Zollikerberg

Tragödie in der Gangsta-Rap-Szene: Zwei Teenager sterben unter ungeklärten Umständen

Mitglieder des Rapkollektivs Gsezhlos.

Mitglieder des Rapkollektivs Gsezhlos.

Zwei 15-Jährige werden tot in der Wohnung eines bekannten Musikproduzenten gefunden. Ein Kollege von ihm, Rapper Besko, steht diese Woche vor Gericht. Eine Welt zwischen Schein und Sein.

Auf dem Zollikerberg, einer hübschen Wohngegend 200 Meter über dem Zürichsee, ereignet sich am Sonntag etwas Unvorstellbares. Zwei 15-Jährige werden tot in einer Wohnung gefunden. Fest steht zunächst nur, dass nicht von einem Gewaltdelikt ausgegangen werden kann. Spekuliert wird, die Teenager seien an Drogen gestorben. Alarmiert wurde die Polizei von einem 18-jährigen Kollegen, der sich in der Wohnung befand. Er sitzt in Haft und wird verdächtigt, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen zu haben.

Die Tragödie geschieht in einem speziellen Milieu. Der Stiefvater des einen 15-Jährigen ist einer der bekanntesten Gangster-Rapper von Zürich. Er ist der Anführer des Rapkollektivs «Gsezhlos». ZH in der Wortmitte steht für Zürich. Auch die Mutter gehört der Truppe an. Das Paar lebt in der Wohnung, in der die Jugendlichen starben, war am Sonntag aber nicht anwesend.

Die Welt der Gangster-Rapper basiert auf einer Differenz zwischen Schein und Sein. Das Rapkollektiv bildet in Videoclips sämtliche Klischees des Genres ab. Die Männer posieren vor Sportautos, hantieren mit Messern und Maschinengewehren, dichten über ihr Leben im Untergrund und degradieren Frauen zu Sexobjekten, die mit ihren nackten Hintern wackeln.

Die Bildsprache ist derart überzeichnet, dass die Clips wie eine Parodie wirken. Die Rapper, die alle Secondos sind, meinen die Botschaft, dass sie harte Kerle von der Strasse seien, zwar durchaus ernst. Gleichzeitig verstehen sie die gewalttätige und sexualisierte Darstellung aber als künstlerisches Stilmittel.

Was ist also echt, was ist nur gespielt? Die Grenzen sind fliessend, wie die Biografien der Zürcher Gangster-Rapper zeigen.

Eine der wichtigsten Gsezhlos-Figuren ist Rapper Besko, ein 35-jähriger Kosovare, der in einer Pflegefamilie in der Schweiz aufwächst. Sein erstes Wort ist Schweizerdeutsch. Nach einer Karriere als Kleinkrimineller wurde er ausgeschafft. Einen Familienbesuch in der Schweiz missbraucht er prompt für eine weitere Tat. Im Gsezhlos-Studio besorgt er sich eine Druckluftwaffe, mit der er eine Postfiliale überfällt. Der Gangsta-Rapper entpuppt sich als dilettantischer Gangster und sitzt seither im Gefängnis. Am Donnerstag steht er vor Gericht.

Es ist diese Welt gepaart von Hoffnung und Trostlosigkeit, in der der Tod der 15-Jährigen stattfindet. Die erste Ausschaffung von Besko wurde sogar von SVP-Nationalrat Lukas Reimann bekämpft, weil er in ihm eine Integrationsfigur und einen Härtefall sah. Der Stiefvater des 15-Jährigen zeigt sich ebenfalls von verschiedenen Seiten. Auf Instagram inszeniert er sich als liebevoller Vater, der auf einem Bild im Regen steht und seinem Sohn einen Schirm über den Kopf hält. Dazu schreibt er, Vater zu sein, bedeute, alle Probleme von seinem Kind fernzuhalten, auch wenn man selber im Regen stehe.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1