Atomdebatte

Von der AKW-Stilllegung zur grünen Wiese dauert es 15 Jahre

Atomkraftwerk: Nach der Stilllegung bis zur grünen Wiese dauert es weitere 15 Jahre

Atomkraftwerk: Nach der Stilllegung bis zur grünen Wiese dauert es weitere 15 Jahre

Wann sollen die Schweizer Atomkraftwerke abgeschaltet werden? Die Axpo und BKW planen das Ende von Mühleberg und Beznau. Bis zu einer grünen Wiese dauert es rund 15 Jahre.

Der Streit um die Abschalttermine ist derzeit das dominierende Thema in der Atomkraft-Debatte. An vorderster Front wehren sich die Stromkonzerne Axpo und BKW gegen fixe Laufzeitbeschränkungen – und das nicht zimperlich.

Axpo-Chef Heinz Karrer drohte kürzlich sogar mit Schadenersatzklagen, sollte die Politik die frühzeitige Abschaltung der Reaktoren Beznau I und II verfügen.

Aus kommerzieller Sicht mag das politische Feilschen um den Todestag der jahrzehntealten Meiler für die Betreiberfirmen entscheidend sein.

Gleichzeitig verdeckt es eine viel grössere Herausforderung: die anstehende Stilllegung der beiden AKW.

Ob es nun fünf Jahre Betriebszeit mehr oder weniger sind: Irgendwann um 2020 gehen die Reaktoren Mühleberg und Beznau vom Netz. Während die Konzernchefs in Bundesbern für längere Laufzeiten kämpfen, müssen ihre Mitarbeiter deshalb schon heute alle Vorbereitungen für die Zeit danach treffen.

Bis vom einstigen Atomkraftwerk die sprichwörtliche «grüne Wiese» zurückbleibt, dauert es laut dem eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) aufgrund von Erfahrungen im Ausland rund 15 Jahre.

Die Mühleberg-Betreiberin BKW hat eine fixe Arbeitsgruppe mit fünf Mitarbeitern eingesetzt, die unter Einbezug einer Vielzahl von Experten alle planerischen Vorbereitungen für die Stilllegung trifft.

Auch die Axpo als Besitzerin des AKW Beznau hat «mit einer detaillierten Planung für den Rückbau» der Kernanlagen begonnen, wie der Konzern auf Anfrage schreibt.

Das Unternehmen will für alle Eventualitäten gewappnet sein und erarbeitet «je nach Betriebsdauer» verschiedene Szenarien. «Eine frühzeitige Planung ist notwendig, um möglichen Engpässen bei Lieferanten und Fachkräften entgegenzuwirken.»

Tatsächlich ist die Personalfrage laut Branchenkennern neben dem Strahlenschutz einer der Knackpunkte bei der Stilllegung. Die Betreiber müssen sicherstellen, dass sie ganz zum Schluss genügend Fachkräfte haben.

Eine Massenabwanderung von Experten ins Ausland als Folge des Atomausstiegs wäre fatal. Das gilt auch für das Ensi: Der Überwachungsbehörde mit Sitz im aargauischen Brugg kommt bei der Stilllegung eine zentrale Rolle zu.

Um auf «das Halten und Gewinnen von qualifizierten Mitarbeitern in einem schwierigen Marktsegment vorbereitet zu sein», haben die Verantwortlichen im vergangenen Jahr das Projekt Human Capital Management lanciert.

Nachbetrieb und Stilllegung

Die Stilllegung an sich beginnt unmittelbar nach der Abschaltung der AKW mit einer fünfjährigen Nachbetriebsphase: In dieser Zeit werden die abgebrannten Brennelemente abtransportiert und erste Vorbereitungen für den Rückbau getroffen.

Es gelten die gleichen Sicherheitsbestimmungen wie im normalen Betrieb. Erst wenn das Energiedepartement (Uvek) dem Betreiber die Stilllegungsverfügung erteilt, beginnt der eigentliche Abbruch.

Das Rückbaupersonal zerlegt das Kraftwerk darauf in mehreren Phasen in transport- und lagegerechte Einzelteile und trennt radioaktives Material von ungefährlichem Schutt.

Die Betreiber können dabei nicht nur auf Erfahrungen aus dem Ausland, sondern auch auf Erkenntnisse aus dem Rückbau mehrerer Forschungsreaktoren des Paul-Scherrer-Instituts und der Universität Genf zurückgreifen.

Nach zehn Jahren sollte das AKW vom Erdboden verschwunden sein. «Ist die Stilllegung eines Kernkraftwerks gut vorbereitet, ist der Rückbau in einem überschaubaren Zeitraum realisierbar», schreibt das Ensi.

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