Der Churer Bischof Vitus Huonder hatte für Furore gesorgt, als er an einem Kongress aus dem 3. Buch Mose zitierte: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft.»

Der Teilzeit-Imam der Winterthurer An’Nur-Moschee hatte für Furore gesorgt, als er in einem Freitagsgebet folgende Worte des Propheten Mohammed zitierte: «Wenn sie (die Gläubigen, die der Moschee fernbleiben) weiterhin in ihren Häusern beten, sind diese anzuzünden.»
Der Bischof und der Imam wurden wegen desselben Delikts angezeigt: öffentliche Aufforderung zu Gewalt. Das Verfahren gegen Huonder wurde allerdings eingestellt. Der Imam hingegen wurde verurteilt. Jetzt hat das Bundesgericht den Entscheid bestätigt.

Wäre Huonder verurteilt worden, wäre das Ende der Religionsfreiheit beklagt worden. Das Urteil gegen den muslimischen Hassprediger hingegen stösst auf breite Akzeptanz.

Was ist der Unterschied? Es sind höchstens Nuancen. Am Kirchenkongress fand noch eine Diskussion statt. In der Moschee hingegen fand keine Auseinandersetzung statt.

Das Bundesgericht betont im Urteil gegen den Imam, dieser wäre auch verurteilt worden, wenn er einen Aufruf zu Gewalt aus dem Alten Testament zitiert hätte. Nimmt man das Gericht beim Wort, könnte es das nächste Mal also auch einen Bischof treffen.

Für die Ex-Prediger aus Chur und Winterthur hat das Urteil jedoch keine Konsequenzen mehr. Der Imam wurde ausgeschafft nach Somalia. Der Bischof geniesst seinen Ruhestand in einem Knabeninstitut.