Lebensmittelmarkt

Und weiter wächst der Labelsalat: Alle wollen am Biokuchen teilhaben

2018 wuchs der Bioumsatz auf über 3 Milliarden. (Bild: Keystone

2018 wuchs der Bioumsatz auf über 3 Milliarden. (Bild: Keystone

Bio ist in. Angesichts der Rekorde wollen neben Migros und Coop auch andere Verteiler an diesem Biokuchen teilhaben.

Der Schweizer Detailhandel und seine Konsumenten sind gesättigt. Der Markt stagniert. Händler reagieren darauf, indem sie ihr Glück in wachstumsträchtigen Segmenten suchen. Dazu gehören auch Bioprodukte. Vergangenes Jahr wuchs der Bioumsatz auf über 3 Milliarden Franken. Das ist 1 Milliarde mehr als noch 2013. Die beiden Grossverteiler Migros und Coop decken über drei Viertel des Biomarktes ab.

Angesichts der Erfolge wollen auch andere an diesem Biokuchen teilhaben. Zum Beispiel Spar. Der Nahversorger hat diese Woche mit Spar Natural ein neues Biolabel eingeführt – obwohl er mit Spar Natur pur bereits eines führt.

© CH Media

Weshalb ein zusätzliches Label? Zumal es allein im Nahrungsmittelsektor schon rund 70 Labels gibt. Und 2015 unter Leitung der Stiftung Pusch verschiedene Organisationen, darunter WWF, Helvetas und die Stiftung für Konsumentenschutz, in einer «Bewertung der Lebensmittel-Labels» festgestellt haben: «Mit der Anzahl der Labels steigt auch die Unsicherheit der Konsumenten.» Und weiter: «Detailhändler wie Discounter haben Eigenmarken entwickelt, hinter denen etablierte Standards stehen, die jedoch nicht immer auf dem Produkt sichtbar sind.» Diese Entwicklung sei problematisch, da es für die Konsumenten immer schwieriger werde, sich in diesem Labeldschungel zurechtzufinden und zu verstehen, welcher Mehrwert hinter den einzelnen Labels stecke.

Bio ist nicht gleich Bio: Der feine Unterschied

Marco Zbinden, Vertriebsleiter bei Spar Schweiz, kontert: Im Gegensatz zu Spar Natur pur setze Spar Natural «auf der ganzen Linie auf Nachhaltigkeit». Die Produkte seien nicht nur biologisch, sondern zeichneten sich auch durch andere Kriterien aus wie fair gehandelt oder Frei-von-Qualitäten, also etwa ohne Gluten, ohne Weizen, ohne Lactose, ohne Milch oder ohne Zucker. Oder sie sind vegan oder vegetarisch.

Spar startet die Natural-Linie mit 18 Produkten, will sie aber laufend ausbauen. Was auffällt: Die Bioprodukte beider Linien sind nach den Vorschriften der schweizerischen oder der EU-Bioverordnung hergestellt. Diese staatlichen Bioverordnungen gehen weniger weit als beispielsweise die Vorschriften, die es für das Knospe-Label der Organisation Bio Suisse zu erfüllen gilt. Spar Natur pur etwa hatte im genannten Bewertungsbericht nur ein «bedingt empfehlenswert» erhalten, denn: «Die staatlichen Bioverordnungen schneiden schlechter ab als andere Biolabels, da sie in den Bereichen Bewässerung, Biodiversität, Klima und Soziales nur wenige oder gar keine Anforderungen stellen.»

Bio Suisse begrüsst es, wenn Detailhandelsketten vorwärtsmachen mit Bio. Beim neuen Biolabel von Spar gehe es indessen vor allem um verarbeitete Importprodukte. Noch mehr freuen würde sich Bio Suisse, wenn sich der Handel noch stärker bei der Abnahme von Produkten von Knospe-Bauern engagierte, sagt ein Sprecher. Denn: 7100 und damit rund 95 Prozent aller Schweizer Biobauern sind Knospe-Bauern. Bio Suisse stehe mit allen Detailhändlern in Kontakt, um sie zu sensibilisieren: «Bio ist gut, aber die Schweizer Biobauern kann man vor allem mit mehr Knospe-Produkten in den Regalen unterstützen.»

Verschiedene Bio-Suisse-Lizenznehmer beliefern auch Discounter wie Aldi und Lidl. Diese möchten gerne auch ihre eigenen Bioprodukte mit der Knospe ausloben – was aber erst möglich ist, wenn sie die strengen Distributionsgrundsätze von Bio Suisse erfüllen. Dazu zählen ein ganzjähriges Angebot, ein Bekenntnis zu den Bio-Suisse-Werten und die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft etwa durch entsprechende Forschung. Und der Anteil der Bioprodukte am Gesamtsortiment muss gleich gross sein wie der Bioanteil am Gesamtmarkt, also 10 Prozent. Momentan stehen Aldi und Lidl bei 6 bis 7 Prozent. Das Tauziehen dauert schon einige Jahre. Bio Suisse steht mit Aldi und Lidl in «konstruktiven Gesprächen».

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1