hat. Auch das hatte laut Huber einen Einfluss auf die Verkaufszahlen. Seit 2000 kann mit den Gedenkmünzen zudem nicht mehr bezahlt werden. Das habe den Status der Münzen verschlechtert, sagt Huber, der seit über 25 Jahren eine Münzenhandlung in Aarau führt.

Trotz der schlechten Absatzzahlen entstand für den Bund vergangenes Jahr kein Verlust. Die rund 5000 goldenen Gedenkmünzen verkauften sich gut. Insgesamt waren die Gedenkmünzen daher kostendeckend. Die nicht verkauften Exemplare lagert Swissmint drei Jahre lang, danach werden aus ihnen neue Gedenkmünzen gemacht.

Die Ironie der Geschichte: Die erste Silbermünzen-Edition in diesem Jahr erschien zum Jubiläum des Zirkus Knie, und zwar in kleinerer Auflage von nur 5000 Stück – und war innert Stunden ausverkauft. Davon hätte Swissmint also durchaus mehr produzieren können. Maja Briner

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