Andrea Caroni

Vaterschaftsurlaub: Keine zusätzlichen Freitage – Männer sollen dafür ihre Ferien nutzen

Papi packt an: Ein Vater zieht seiner fünf Monate alten Tochter Socken an. Archivbild Gaetan Bally/Keystone

Papi packt an: Ein Vater zieht seiner fünf Monate alten Tochter Socken an. Archivbild Gaetan Bally/Keystone

Mit einer Volksinitiative kämpfen Gewerkschaften und Verbündete für einen vierwöchigen staatlich bezahlten Vaterschaftsurlaub. FDP-Ständerat Andrea Caroni plädiert für eine Alternative: Männer sollen die Garantie erhalten, ihre eigenen Ferien um die Geburt des Kindes einsetzen zu dürfen. Die Sozialkommission des Ständerats begegnet diesem Vorschlag mit Skepsis.

Vier Wochen Vaterschaftsurlaub für alle, bezahlt vom Staat: Voraussichtlich in der Sommersession wird das Eidgenössische Parlament über die Volksinitiative debattieren, mit der Gewerkschaften, Männer-, Frauen-, Familienverbände - insgesamt über 160 Organisationen - frisch gebackenen Vätern zusätzlich 20 freie Tage gewähren möchten. In einer Umfrage, welche der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse in Auftrag gab, sprachen sich 81 Prozent für vier Wochen Vaterschaftsurlaub aus.

Der Ausbau des Sozialstaates würde über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert und gemäss der Botschaft des Bundesrats jährlich 420 Millionen Franken kosten. Die Sozialkommission des Ständerats (SGK) hat der Initiative einen indirekten Gegenvorschlag gegenübergestellt, der einen zweiwöchigen Urlaub vorsieht.

FDP-Ständerat Andrea Caroni. Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Bern, 11. September 2018)

FDP-Ständerat Andrea Caroni. Bild: Alessandro della Valle/Keystone (Bern, 11. September 2018)

Für Ständerat Andrea Caroni (FDP, AR) braucht es weder einen vier- noch zweiwöchigen Urlaub. Anstatt die Allgemeinheit zur Kasse zu bitten, plädiert der FDP-Politiker für einen «Do-it-yourself»-Urlaub: Die Neoväter sollen die eigenen Ferien dann beziehen, wenn das Kind auf die Welt kommt. «Die Arbeitnehmer haben Anspruch auf vier Wochen Ferien, viele erhalten fünf. Wenn sie diese für die Familie einsetzen, ist die Forderung nach einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub bereits erfüllt», sagt Caroni. Mit seiner parlamentarischen Initiative möchte Caroni präzisieren, dass die Arbeitnehmer das explizite Recht erhalten, die Ferien rund um die Geburt beziehen dürfen. Denn grundsätzlich darf der Arbeitgeber bestimmen, wann sich die Arbeitnehmer erholen dürfen.

Die Sozialkommission des Ständerats hat sich am Donnerstag allerdings mit 6 zu 0 Stimmen bei 7 Enthaltungen gegen Caronis Vorschlag ausgesprochen. Sie findet, dass die Unternehmen bereits heute Rücksicht auf entsprechende Wünsche der Angestellten nehmen. Es bestehe kein Handlungsbedarf für neue Urlaubsmodelle, teilen die Parlamentsdienste am Freitagmorgen mit.

SVP-Ständerat und Sozialpolitiker Alex Kuprecht hat inhaltlich zwar nichts gegen Caronis Vorschlag einzuwenden. Er lehnt ihn aber aus formalen Gründen ab. Kuprecht hätte es bevorzugt, wenn Caroni eine Motion eingereicht hätte. Bei Zustimmung hätte in diesem Fall der Bundesrat einen Gesetzesvorschlag ausarbeiten müssen, bei einer parlamentarischen Initiative hingegen die SGK. «Die vielen parlamentarischen Initiativen belasten die Kommission schon jetzt sehr stark», sagt Kuprecht.

Kritik von CVP- und SP-Nationalrat

Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas, der einst im Parlament vergeblich für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub gekämpft hatte, bezeichnet Caronis Vorschlag als «verzweifelten Versuch», eine Lösung zu präsentieren, die keine Lösung sei. «So werden die Familien nicht gestärkt», sagt er. Der Berner SP-Nationalrat Adrian Wüthrich, Präsident der Gewerkschaft Travail.Suisse und Mitglied des Initiativkomitees für einen Vaterschaftsurlaub, hält Caronis Vorstoss derweil für einen «kreativen Beitrag». Wüthrich würde es begrüssen, wenn Väter die Gewissheit hätten, dass sie ihre Ferien in einem gewissen Zeitraum um die Geburt beziehen könnten. Als Alternative zum staatlich finanzieren Vaterschaftsurlaub tauge Caronis Idee aber nicht.

«Ferien sind dafür da, sich von der Arbeit zu erholen und nicht, um den anspruchsvollen Start ins Familienleben zu meistern», sagt der Vater von zwei Kindern im Schulalter. Caroni nahm bei der Geburt von seinen zwei Kindern selber Ferien und baute Überzeit ab. Er kontert Wüthrichs Einwände:

Mit der Initiative steige einfach das Ferienguthaben auf 8 Wochen.

Caroni findet es kein Opfer, reguläre Ferien für den eigenen Nachwuchs zu beziehen: «Was gibt es Schöneres, als freie Tage mit der Familie zu verbringen?», fragt er. Bloss: Die politischen Chancen für Caronis Vorstoss sind nach dem Verdikt in der SGK gesunken.

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