WEF in Davos

Venezuelas Rebell Juan Guaidó flunkert über die Schweiz

Juan Guaidó spricht vor Managern und Investoren in Davos. Er weibelt um Unterstützung. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Juan Guaidó spricht vor Managern und Investoren in Davos. Er weibelt um Unterstützung. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Vor genau einem Jahr hat sich der 36-Jährige zum Übergangspräsidenten Venezuelas erklärt. In Davos weibelte er nun für Unterstützung. Das WEF hat er im Sack, bei der Schweiz trickste er.

Für den venezolanischen Oppositionsführer Juan Guaidó ist der Besuch in Davos mit Risiko verbunden, denn gegen den 36-jährigen Oppositionspolitiker wurde ein Ausreiseverbot verhängt. Am Weltwirtschaftsforum wurde Guaidó umso wärmer empfangen. In der ersten Reihe sass Gastgeber Klaus Schwab mit Ivan Duque, dem Präsidenten von Venezuelas Nachbarland Kolumbien.

Die Davoser Elite schmückt sich gerne mit dem Rebellen. Zu diesem machte sich Guaidó vor einem Jahr. Während einer Kundgebung erklärte er sich zum Übergangspräsidenten Venezuelas. Damit forderte er das amtierende Staatsoberhaupt Nicolás Maduro heraus. Die Opposition wirft dem Sozialisten und Nachfolger von Hugo Chavez vor, Wahlen manipuliert zu haben.

Guaidó wurde von den USA und auch einer Reihe andere Staaten anerkannt. Aber es ist ihm nicht gelungen, sich in seinem Heimatland durchzusetzen. Das liegt einerseits an der Repression, die von Maduros Regime und seinen Anhängern ausgeht, zum anderen aber auch an der fehlenden Bekannt- und Beliebtheit Guaidós. Wie er während eines Gespräches mit Journalisten einräumte, kennen ihn nur etwa 60 Prozent der Venezolaner.

Sein Auftritt soll ihn auch im Heimatland bekannt machen.

Seine Reise nach Davos hat auch mit dieser fehlenden Bekanntheit zu tun. Er gebärdet sich als Präsident, um seine Beliebtheit im eigenen Land zu steigern. Das sah dann so aus: Kaum hatte er seine Ansprache beendet, in der er für Unterstützung warb und forderte, den irregulären Export von Gold aus dem Amazonas zu verhindern, zückte er sein Smartphone und machte von der Bühne aus ein Selfie, auf dem auch Schwab und Duque zu sehen sind.

Dann wandte er sich direkt in die Kameras von mitgereisten venezolanischen Journalisten. «Der Besuch hier ist wichtig für Guaidó, um den Venezolanern zu zeigen, dass er internationale Unterstützung geniesst», sagt die Journalistin Gabriela Perozo, die von Miami aus für den Sender VPI.TV arbeitet und nach Davos angereist ist.

Allerdings dürfte es schwierig werden, dass die Venezolaner überhaupt von dem Auftritt erfahren. So sagte Guaidó während einer Pressekonferenz am Abend, dass Journalisten in Venezuela ihren Job verlieren, wenn sie über ihn schreiben.

Schweiz anerkennt ihn, aber nicht als Staatsoberhaupt

Von dieser Zeitung darauf angesprochen, ob er sich wünsche, dass auch die Schweiz ihn formell als Interimspräsidenten Venezuelas anerkenne, antwortete Guaidó selbstbewusst, dass tue die Schweiz bereits. Doch das stimmt so nicht.

Die Schweizer Aussenpolitik sieht es nicht vor, einzelne Regierungen zu anerkennen. Es werden nur Staaten anerkannt. Bundesrat Ignazio Cassis sagte am Donnerstagmorgen: «Herr Guaidó ist der legitime Präsident des venezolanischen Parlaments. Wir heissen ihn in dieser Rolle willkommen.»

Allerdings wurde Guaidó von Maduros Leuten auch als solcher mittlerweile mit zweifelhaften Methoden abgesetzt. Dass die Schweiz ihn als legitimen Parlamentspräsidenten sieht, ist also doch ein Stück Anerkennung für Guaidó und indirekt Kritik an Maduros Vorgehen.

WEF-Sprecher erinnert an Angela Merkel, die am WEF schon war, bevor sie Kanzlerin wurde

Das WEF unterstützt Guaidó so wie so. Das Forum hat ihm den Titel «Young Global Leader» verliehen. Den Pinn mit den Buchstaben YGL trägt er stolz am Revers.

Als eine venezolanische Journalistin den verdutzten Moderator der Pressekonferenz fragte, warum Guaidó eingeladen wurde. Antwortete dieser, dass das WEF aufsteigende Führer auf Politik und Wirtschaft einlade. Auch Angela Merkel sei schon nach Davos gekommen, bevor sie Bundeskanzlerin geworden sei.

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