In den Schweizer Lehrerzimmern wird seit Tagen über ein Thema gesprochen: Die Schneefälle und welche Gefahren sie mit sich bringen. Welche Berggebiete bleiben sicher, welche nicht? Schliesslich stehen in den kommenden Wochen landesweit Skilager an.

Dass sich die Lehrerinnen und Lehrer derzeit vor allem darüber Sorgen machen, war vor einigen Monaten nicht absehbar. Da ging es um mehr, um Grundsätzliches: Können Schul- und Skilager überhaupt noch durchgeführt werden? Vielerorts drohte diese Institution des Schweizer Schulwesens wegzufallen. «Klassenlager in Gefahr», titelten die Zeitungen landesweit.

Ursprung der Debatte waren die Elternbeiträge. Vor einem Jahr kam das Bundesgericht zum Schluss, dass obligatorische Angebote von Schulen kostenlos sein müssen. Deshalb dürften von Eltern maximal 16 Franken pro Tag für Verpflegung verlangt werden. Viele Lager waren aber teurer. Je nach Schule zahlten Eltern zwischen 150 und 300 Franken für eine Lagerwoche. Manchmal auch mehr.

Das Urteil hat Folgen

Auch wenn das Urteil viele Kinder, Eltern und Lehrer verunsichert hat, so bleiben die Klassenlager auch dieses Jahr fester Bestandteil der Schulen. Das zeigt eine Umfrage dieser Zeitung unter den Schulleitern, Lehrern und den Deutschschweizer Bildungsdepartementen. Zwar mussten einige Kantone ihre Richtlinien anpassen, doch kaum eine Schule war gezwungen, das Klassenlager zu streichen. Viele Gemeinden hoben das Budget an oder sprangen ein, wenn Eltern teurere Ausflüge nicht bezahlen konnten.

Spurlos ging das Urteil trotzdem nicht an den Schulen vorbei. Die Lehrer müssen sparen. Nun heisst es Massenschlag statt Vierer-Zimmer, Spaghetti statt Rindsfleisch. «Viele Schulen haben das Budget runtergeschraubt und suchen nun nach ganz günstigen Unterkünften», sagt Christina Aenishänslin, Sprecherin der Groups Swiss. Die Branchenorganisation der Schweizer Gruppenunterkünfte vermittelt über 650 Behausungen. Die Anfragen hätten abgenommen. «Die meisten bleiben einfach weg und melden sich gar nicht erst.» Viele Lehrer würden direkt mit den Vermietern sprechen, um die Preise zu drücken und Rabatte auszuhandeln, sagt Aenishänslin. Dennoch würden sie weiterhin viele Lehrer, Schulen und Vermieter beraten. «Der Wert der Lager ist unbestritten.»

Auch die Schulleiter heben deren Bedeutung hervor: «Sie sind für das soziale Lernen extrem wichtig», sagt Bernard Gertsch, Präsident des Schweizer Schulleiterverbandes. Die Reisen seien aus der Schule nicht wegzudenken. Die Verunsicherung nach dem Gerichtsentscheid sei spürbar gewesen. Nun ist Gertsch erleichtert, dass Lösungen gefunden wurden. Und er hofft auf weitere Unterstützung: «Wir verhandeln derzeit mit Car-Unternehmen, um Schüler günstiger in die Lager fahren zu können.» Davon würden alle profitieren. Die Schulen hätten weniger Ausgaben und die Unternehmen gute Werbung.

Verhandlungen mit den SBB

Einen ähnlichen Weg geht der Schweizer Lehrerverband. Die Lehrpersonen sind in Gesprächen mit den SBB. «Klassenfahrten müssen billiger werden», sagt Lehrerpräsident Beat Zemp. Der gewöhnliche Gruppenrabatt reiche für die Schulklassen nicht mehr aus. «Der Zug ist mit dem Bus nicht mehr konkurrenzfähig.» Die Lehrer möchten gemeinsam mit anderen Verbänden erreichen, dass die SBB bei den Tarifen entgegen kommen.

Ganz gebannt ist die Sorge um die Klassenlager trotz der positiven Zwischenbilanz aber nicht. Deswegen wird der Schulleiterverband im Mai die erste systematische Befragung zum Thema unter seinen Mitglieder durchführen. So sollen Probleme in den Kantonen erkannt und Lösungen gefunden werden.